ersatz gestalten

| Ein Wörterbuch autofiktionaler Erinnerungen |

Eine Autobiografie muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.

Franz Kafka bezog seinen Satz auf das Buch, mir kam dabei ein Bezug zur Autobiografie in den Sinn. Ob diese Verbindung funktioniert, fruchtet, das ist eines der Anliegen dieses Sudelbuchs.

Autofiktionale Erinnerungen | In diesem Sudelbuch geht es das autobiografische Erzählen, was mehr beinhaltet als das reine Schreiben. Es ist auch ein Versuch, negativ Erlebtes umzuschreiben, einen anderen Verlauf zu geben.

Der Titel bezieht sich darauf, dass das festgehaltene Erinnerungen entspringt und diese können täuschen, das Erinnerte wird in Symbole, Worte, Bilder, Metaphern verpackt und erhalten somit eine ersatz|gestalt.

Autofiktionale Erinnerungen | Ich stelle mir dieses Sudelbuch so vor: es gibt zu einem Wort einen Grundtext, mit ersten Gedanken und vor allem Fragen an das Leben. Dann beginnt der eigentliche Reflexions- und Schreibprozess. Ich schreibe Erweiterungen sobald mich der vorangegangene Text weitergebracht hat.

In einer Gesellschaft, in der normal ist, diese Erfahrung haben ich und viele meiner Gesprächspartner gemacht, selber schuld zu rufen, wenn einem Furchtbares widerfahren ist, sollte man sich gut überlegen, ob mann oder frau unter echtem Namen seine Autobiografie schreibt. Insbesondere wenn es dabei auch um Traumata und/oder Depressionen geht. Eine Weile bin ich offen damit umgegangen und habe – wenn es mir angebracht, notwendig schien – gesagt, dass ich unter Depressionen leide. Nun wohne ich in einer Kleinststadt und musste erleben, dass alles, was man einem Menschen negativ auslegen kann, auch getan wird. Das Ergebnis ist eine Ausgrenzung in der weiteren Nachbarschaft ohne Alltagsbezug: man sei der Psycho, der Zuhause auf das arme Kind aufpasst und sich von der Frau aushalten lässt. Ich bitte diese Zeilen nicht als niedergeschriebenes Selbstmitleid zu verstehen. Ich möchte damit zeigen, warum ich unter Pseudonym schreibe. Wer die einzelnen Wörterbucheinträge liest, erkennt hoffentlich auch das Bestreben mit Alltagsmobbing, Diskriminierung konstruktiv umzugehen.

Einen großen Teil an Inspiration habe ich Hanns-Josef Ortheil zu verdanken, der mich mit seinen Schreibübungen in Schreiben über mich selbst – Spielformen des autobiografischen Schreibens – durch diese Autobiografie begleitet. Eine Besprechung folgt.

Hier nun zum 1. Satz.

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