Das Literaturmagazin Wespennest ist eine seit 1969 bestehende österreichische Literaturzeitschrift, die in Wien herausgegeben wird und sich als feste Größe in der deutschsprachigen Kulturszene etabliert hat. Gegründet in einer Ära des gesellschaftlichen Aufbruchs – geprägt von Studentenbewegungen und künstlerischer Experimentierfreude – spiegelt das Magazin bis heute den Geist kritischer Auseinandersetzung wider. Seine Anfänge waren von einer rebellischen Haltung und einer experimentellen Ausrichtung geprägt, die sich in der Verbindung von Literatur, bildender Kunst und gesellschaftspolitischen Debatten manifestierte. Über die Jahrzehnte hat sich die Zeitschrift kontinuierlich weiterentwickelt, ohne ihre grundlegende Mission aus den Augen zu verlieren: die Förderung anspruchsvoller, dialogorientierter Kunst.
Als Plattform für „brauchbare Texte und Bilder“ setzt das Wespennest bewusst auf Inhalte, die über reinen Unterhaltungsjournalismus hinausgehen. Das Spektrum der Veröffentlichungen umfasst Prosa, Lyrik, Essays, Interviews sowie visuelle Kunst, wobei ein besonderer Fokus auf der Entdeckung neuer literarischer Stimmen liegt. Jede der vier jährlich erscheinenden Ausgaben widmet sich einem thematischen Schwerpunkt, der gesellschaftlich relevante Fragen aufgreift. Behandelte Themen reichen dabei von Migration, ökologischer Krise und digitalem Wandel bis zu Diskursen über Identität oder globale Ungleichheit. Diese interdisziplinäre Herangehensweise verbindet literarische Qualität mit analytischer Tiefe.
Die Bedeutung des Magazins unterstreicht auch die Würdigung durch die Jury des Victor Otto Stomps-Preises, die das Wespennest als eine der „innovativsten und zugleich renommiertesten Literaturzeitschriften im deutschsprachigen Raum“ bezeichnete. Mit seiner internationalen Ausrichtung – etwa durch Beiträge aus Osteuropa, Lateinamerika oder Asien – schafft die Zeitschrift seit über fünf Jahrzehnten einen transnationalen Dialog. Heute gilt das Wespennest nicht nur als Forum für literarische Avantgarde, sondern auch als Reflexionsraum für zeitgenössische Debatten, der Autoren, Künstlerinnen und Denkende gleichermaßen anzieht.
Im Bestand
#179|Viele Sprachen – eine Sprache?
#135|Von den Rändern der Städte
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