Akzente – Spielräume

Wie gehen Schriftstellerinnen und Dichter mit dem Begriff des Spielraums um? Wie ein Architekt? Eine bildende Künstlerin? Ein Geflüchteter? Ein Theatermann? Eine Komponistin? Eine Übersetzerin? Ein Literaturwissenschaftler? Ein Literaturhistoriker?

Diese Fragen stellt Dagmar Leupold in ihrem Vorwort zur Ausgabe 02/2022 der Literaturzeitschrift Akzente, die den Titel „Spielräume“ trägt. Als Ausgangspunkt nimmt sie die Definition von Johann Christoph Adelung aus dem 18. Jahrhundert: „Raum, innerhalb dessen sich ein Körper frei und ungehindert bewegen kann.“

AKZENTE - Literaturzeitschrift - Spielräume - Dagmar Leupold
AKZENTE – Literaturzeitschrift – Spielräume – Dagmar Leupold

Leupold beschreibt, wie gesellschaftspolitische Entwicklungen den Begriff des Spielraums in den Fokus rücken. Die Corona-Pandemie habe den Raum als geographische Größe, der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine den Raum als geopolitische Größe thematisiert. In einer Zeit der Polarisierung und räumlichen Trennung gerate die freie Bewegung ins Stocken. Zwischen festen Polen sei Bewegung nur noch über Umwege möglich – der Widerstand wachse, die Leistungsfähigkeit schwinde.

Die Kunst eröffne einen solchen Spielraum ungehinderter Bewegung. Mit Bezug auf Michel Foucaults Begriff der „Heterotopien“ spricht Leupold von „anderen Orten“, die ästhetisch erfahrbar werden – Orte, an denen Begegnung anstelle von Gegenwart tritt. Diese Spielräume der Kunst seien allerdings durch ideologische Vorgaben und ökonomische Quotenschranken reguliert.

Das Heft versammelt Antworten auf diese Fragen – oder neue Fragen, die an anderer Stelle in anderen Worten oder Bildern zur Sprache kommen. Die verschiedenen Vorstellungswelten kreuzen sich, widersprechen sich und verändern sich dabei. Diese Fragestellungen werden auf ersatzgestalt.de aufgegriffen und in einzelnen Beiträgen weiterverfolgt.

Inhaltsverzeichnis der Ausgabe

Nach dem Vorwort von Dagmar Leupold eröffnet Daniela Danz mit „Zeuge X“ das Heft. Markus Gottschling untersucht in „Räume räumen“ Verlust und Verschwinden in den Leerstellen der Literatur. Olga Radetzkaja fragt in „Leidenschaft, Luft und Lüge“, wer oder was im Raum der Übersetzung spielt.

Jan Bürger trägt „Insektenschachteln“ bei. Nico Bleutge ist mit dem Gedicht „anfangen, wieder“ und dem Text „pelzentbehrt“ vertreten. Norbert Niemann richtet einen „Brief an einen jungen Schriftsteller“. Mamadou Oury Barry reflektiert in „Spielraum? Spielraum!“ über das Thema, Lena Gorelik schreibt über „Worte aus der Luft“.

Peter Haimerl und Jutta Görlich stellen das Projekt „Cäcilia“ vor. Johannes X. Schachtner unternimmt eine musikalische Annäherung „Auf und zwischen fünf Linien“. Andrea Heuser setzt sich in „Still, wir haben zu viele Geschichten …“ mit dem Reservat als Hohlraum der Gesellschaft auseinander. Reinhold Lay beschließt das Heft mit einem Rückblick nach vorn: „Die Erfindung des Spielraums“.

Zur Herausgeberin: Dagmar Leupold, geboren 1955, ist Schriftstellerin, Essayistin und Übersetzerin. Sie hat Romane, Erzählbände und Essays veröffentlicht und wurde mit Literaturpreisen ausgezeichnet. Sie übersetzt aus dem Französischen und Englischen und lehrt Literarisches Schreiben.
Zu Akzente: Die Literaturzeitschrift Akzente erscheint seit 1954 im Hanser Verlag. Sie veröffentlicht zeitgenössische Lyrik, Prosa, Essays und Übersetzungen.

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