Das Wort für Welt

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1–2 Minuten

Die Illustratorin Hannah Brückner ist mir durch ein Bild aus der Lockdown-Zeit aufgefallen: Ein Radler fährt durch etwas Unbestimmtes — mit Blatt und Blüte,  Wolken und etwas, das mich an einen Bücherschrank erinnert, der mit einem Komm! lockt. Da für mich Lesen bedeutet, in Bewegung zu kommen, habe ich mir dieses Bild gemerkt. Jetzt hat Brückner „Das Wort für Welt ist Wald“ von Ursula K. Le Guin illustriert, erschienen bei der Büchergilde Gutenberg. 

Ich habe das Buch noch nicht gelesen. Aber der Titel hat eine Assoziation ausgelöst: Müsste es nicht heißen — Das Wort für Welt ist Gestein? Weil Gestein trägt, was wir Welt nennen, still und ohne Sprache.

Le Guin denkt das anders. Ihr Roman spielt auf einem Planeten namens Athshe, fast vollständig bewaldet. Wald ist dort keine Landschaft, sondern Grundbedingung — Traumkultur, Spiritualität, Selbstverständnis der Athshean, alles darin verwurzelt. Als die menschlichen Kolonisatoren den Wald roden, zerstören sie keine Ressource. Sie zerstören das, was diese Menschen unter Welt verstehen. 

Gestein trägt. Wald bedeutet. Das ist Le Guins Unterscheidung — und sie steckt schon im Titel.

Mein Gestein-Gedanke verschwindet damit nicht, er kehrt nur verwandelt zurück: Was ist das Tragende, das keinen Namen bekommt, weil es zu selbstverständlich ist? Die Kolonisatoren bei Le Guin sehen keinen Wald — sie sehen Holz. Auf der Erde sehen wir kein Ackerland, kein Grundwasser, keine Stille — wir sehen Ertrag, Ressource, Lärmpegel. Was wir berechnen, benennen wir nicht mehr.

Hannah Brückners Illustrationen haben mir eine Tür geöffnet, bevor Le Guins Text eine Chance hatte. 


Interessante Links: Hannah Brücker auf instagram. „Das Wort für Welt ist Wald“ bei der Büchergilde Gutenberg.

Laub gibt den Blick frei.
Weißer Stuhl, niemand darin —
das Buch fehlt noch nicht.

…wird fortgeführt

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