Lore Schaumann - Düsseldorf schreibt - 22 Autorenporträts - Ille Chamier-1248-02

Lore Schaumann – Literaturvermittlerin

Lore Schaumann wurde am 3. April 1920 in Siegen geboren. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie in mehreren Städten Südwestdeutschlands, darunter Wüstenrot, Heilbronn, Stuttgart und Korntal. Nach dem Abitur begann sie 1940 ein Gesangsstudium an der Musikakademie in Wien. Parallel dazu besuchte sie als Gasthörerin Veranstaltungen in Literatur, Kunstgeschichte, Theaterwissenschaft und Geschichte – ein frühes Zeichen ihres breiten geisteswissenschaftlichen Interesses.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte Schaumann mehrere Jahre auf dem Land, bevor sie ab 1953 einen mehrjährigen Aufenthalt in London verbrachte. Zwischen 1956 und 1958 absolvierte sie eine Ausbildung zur Bibliothekarin in Köln. Anschließend ließ sie sich dauerhaft in Düsseldorf nieder. Von 1959 bis 1965 arbeitete sie als Bibliothekarin in Hilden. Danach wechselte sie hauptberuflich in den Journalismus und war als freie Autorin tätig – unter anderem für die Rheinische Post, Neues Rheinland und die Düsseldorfer Hefte. Über zwölf Jahre hinweg betreute sie zudem das Programm der Intendanz von Klaus von Bismarck beim Westdeutschen Rundfunk.

Ein zentrales Projekt ihrer Arbeit war die Herausgabe von Autorenporträts, die das literarische Leben Düsseldorfs dokumentierten. 1974 erschien im Michael Triltsch Verlag der Band Düsseldorf schreibt: 44 Autorenporträts, gefördert vom Kulturausschuss der Stadt Düsseldorf. 1981 folgte eine Fortsetzung unter dem Titel Düsseldorf schreibt: 22 Autorenporträts. Die Porträts basierten auf Gesprächen, die Schaumann mit den autoren und Autorinnen führte. Sie wählte bewusst eine alphabetische Ordnung, um Hierarchien zu vermeiden, und konzentrierte sich auf das Persönliche hinter dem Werk.

RP, 13.04.10:

Matinee zu Ehren von Lore Schaumann…als Journalistin eine Muttergestalt der Düsseldorfer Literaturszene

Schaumann verstand sich dabei nicht als Kritikerin, sondern als Vermittlerin. „Zu vermitteln ist mir die wichtigste Aufgabe“, sagte sie einmal. Was sie besonders interessierte, war „inmitten allem und hinter allem der Mensch“, wie es Klaus Ulrich Reinke in einem Porträt über sie 1980 zusammenfasste. Urteilen wollte sie nicht: „Wenn man Menschen porträtiert, urteilt man nicht mehr kategorisch“, betonte sie. Dabei legte sie großen Wert auf Diskretion und eine Haltung der Offenheit. Ihre protestantische Prägung habe sie, wie sie selbst bekannte, zu „verzweifelter Ehrlichkeit“ erzogen. Konkurrenzdenken oder „Futterneid“ waren ihr fremd.

Mit ihrer Arbeit trug Lore Schaumann wesentlich zur Sichtbarmachung der Düsseldorfer Literaturszene bei. Ihre Porträts, die 1974 im Rahmen eines „Literaturmarkts“ in der Kunsthalle vorgestellt wurden, galten als erster strukturierter Überblick über die literarische Landschaft der Stadt. Sie zeigten Autorinnen und Autoren nicht nur als Schreibende, sondern als ganze Persönlichkeiten – mit Biografie, Haltung und individueller Geschichte.

Neben den Autorenporträts veröffentlichte Schaumann auch weitere Bücher, darunter Stille und Musse (1958), ein Auswahlverzeichnis für Leser, Valderrobres. Bericht über ein spanisches Dorf (1975) und Bildnis HS (1984). Darüber hinaus war sie von 1980 bis 1988 zusammen mit Rolfrafael Schröer Leiterin des Literaturbüros Düsseldorf und gehörte dem Kunstbeirat der Stadt an.

Lore Schaumann starb am 5. September 2012 in Düsseldorf. Ihr Werk bleibt Zeugnis für eine vermittelnde, unaufdringliche und präzise Form literarischer Dokumentation – und für eine Zeit, in der Literatur als lokales Gemeinschaftsprojekt sichtbar wurde.

Quellen
Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren 1750–1950 – Eintrag zu Lore Schaumann:
https://www.lexikon-westfaelischer-autorinnen-und-autoren.de/autoren/schaumann-lore/

FrauenKulturArchiv Düsseldorf (Universität Düsseldorf) – Biografie & Projektbeschreibung:
https://www.germanistik.hhu.de/angegliederte-bereiche/frauen-kultur-archiv/duesseldorfer-autorinnen/lore-schaumann

Stadtmuseum Düsseldorf – Objekte & Bücher:

Düsseldorf schreibt – 44 Autorenporträts:
https://emuseum.duesseldorf.de/objects/24085/dusseldorf-schreibt-44-autorenportrats

Düsseldorf schreibt – 22 Autorenporträts:
https://emuseum.duesseldorf.de/objects/25936/dusseldorf-schreibt–22-autorenportrats

Deutsche Digitale Bibliothek – bibliographische Einträge:
https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/AXCCZD5KWXSTWJ6N46EOVBYPTJDJGLHG

Reinke, Klaus Ulrich (1980): Porträt über Lore Schaumann in OFFKÖ (zitiert bei germanistik.hhu.de)


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