Über mich

Wie ich lese | Ich lese wie jemand, der etwas sucht – aber nicht genau weiß, was.
Nicht zur Unterhaltung, nicht um abzuschalten. Ich lese, weil ich in Texten nach etwas Ausschau halte: nach Gedanken, die anders gelagert sind als meine eigenen. Nach Metaphern, die meine eingefahrenen Denkschleifen aufbrechen. Nach Gesprächspartnern, die mir im realen Leben fehlen. Lesen ist für mich Spurensuche – manchmal finde ich, was ich brauche, manchmal nicht. Dann lege ich den Text beiseite, ohne dass er deswegen schlecht wäre. Er ist nur nicht meiner.

Derzeit lese ich vor allem Lyrik. Nicht, weil ich Lyrik-Fan bin, sondern weil die Texte kurz genug sind für meine Art zu lesen – in Häppchen, weil die Assoziationen, die beim Lesen entstehen, mich sofort woandershin ziehen. Bei Romanen suche ich noch nach denen, die mich packen. Bei 3000 Büchern im Regal dauert das.

Wie ich arbeite | Literatur ist für mich nie nur Text, sondern Ausgangspunkt.
Ein Beispiel: Jürgen Völkert-Marten schreibt ein Gedicht über eine Puppe mit leeren Augenhöhlen. Statt einer Interpretation schrieb ich ein Antwortgedicht – aus der Perspektive der Puppe. Das ist meine Methode: Texte zerlegen, reale Bezüge suchen, zu neuen Geschichten umbauen. Ich übersetze Literatur in andere Medien – Fotografie, Field-Recordings, Zines, Linolschnitte – weil mir der sinnliche Zugang oft mehr erschließt als reine Analyse.

Beruflich bewege ich mich zwischen Texten, Bildern und Kulturvermittlung – mit Schwerpunkt auf experimentellen Zugängen. Ich bin auf Umwegen zur Literatur gekommen: autodidaktisch, außerhalb akademischer Strukturen, mit einem Blick, der sich nicht an Konventionen orientiert. Über illustrierte Bücher habe ich zurückgefunden – dort, wo Text und Bild gleichberechtigt dialogisieren. François Schuitens Comics. Die grafisch gestalteten DDR-Ausgaben. Erst über das Visuelle kam das Lesen als Arbeitsmodus.

Oliver Simon - Blogger auf ersatzgestalt.

Aktuell entdecke ich die Literaturszene der ehemaligen DDR – nicht aus politischem Interesse am System, sondern weil viele der Autorinnen und Autoren ein beeindruckendes Gespür für Sprache haben und mir fremd denken. Weil sie illustrierte Ausgaben herausbrachten, die mir einen breiteren Sinneszugang bieten. Weil sie fernab des Mainstreams operieren.

Was mich antreibt | Ich arbeite bewusst an den Rändern – bei aufgegebenen Stimmen, bei Grenzgängen zwischen den Medien, bei Texten, die durchs Raster gefallen sind. Ich bin eine Art Trüffelschwein für dokumentarische Literatur, für Autorinnen und Autoren, die zwischen den Stühlen saßen, für das, was außerhalb der ausgetretenen Pfade liegt.
Mein Blog ist mein öffentliches Arbeitsbuch: Ein Ort, wo ich wucherndes Denken systematisiere (Lesen → Recherche → Kunst → Vernetzung) und wo andere mitdenken können.

Was sich hier finden lässt:

  • Reportage-Projekte zu (vergessenen) Orten der Literaturgeschichte
  • Crossmediale Experimente: Lyrik als Linolschnitt oder Aquarell, Texte als Field-Recording, Comics als Soundcollage
  • Spurensuche in DDR-Literatur: Mit Fokus auf Autor*innen, die zwischen den Stühlen saßen
  • Denkwerkstatt: Gedanken zu Literaturvermittlung jenseits von Schulkategorien

Der Blog ist kein Portfolio, sondern Atelier. Die Projekte sind unfertiger Prozess, nicht polierte Ergebnisse. Wer hier landet, sollte Lust haben auf Umwege, auf Literatur als Handlungsanlass statt als Konsum.

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