Das Buch versammelt verschiedene Texte und Grafiken von Wolfgang Mattheuer. Titel und Gestaltung deuten an, dass es sich um eine Kombination von visuellen und verbalen Äußerungen handelt – Bild und Wort werden nebeneinander gestellt, zum Teil korrespondierend. Die Grafiken spiegeln das typisches Œuvre Mattheuers wider: Arbeiten auf Papier, Druckgrafiken, Holzschnitte / Linolschnitte / Lithographien. Die Texte enthalten Tagebuchnotizen und andere reflektierende Texte. Ein Teil der Texte scheint autobiografisch oder zumindest persönlich gehalten zu sein, etwa Tagebuch-artige Aufzeichnungen.
Ein Beispiel: Ein Briefausschnitt, bzw. Tagebuchtext auf Seite 228 („Brief aus …“) ist aufgeführt in Auszügen in wissenschaftlichen Artikeln, was darauf hindeutet, dass manche Texte sehr konkret auf persönliche Lebensumstände und Reflexionen eingehen.

Mehrere Themen ziehen sich durch das Buch:
- Zeitgeschichte / Gesellschaftskritik: Mattheuer reflektiert über die Situation in der DDR (z. B. seine Austrittserklärung aus der SED 1988 wird erwähnt in Zusammenhang mit den Texten) und zeigt ein Bewusstsein für die politischen und sozialen Umstände seiner Zeit.
- Persönliche Stellungnahmen / Tagebuchnotizen: Die Texte enthalten personale Elemente – Gedanken, Reflexionen, Beobachtungen, möglicherweise auch Selbstverortungen. Die „Tagebuch“-Aspekte sind ausgeprägt.
- Bild-Wort-Beziehung: Grafiken und Texte stehen in Wechselwirkung; die visuelle Arbeit Mattheuers wird durch die Schreiberlebnisse ergänzt und umgekehrt. Bildmotive, die auch in seinen Gemälden bekannt sind (z. B. Landschaften, metaphorische / symbolische Figuren, Allegorien) finden sich in den Grafiken. Diese werden ergänzt durch Texte, die Hintergründe, Gedanken, Umstände beleuchten.
- Ästhetik und Reflexion über Kunst: Neben persönlichen und politischen Themen gibt es Reflexionen, wie Mattheuer über Kunst, über seine eigene Arbeit nachdenkt – über Gestaltung, Stilmittel, Bildtitel etc. (das lässt sich z. B. indirekt aus Bezugnahmen und aus der Existenz der Tagebuchtexte schließen).
- Zeitliche Spannweite: Die Texte umfassen verschiedene Phasen seines Lebens und Wirkens – nicht nur eine kurze Zeitspanne, sondern verteilt über Jahre, mit historischen Einschnitten.
Stil und Form
- Die Texte sind in einer persönlichen, teils essayistischen oder tagebuchhaften Form gehalten. Sie sind nicht rein theoretisch, sondern vielfach konkret, deskriptiv, reflektierend.
- Die Grafiken sind in Schwarz-Weiß und typischen Druckverfahren ausgeführt. Sie stehen nicht als reines Beiwerk, sondern als gleichberechtigte ästhetische Äußerungen.
- Das Layout ist so gestaltet, dass Wort und Bild nebeneinander oder in Wechselwirkung wahrnehmbar sind; die Integration von Abbildungen ist wichtig für das Verständnis des Ganzen.
Ziel / Funktion
Während dem Band keine explizite Einleitung über das Ziel aus den Quellen zugänglich war, lassen sich Funktionen erkennen:
- Sammlung und Dokumentation persönlicher Äußerungen Mattheuers – sowohl visuell als auch verbal – als Ausdruck seiner künstlerischen und persönlichen Position.
- Schaffung eines Bandes, der nicht nur Werke zeigt, sondern auch Einblicke gibt in die Gedankenwelt des Künstlers, seine Bedingungen, Zweifel, Reflexionen.
- Ein Fenster auf das Verhältnis von Kunst und politisch-gesellschaftlicher Wirklichkeit in der DDR – wie Kunst sich positionieren kann, wie sie sich selbst reflektiert.
Kontext
Wolfgang Mattheuer (1927-2004) war ein bedeutender Vertreter der sogenannten „Leipziger Schule“. Seine Werke sind häufig durch symbolische und metaphorische Elemente geprägt, die gesellschaftliche, politische und existenzielle Fragen behandeln.
Er war lange Mitglied der SED, zog sich aber später öffentlich davon zurück. Sein Werk war nicht unkritisch; er nutzte Bildtitel, Allegorien und verschlüsselte Motive, um auch Kritik zu äußern.
Buchinformationen
Autor: Wolfgang Mattheuer
Titel: Äußerungen. Graphik, Texte.
Verlag / Ort: Reclam Verlag, Leipzig
Erscheinungsjahr: 1990
Umfang / Ausstattung: ca. 245 Seiten, mit zahlreichen Schwarz-weiß-Abbildungen (insbesondere Grafiken: Lithographien, Linolstiche, Holzschnitte) – insgesamt 99 Abbildungen sind aufgeführt.
Nachbemerkung: von Heiner Henniger.
Quellen:
zvab.com: Äußerungen. Graphik, Texte. von Wolfgang Mattheuer
journals.ub.uni-heidelberg.de: Wissenschaftlicher Artikel zu Mattheuer, Auszüge aus Tagebuchtexten
zeithistorische-forschungen.de: Analyse von Mattheuers gesellschaftspolitischem Kontext
bundestag.de: Kurzbiografie Wolfgang Mattheuer
wikipedia.de
mattheuer-stiftung.de: Die Ursula Mattheuer-Neustädt und Wolfgang Mattheuer Stiftung wurde von Ursula Mattheuer-Neustädt nach dem Tod von Wolfgang Mattheuer im Jahre 2006 gegründet. Anliegen und Zweck der Stiftung ist es, das künstlerische Werk von Wolfgang Mattheuer und Ursula Mattheuer-Neustädt zu bewahren, wissenschaftlich zu bearbeiten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Bisher aus der Lektüre entstandene Beiträge:
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10–16 Minuten26. August 1968 | An diesem Tag unterschreibt Alexander Dubček in Moskau unter massivem Druck das Protokoll, das die Niederschlagung des Prager Frühlings besiegelt. Die Panzer sind bereits fünf Tage zuvor einmarschiert, aber erst jetzt, an diesem Dienstag im August, wird die Kapitulation offiziell. Die Hoffnung auf einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ ist Geschichte. An…
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Ein Zimmer für sich allein
3–5 MinutenEine Begegnung mit Virginia Woolf über Umwege – Ausgangspunkt: Eine Lithographie von Wolfgang Mattheuer Manchmal führen merkwürdige Wege zu einem Text. In meinem Fall begann es mit einer Lithographie des DDR-Künstlers Wolfgang Mattheuer in dem Band „Äußerungen“. Zu finden ist der Druck vor dem ersten Texteintrag, trägt den Titel „Abendliches Studium“ und stammt aus dem…
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Wolfgang Mattheuer als Erzählanlass – Werkstattbericht
6–8 MinutenWarum ich zögere | Ich lese Wolfgang Mattheuers Buch Äußerungen und zögere – immer wieder. Nicht, weil mich seine Bilder kalt lassen – im Gegenteil. Sie ziehen mich an, sie reizen mich, sie erzählen mir Geschichten, bevor ich selbst anfange zu schreiben. Aber genau da beginnt mein Zögern: Darf ich das überhaupt? Darf ich als…
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Wolfgang Mattheuer – Äußerungen
3–4 MinutenDas Buch versammelt verschiedene Texte und Grafiken von Wolfgang Mattheuer. Titel und Gestaltung deuten an, dass es sich um eine Kombination von visuellen und verbalen Äußerungen handelt – Bild und Wort werden nebeneinander gestellt, zum Teil korrespondierend. Die Grafiken spiegeln das typisches Œuvre Mattheuers wider: Arbeiten auf Papier, Druckgrafiken, Holzschnitte / Linolschnitte / Lithographien. Die…
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Ursula Mattheuer-Neustädt und Wolfgang Mattheuer Stiftung
1–2 MinutenDie Ursula Mattheuer-Neustädt und Wolfgang Mattheuer Stiftung wurde 2006 von der Künstlerin Ursula Mattheuer-Neustädt ins Leben gerufen, um das künstlerische Erbe ihres verstorbenen Ehemannes, des renommierten Malers und Grafikers Wolfgang Mattheuer, zu bewahren. Die Stiftung hat ihren Sitz in Leipzig, im ehemaligen Wohn- und Arbeitshaus des Künstlerpaares in der Hauptmannstraße 1. Ziel der Stiftung ist…
