Die 44. Ausgabe 2025 der WORTSCHAU widmet sich dem Thema Selbstgespräch und fragt nach der künstlerischen Darstellung des eigenen inneren Erlebens. Die Herausgeber Johanna Hansen und Wolfgang Allinger haben aus über 200 Einreichungen eine vielstimmige Auswahl getroffen, die das Selbstgespräch in seinen unterschiedlichsten literarischen Formen erkundet – von lyrischen Reflexionen bis zu autofiktionalen Erzählungen.
Hauptautorin und Künstlerin: Katia Tangian

Im Zentrum dieser Ausgabe steht die Schriftstellerin und Malerin Katia Tangian (*1975 in Moskau), die sowohl als Hauptautorin als auch als bildende Künstlerin fungiert. Tangian, die Anfang der 1990er Jahre mit ihrer Familie nach Deutschland kam, vereint in ihrer Arbeit künstlerische und literarische Praxis: Sie studierte Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft in Bochum (M.A. 2002), freie Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf bei Helmut Federle (2000–2004) und promovierte 2008 am ZKM Karlsruhe in Kunstgeschichte. Heute lebt sie bei Hannover, wo sie als Lehrerin für Kunst und darstellendes Spiel arbeitet und regelmäßig literarisch wie bildkünstlerisch in Erscheinung tritt.
Tangian steuert mehrere Datscha-Storys bei – autofiktionale Texte, die ihre Kindheit in einem Schriftstellerdorf der früheren UdSSR unter „Treibhausbedingungen“ erzählen. Erstmals werden diese Geschichten mit Familienfotos aus dem Archiv präsentiert und verbinden so Text und Bild zu einem eindringlichen Erinnerungsraum. Die Datscha-Storys stießen bereits bei Lesungen auf großes Publikumsinteresse; auf der Leipziger Buchmesse 2025 hatte die Autorin daraus lesen.
Eine Auszeichnung für die Herausgeberin
Ein besonderer Moment dieser Ausgabe ist die Ehrung der Mit-Herausgeberin Johanna Hansen, die im November 2024 – kurz vor Erscheinen des Heftes – mit dem renommierten Feldkircher Lyrikpreis ausgezeichnet wurde. Wolfgang Allinger gratuliert ihr in einer persönlichen Ansprache und hebt ihr unverzichtbares Gespür für sprachliche Qualität hervor. Aus der Laudatio von Klaus Berndl wird zitiert, die die unmittelbare, packende und kunstvolle Wirkung von Hansens Texten würdigt. Die prämierten Gedichte sind in einer Anthologie der Edition V erschienen.
Beiträge und Autorinnen & Autoren
Die Ausgabe versammelt etablierte und neue Stimmen der deutschsprachigen Literatur. Den internationalen Auftakt bildet der flämische Autor Eddy van Vliet, dessen Text von Volkmar Mühleis übersetzt wurde.
Weitere Beiträge stammen von: Ulrike Schrimpf, Jane Weis, Gundula Schiffer, Marina Büttner, Sofie Morin, Katharina Kiening, Ulrike Damm, Stan Lafleur, Achim Franz Willems, Andreas Pflüger, Philipp Létranger, Sarah Beicht und Wolfgang Allinger selbst.
Ausgewählte Titel (Auszug)
- „Von einem Buch zum anderen wandern“ (Volkmar Mühleis)
- „Bitte versuchen Sie“ (Jane Wels)
- „Apropos Licht“ (Philipp Létranger)
- „Nocturne“ (Andreas Pflüger)
- „Nicht niemand sein“ (Sofie Morin)
- „Notizen, Selbstgespräche“ (Marina Büttner)
- „Nachtlied“ (Ulrike Schrimpf)
- „Geisterbahn“ (Sarah Beicht)
- „Fragen wir:“ (Katia Tangian)
- „Ich will einen Text schreiben“ (Ulrike Damm)
- „Pasteurisiertes …“ (Wolfgang Allinger)
- „Momente“ (Katharina Kiening)
Über 200 Einreichungen gab es und die Auswahl ist den Herausgebern, der Redaktion nicht leichtgefallen. Der begrenzte Platz habe es leider nicht zugelassen, alle begeisternden Texte aufzunehmen. (Anmerkung im Editorial.)
WORTSCHAU Nr. 44 versammelt literarische Texte zum Thema Selbstgespräch – von Lyrik über Kurzprosa bis zu autofiktionalen Erzählungen. Katia Tangians Datscha-Storys über ihre Kindheit in der Sowjetunion bilden den Schwerpunkt und werden durch ihre eigenen Bilder ergänzt. Die Ausgabe erscheint zudem kurz nach der Verleihung des Feldkircher Lyrikpreises an Mit-Herausgeberin Johanna Hansen.
WORTSCHAU Literaturmagazin
Herausgegeben von Johanna Hansen und Wolfgang Allinger
Erschienen: März 2025
WORTSCHAU Verlag
ISBN 978-3-944286-46-4
Beiträge, die aus der Lektüre entstanden sind:
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Volkmar Mühleis – VON EINEM BUCH ZUM ANDERN WANDERN
1–2 MinutenVON EINEM BUCH ZUM ANDERN WANDERN hunderte von Seiten lang durch die Pariser Vorstädte zurück in Büchners Zeit über Gedichte hinter dem Eisernen Vorhang mitten durch ein Ideen-Gewimmel aus Reiselust einen Blick auf Rom werfen, um wieder bei einer Tasse Tee den Vögeln zu lauschen, Nachbarn in ihrem Kommen und Gehen, auf dem Sofa, das…
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Marina Büttner – Notizen, Selbstgespräche
8–12 MinutenIn der WORTSCHAU #44 bin ich auf ein Selbstgespräch von Marina Büttner gestoßen: „In einem vorherigen Leben war ich eine Reisende.“ Reflektierende Notizen um das Reisen – das innere wie das räumliche, um Bewegung und Stillstand, um Erinnerung und Verlust. Etwas in diesem Satz resonierte, ohne dass ich sofort hätte sagen können, warum. Eine erste…
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Katia Tangians Barsik
2–3 MinutenKatia Tangians Cover für diese Ausgabe zeigt ein Foto aus den Achtzigern: ein Mann, der grimassiert, im Hintergrund Teile einer Stereoanlage. Ein Schnappschuss, wie es ihn tausendfach gibt. Der Text, der das Bild umfließt, erzählt von Barsik – einem Kater, der in der Nachbarschaft als bösartiges Mistvieh galt und ständig mit den anderen Katern auf…
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Jane Wels – Bitte versuchen sie, …
3–5 MinutenAnnähernd gelesen | Zwischen Sprache, Ordnung und AuflösungJane Wels‘ Gedicht „Bitte versuchen Sie,“ ist ein Text über die Unmöglichkeit, gefasst zu werden – und zugleich ein Text, der sich selbst beim Versuch des Fassens beobachtet. Es spielt mit der Spannung zwischen Sprache und Identität, zwischen Ordnung und Auflösung, und ist dabei zugleich selbstreflexiv, ironisch und…
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WORTSCHAU Nr. 44 – Selbstgespräch
2–3 MinutenDie 44. Ausgabe 2025 der WORTSCHAU widmet sich dem Thema Selbstgespräch und fragt nach der künstlerischen Darstellung des eigenen inneren Erlebens. Die Herausgeber Johanna Hansen und Wolfgang Allinger haben aus über 200 Einreichungen eine vielstimmige Auswahl getroffen, die das Selbstgespräch in seinen unterschiedlichsten literarischen Formen erkundet – von lyrischen Reflexionen bis zu autofiktionalen Erzählungen. Hauptautorin…
Titelfoto: Philip Pena
