Kategorie: Angeregte Dialoge
Literatur ist für mich weit mehr als reine Information und Unterhaltung – sie ist ein Quell der Inspiration und Anlass für lebendige Gespräche, sowohl innere als auch äußere. Anstatt in der stillen Rezeption zu verharren, nutze ich die Kraft der Texte, um mein eigenes Denken anzustoßen und neue Perspektiven zu gewinnen.
In dieser Rubrik versammle ich Arbeiten, die aus solchen Begegnungen entstanden sind – in Worten, Bildern, Tönen. Sie sind keine Rezensionen, sondern eigenständige Antworten: Spuren eines Dialogs, der zwischen den Zeilen stattfindet und nach verschiedenen Ausdrucksformen sucht.
-

W.G. Sebald – Die Ringe des Saturn
Lesezeit:
3–4 MinutenEine englische Wallfahrt | W. G. Sebalds 1995 erschienener Prosaband Die Ringe des Saturn entzieht sich von Beginn an einer eindeutigen Gattungszuordnung. Das Buch ist Reisebericht, Essay, Geschichtspanorama, autobiographische Meditation und literarische Montage zugleich. Ausgangspunkt ist eine scheinbar einfache Wanderung des Erzählers durch die ostenglische Grafschaft Suffolk, doch diese äußere Bewegung dient vor allem als…
-

Nathalie Schmid – es ist alles
Lesezeit:
1–2 MinutenNathalie Schmids Gedicht arbeitet mit elementaren Bildern – Erde, Regen, Tag und Nacht – und setzt eine Gewissheit voraus, die es nicht erklärt. Das macht den Text offen und gleichzeitig präzise. Das lyrische Ich beginnt mit einer Feststellung: „es ist alles schon in mir / wonach ich suche / es ist bereits vorhanden“. Der Text…
-

Zwei Wege, Atlantis zu lesen? Wisława Szymborska trifft Nathalie Schmid
Lesezeit:
2–3 MinutenAtlantis ist einer dieser Orte, die weniger durch Geografie existieren als durch Sprache. Je mehr über ihn gesprochen wurde, desto unauffindbarer wurde er. In der Lyrik taucht Atlantis deshalb selten als Schauplatz auf, sondern als Denkbewegung: als Frage nach Ort, Gewissheit und Verortung überhaupt. Zwei Gedichte – eines von Wisława Szymborska (Atlantis), eines von Nathalie…
-

Wisława Szymborska – Die Gedichte
Lesezeit:
1–2 Minuten„… Um die Dichter steht es schlechter. Ihre Arbeit ist hoffnungslos unfotogen. Da sitzt jemand am Tisch oder liegt auf dem Sofa, starrt unablässig an die Wand oder die Decke, schreibt von Zeit zu Zeit sieben Zeilen, von denen er nach einer Viertelstunde eine streicht, und wieder vergeht eine Stunde, und es geschieht nichts… Welcher…
-

oder flieh ich (Var. 1)
Lesezeit:
1–2 Minutennach Jane Wels (inspiriert durch ihr Gedicht Lilith – Zwei Versuche weiterzudenken, mir das Gedicht zu erarbeiten.) Wenn alles gesagt istund nichts getan,Worte liegenwie Staub auf den Händen. Erklärt wird,warum nicht gehandelt werden kann. Lilith bellt. Sprache will.Vermitteln.Verhandeln.Den Raum zwischen den Körpern füllen. Das Bellen.Kein Raum davor.Kein Raum danach. Es setzt sich.Es markiert. Kein Rückzug.Ein…
-

Jane Wels – Lilith
Lesezeit:
3–4 MinutenEin Gedicht von Jane Wels – auf Instagram von ihr geteilt – fragt nach einem Raum, in dem Sprache nicht mit Worten angefüllt ist. Das ist keine rhetorische Frage. Es ist eine, die Widerstand leistet gegen schnelle Antworten. Eine Annäherung. Die naheliegende Versuchung wäre, das Gedicht inhaltlich aufzulösen – aber bei Jane Wels funktioniert der…
