Eine Wegmarke hilft, sich zu orientieren: Sie kennzeichnet einen Weg, macht einen markanten Punkt sichtbar und kann die Richtung weisen. Solche Punkte gibt es auch im Netz. Hier sammle ich Blogs, Webseiten und andere Kanäle, die ich regelmäßig aufsuche, weil sie mir auf meinem eigenen Weg durch Literatur und Kultur begegnen und immer wieder eine Richtung eröffnen.
Hanns-Josef Ortheil | Autorenblog als fortlaufendes literarisches Notizbuch: Lektüren, Musik, Orte, Erinnerungen, Gärten, Beobachtungen und die eigene Arbeit am Schreiben gehen hier ineinander über. Was mich besonders anspricht ist die Verbindung von Schreiben und Leben. Ein gutes Beispiel sind die aktuellen „Tagebuch schreiben“-Beiträge: Aus einer Frage an seine Leser – was sie täglich in einem Tagebuch festhalten würden – entwickelt Ortheil eine kleine Reflexion über Wahrnehmung, Tagesstruktur, Lektüre, Musik, Wetter, Garten, Bewegung und die „ergreifendsten 5 Minuten“ eines Tages.
Kaffeehaussitzer von Uwe Kalkowski | Ein persönlicher Literatur- und Leseblog über Bücher, Leseerlebnisse und die Zusammenhänge, in die eine Lektüre führen kann. Neben Buchvorstellungen und -besprechungen sind vor allem die Leseprojekte prägend: Über Monate oder länger stellt Kalkowski Bücher unter eine thematische Klammer – etwa Kafka, die weibliche Moderne, den Holocaust, den Dreißigjährigen Krieg, Herkunft und Heimat oder den Spanischen Bürgerkrieg – und macht aus einzelnen Büchern eine länger dauernde Erkundung. In der Rubrik „Im Salon“ löst sich der Blick noch weiter vom einzelnen Buch: Hier entstehen persönliche Texte über das Lesen, Bücher als Gegenstände und Zeitzeugen, literarische Orte, Reisen, Erinnerungen und Beobachtungen des Alltags.
Ralph Segerts Ernst-Weiß-Portal | Hier ist aus einer persönlichen Lektürebegegnung mit einem fast vergessenen Autor ein regelrechtes Forschungsprojekt entstanden. Segert beschreibt, wie er Ernst Weiß über ein antiquarisch erworbenes Buch entdeckte und daraus eine Website entwickelte, die Werk, Rezeption, Forschungsliteratur und Quellen bündelt. Das Portal wird 2026 weitergeführt und enthält inzwischen auch neue Archivfunde.
Der Schrittler | René P. Moor beschreibt seinen Blog mit „wandernd • lesend • schreibend • fotografierend“. Er verbindet Wanderungen, Literatur, Schauplätze, Fotografien, Lebensgeschichten und eigene Projekte. Im September 2026 schreibt er etwa über Robert Walser, Gottfried Keller, Schweizer Orte und ein Projekt, bei dem er sämtliche 1.711 Bahnhaltestellen der Schweiz wandernd besuchen will. Die Kategorien zeigen 452 Literatur-, 481 Schauplatz-, 382 Wanderliteratur- und 449 Projektbeiträge. Das ist kein Buchblog im üblichen Sinn, sondern tatsächlich eine persönliche Topografie, in der Literatur ein Bestandteil des Gehens und Sehens ist.
„DDR-Literatur – Bücher und Schriftsteller, die in der DDR gelesen wurden“ | Das Projekt versteht sich ausdrücklich als Langzeitprojekt und inzwischen als eine Art Lexikon. Es arbeitet über Autorinnen und Autoren, Buchtitel, Reihen, Illustratorinnen und Schlagwörter und hatte bereits 2023 die Marke von 3.000 Beiträgen überschritten. Für meine Beschäftigung mit DDR-Literatur „im Schatten“ ist das eine wahre Fundgrube.
Turmsegler | Nicht weitergeführt, dennoch eine Fundgrube. Benjamin Steins ursprüngliche Idee nennt er später selbst einen „admiration blog“: Er wollte sich an frühere Lektüren erinnern, wieder zu lesen beginnen und Leseerlebnisse, Zitate und Neuentdeckungen festhalten. Zunächst ging es also tatsächlich stark um andere Autoren und Bücher. Das Lesen zieht das eigene Schreiben wieder hervor. Aus dem Lektüreblog wird allmählich eine Autorenwerkstatt. Stein veröffentlicht eigene Texte, begleitet die Entstehung von der ersten Idee über Recherchereisen bis zu Textproben, Verlagssuche und Lektorat.

