Kategorie: LektüreNotizen
Inspiriert von der Praxis des Lesetagebuchs, nutze ich unterschiedliche Formen, um diesen Prozess abzubilden: Skizzen verorten plötzliche Einsichten, Töne halten die Stimmung einer Passage fest, Filme fangen Bewegung ein, wo Worte erstarrten. Form follows function – denn nur so lässt sich erfassen, was beim Lesen geschieht: ein Dialog, der nicht endet.
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Loulou Omer – EINS UND NOCH EINS
2–3 MinutenLoulou Omers Gedicht „EINS UND NOCH EINS“ aus dem Band Was es bedeuten soll. Neue hebräische Gedichte in Deutschland (parasitenpresse 2019, S.100) verbindet introspektive Reflexion mit metaphorischer Sprache, um zentrale Themen wie Identität, menschliche Verbindungen und die Suche nach Authentizität zu erkunden. Formal bricht das Gedicht mit Konventionen: Auf den mathematisch-nüchternen Titel, der Wiederholung oder…
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Renatus Deckert – Plötzensee
2–4 MinutenDas Gedicht beschreibt den Besuch eines Ortes, der als Hinrichtungsstätte diente. Der Raum wird sachlich geschildert: Unter der Decke sind Haken und ein schwarzer Balken sichtbar. Die kahlen, grauen Wände umschließen eine leere Stille, in die man vorsichtig hineintritt. Diese Stille wird als drückend beschrieben – wie Steine auf der Zunge oder ein einhüllender Rauch.…
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Shaun Bythell – Tagebuch eines Buchhändlers
4–6 MinutenZwischen Bücherliebe und Existenzkampf – Ein Porträt des schottischen Buchhändlers und Autors Shaun Bythell ist weit mehr als nur ein Betreiber eines Antiquariats. Er ist ein scharfer Beobachter der Buchwelt, ein humorvoller Chronist seines Alltags und ein unermüdlicher Kämpfer für den Erhalt unabhängiger Buchhandlungen. Seine internationalen Bekanntheit verdankt er seinen ehrlichen und oft urkomischen Schilderungen…
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Annette Hagemann – MEINE ERBSCHAFT IST DIESE
Annette Hagemanns Gedicht „MEINE ERBSCHAFT IST DIESE“ setzt sich behutsam mit dem ambivalenten Erbe familialer Prägung auseinander. Die scheinbar willkürlichen Relikte, die das lyrische Ich von den Eltern übernimmt – die spezifische Röte der Wangen der Mutter, eine deformierte Jazzplatte aus New York, ein unscheinbarer Koi des Vaters –, erscheinen zunächst als marginale Alltagsfragmente. Doch…
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Paul Klee | Wäre ich ein Gott, zu dem man betet
4–6 MinutenWäre ich ein Gott, zu dem man betet,ich käme in die größte Verlegenheit,von einem Tonfall des Bittenden irgendwo gerührt zu werden.Sobald das Bessere nur leise anklänge,würde ich gleich Ja sagen,«stärkend das Bessere mit einem Tropfen von meinem Tau».Somit würde von mir ein Teilchen gewährt,und immer wieder nur ein Teilchen,denn ich weiß ja sehr wohl,daß das…
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Das Päckchen – Franz Hohler
3–4 MinutenFranz Hohler, der Schweizer Meister der leisen Töne, entführt uns in seinem 2017 erschienenen Roman Das Päckchen (Luchterhand Literaturverlag) auf eine Reise durch Zeit und Verantwortung. Die Geschichte ist mehr als nur eine spannende Quest (So bezeichnet von der hiesigen Bibliothekarin im Schulzentrum) – es ist eine Parabel über kulturelles Erbe, historische Schuld und die unerwartete Macht kleiner…
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ich denke – Günter Abramowski
Eine Annäherung | Dieses Gedicht – eigentlich ohne Titel – steht auf dem Buchdeckel des Bandes zu / das haus / auf dem weg und scheint eine persönliche Auseinandersetzung mit dem Verhältnis zur Zeit, zur Welt und zum eigenen Ich zu sein. Den ersten Teil, „auch bin ich was ich weiß / trotz dem /…
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Besuch aus der Vergangenheit – Renate Welsh
3–4 MinutenRenate Welsh veröffentlichte ihren Jugendroman „Besuch aus der Vergangenheit“ 1999. Das Buch erschien beim Arena Verlag, später auch in einer Textausgabe mit Unterrichtsmaterialien. Es umfasst etwa 144 Seiten und richtet sich an Leserinnen und Leser ab 12 Jahren. Die Geschichte beginnt mit einer unerwarteten Begegnung: Als Lena nach Hause kommt, steht eine Frau vor der…
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Im Silberdistelwald
4–5 MinutenAls hätten sich György Kurtág, Johann Sebastian Bach und Oskar Loerke am Hubertussee getroffen. Der SilberdistelwaldMein Haus, es steht nun mittenIm Silberdistelwald.Pan ist vorbeigeschritten.Was stritt, hat ausgestrittenIn seiner Nachtgestalt. Die bleichen Disteln starrenIm Schwarz, ein wilder Putz.Verborgne Wurzeln knarren:Wenn wir Pans Schlaf verscharren,Nimmt niemand ihn in Schutz. Vielleicht, dass eine BlüteZu tiefer KommunionIhm nachfiel und…
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Carolin Emcke | Journal
2–3 MinutenIn einer Welt, die plötzlich stillstand, fand Carolin Emcke Worte für das vielen Unsagbare. Ihr „Journal – Tagebuch in Zeiten der Pandemie“ (2020) ist mehr als eine Chronik der ersten Covid-19-Monate – es ist ein seismografisches Werk, das die Erschütterungen einer globalen Krise einfängt und zugleich universelle Fragen über Menschlichkeit, Angst und Zusammenhalt stellt. Emcke,…
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Else Gold und „Das Zündblättchen“
3–4 MinutenSeit Januar 2004 erscheint in Meißen das „ZÜNDBLÄTTCHEN“, eine Kunst- und Literaturzeitschrift im handlichen A6-Format. Herausgegeben wird sie von der Edition Dreizeichen, bestehend aus der Objektkünstlerin Else Gold und dem Maler, Grafiker und Dichter Wolfgang E. HerbstSilesius, der 2022 verstarb. Ursprünglich gehörte auch die Verlegerin Bettina Victoria Hennig zum Herausgeberkreis. Das Zine erscheint sechsmal im…
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Eduard Assadow || Ich werde dich lieben, darf ich?
3–4 MinutenIch werde in deinen Augen ertrinken, darf ich? Denn in deinen Augen zu ertrinken, ist Glück.Ich komme zu dir und sage: „Guten Tag!Ich liebe dich sehr.“ Ist das schwer?Nein, das ist nicht schwer, sondern mühsam.Es ist sehr mühsam, zu lieben. Glaubst du mir das? Ich gehe auf eine steile Klippe,ich werde fallen, fang mich! Schaffst…
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was wir einander
2–3 MinutenLektüreNotizen: Günter Abramowski | wer ist wir Dieser Band besteht aus achzig – wenn ich richtig gezählt habe – Gedichten. Der Autor empfiehlt im Inhaltsverzeichnis, die Gedichte in der Reihenfolge zu lesen, wie gedruckt. Beim Lesen der Titel fiel mir eine Zusammengehörigkeit auf und ich habe versucht daraus einen eigenständigen Text abzuleiten. Die Titel lesen…
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Günter Abramowski – Wer ist Wir
1–2 MinutenGünter Abramowskis Gedichtband „wer ist wir – neokontemplative gedichte“ wurde im August 2024 vom Verlag Königshausen & Neumann veröffentlicht. In diesem Werk setzt sich der Autor mit der Frage nach dem „Wir“ auseinander und lädt zur Reflexion über Identität und Gemeinschaft ein. Die Gedichte thematisieren Momente der Besinnung und ermutigen dazu, im „aufmerkenden Untätig-Sein“ den…
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LektüreNotizen
2–3 MinutenLesen als Kartieren von Gelände | Lesen ist für mich kein lineares Voranschreiten, sondern ein Vermessen von Gelände. Meine Notizen – über Jahre hinweg entstanden, fragmentarisch, oft assoziativ – sind keine Protokolle, sondern Landkarten im Werden. Sie halten fest, wie sich Texte verzweigen: in Schluchten unerwarteter Bezüge, über Hügelkämme von Genres hinweg, durch Wälder, in…
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Peter Gehrisch – Fragmentierte Annäherung
1–2 Minutenein Name im Heft zwischen anderen Namen zündet – kein Denkmal eher ein Gerücht aus Papier // Kindheit? Trümmerfeld, ein Federorakel, Karneval ohne Kostüm // Sprache? verloren, zurückgeholt wie ein verkohltes Blatt, noch lesbar am Rand // Herkunft? ein Fluss, der zwei Länder trennt und nur in der Mitte verbindet // Suche? nicht Linie, nicht…
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Jürgen Völkert-Marten – Wege – Lyrik
3–4 Minuten„Wege“ führt uns durch einen merkwürdigen Wechsel der Perspektiven: Erst sind wir mittendrin im Matsch und Regen, dann schauen wir von oben auf eine Landkarte. Diese Bewegung von der körperlichen Erfahrung zur abstrakten Betrachtung durchzieht das ganze Gedicht wie ein roter Faden. Unterwegs im Regen Die erste Strophe lässt uns förmlich die nassen Füße spüren.…
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Volk und Welt – „Erkundungen“
6–8 MinutenDie Buchreihe „Erkundungen“ – Ein Fenster zur Weltliteratur von der DDR aus gesehen | Zwischen 1966 und 1996 erschienen im Ost-Berliner Verlag Volk und Welt 64 schmale Bände unter dem Reihentitel „Erkundungen“. Jeder Band versammelte Erzählungen aus einem Land oder einer Region – „X Erzähler aus Y“ lautete die Formel. Chile, Vietnam, Belgien und die…
