
01/26 – Seit einiger Zeit nähere ich mich dem Kulturraum Elbe-Oder an. Erst zufällig durch einen offenen Bücherschrank in Boizenburg, inzwischen gezielt. An der Elbe lebend bin ich immer wieder in der Region unterwegs – in der Altmark, in Ludwigslust, rüber ins Boizenburger Land – auf der Suche nach Gesprächen.

Texte und Arbeiten von Elisabeth Wesuls, Adolf Endler, Helga Schubert, Elke Erb, Else Gold und anderen kenne und schätze ich bereits. Jetzt ist „Gesperrte Ablage“ von Ines Geipel und Joachim Walther eingetroffen: Unterdrückte Literaturgeschichte in Ostdeutschland 1945–1989. Ein Buch über das, was nicht erscheinen durfte, über Schreibende, deren Texte in Archiven verschwanden.
Ich suche nach Hintergründen – und nach Menschen aus dem Kulturbereich, nach Zeitzeugen, nach Austausch über diese Literaturgeschichte.
Ich habe den Band „3 mal 13 kleine Fische“ von Hans Baumann (Sigbert-Mohn-Verlag, 1964) in einem öffentlichen Bücherschrank gefunden.
Ein Kinder-Gedichtband mit wunderbar verspieltem Cover .
Zuhause habe ich dann nacghgeschlagen, wer Hans Baumann ist. Es stellte sich heraus, dass er im Nationalsozialismus als Lieddichter und Kulturfunktionär sehr erfolgreich war.
Der Fund hat damit eine zweite Ebene bekommen: nicht nur „ein Gedichtband“, sondern ein Objekt mit politischer und erinnerungskultureller Belastung. – Also: Hans Baumann – lesen oder nicht, wenn ja wie?
blätter wie perücken – entnommen einem Gedicht von Nathalie Schmidt aus: Atlantis lokalisieren (Wolfbach / Gans Verlag)
