Im April 1939 öffnete im Flushing Meadows Park im New Yorker Stadtbezirk Queens eine der größten Weltausstellungen des 20. Jahrhunderts ihre Tore. Ihr Motto: „Building the World of Tomorrow“. Rund 44 Millionen Besucher kamen bis Oktober 1940.
Das Wahrzeichen der Ausstellung waren Trylon und Perisphere – ein spitzer Obelisk von 212 Metern Höhe und eine weiße Kugel von 65 Metern Durchmesser. In der Perisphere befand sich Democracity, ein Modell der idealen Stadt der Zukunft. Breite Autobahnen, geordnete Wohnzonen, Grünflächen. Der General-Motors-Pavillon zeigte mit Futurama ein riesiges Modell der USA im Jahr 1960 – Besucher fuhren auf einem Förderband daran vorbei. Westinghouse präsentierte den Roboter Elektro. Zu den ausgestellten Technologien gehörten Fernsehen, Faxmaschine, elektrischer Geschirrspüler und die welterste Videokonferenz. Softeis wurde hier erstmals einem breiten Publikum bekannt.
Die Botschaft war eindeutig: Technik und Planung schaffen eine bessere Gesellschaft.

Der Riss im Bild
Zwei Monate vor Eröffnung der Ausstellung, am 20. Februar 1939, fand im Madison Square Garden eine nationalsozialistische Massenkundgebung statt. Organisiert von der German American Bund, als „Pro-Americanism“-Rallye getarnt. Über 20.000 Teilnehmer. Anführer Fritz Julius Kuhn sprach vor einem riesigen Washington-Porträt, flankiert von Hakenkreuzfahnen. Draußen protestierten Tausende. (Wikipedia)
Deutschland selbst nahm an der Weltausstellung nicht teil. Die offizielle Begründung: Die Ausstellung sei „überwiegend von Juden“ organisiert. New Yorks Bürgermeister Fiorello LaGuardia schlug daraufhin vor, eine „Schreckenskammer“ einzurichten, die das wahre Gesicht des NS-Regimes zeigen sollte. Der Plan scheiterte. Ausstellungsleiter Grover Whalen regte an, deutsche Emigranten um Klaus Mann sollten stattdessen einen „Freedom Pavilion“ errichten. Die Emigrantenszene war jedoch so zerstritten über das, was dort gezeigt werden sollte, dass auch diese Idee verworfen wurde. (Wikipedia)
Im September 1939, während die Ausstellung noch lief, begann mit dem deutschen Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg. Einige Pavillons europäischer Länder wurden zu symbolischen Orten des Exils. Die Beteiligung der Nationen sank.
„The World of Tomorrow“ – die Formel hatte sich in wenigen Monaten selbst überholt.
New York 1939 in der Literatur
Der Moment hat andere beschäftigt.
E. L. Doctorows Roman World’s Fair (1985) spielt im New York desselben Jahres, aus der Perspektive eines Jungen, der in der Bronx aufwächst und die Weltausstellung als Versprechen einer anderen Welt erlebt. Michael Chabons The Amazing Adventures of Kavalier and Clay (2000) berührt das Ausstellungsgelände am Rand. Susie Orman Schnalls We Came Here to Shine (2020) siedelt seine Handlung direkt im Sommer der Ausstellung an.
Und Ruth Frobeens Roman Irmelin Fuchs (2022) setzt im selben Sommer ein – mit einer anderen Frage im Zentrum.
Titelbild: Robert P. Archer – Approaching Storm (ca. 1938)
Öl auf Leinwand
Smithsonian American Art Museum
Verwendete Quelle: wikimedia
