„Meine Gedichte sind kleine Bestände im Warenlager der Poesie.“
Mit dieser Setzung beschreibt Udo Degener in Poesiealbum 244 eine Poetik, die auf Umlauf, Begrenzung und Gebrauch zielt. Die Gedichte erscheinen nicht als auratische Einzelstücke, sondern als Bestand, Material, Versuch. Die wiederholte Formel „Meine Gedichte sind“ erzeugt dabei keine Definition, sondern eine Abfolge von Verschiebungen: vom Papier über das Lager bis zur Infragestellung der Autorschaft selbst. Am Ende heißt es folgerichtig: „Meine Gedichte sind nur manchmal meine Gedichte.“
Das Poesiealbum 244 versammelt kurze, oft streng geführte Texte, die mit Wiederholung, Variation und präziser Setzung arbeiten. Pathos und psychologische Ausdeutung werden vermieden. Stattdessen stehen Verfahren im Vordergrund: Reduktion, Regelhaftigkeit, ein klarer gedanklicher Schlusspunkt. Gedichte werden als handhabbare Einheiten behandelt, nicht als Bekenntnisse.
Diese Arbeitsweise steht in einem sachlichen Zusammenhang mit Degenerns Tätigkeit als Schachkomponist. Auch dort bestimmen formale Vorgaben, ökonomischer Materialeinsatz und die Suche nach einer klaren Lösung die Arbeit. Degener trägt den Titel eines Großmeisters für Schachkomposition; seine Probleme entstehen innerhalb klar definierter Regeln und zielen auf gedankliche Präzision.
Degener veröffentlicht seine literarischen und schachkompositorischen Arbeiten unter anderem in einem eigenen Verlag. Die Publikationspraxis bleibt bewusst überschaubar und unabhängig von marktgängigen Formaten.
Udo Degener, geboren 1959 in Nordhausen, lebt und arbeitet als Autor und Schachkomponist in Potsdam.
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Gesperrte Ablage – Ines Geipel & Joachim Walther
Gesperrte Ablage. Unterdrückte Literaturgeschichte in Ostdeutschland 1945–1989Ines Geipel / Joachim Walther, Lilienfeld Verlag Mit Gesperrte Ablage legen Ines Geipel und Joachim Walther eine Literaturgeschichte vor, die lange nicht erzählt worden ist – und strukturell nicht erzählt werden konnte. Das Buch rekonstruiert jene literarischen Stimmen der DDR, die nicht publiziert, nicht rezipiert, nicht erinnert werden durften.…
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LiteraturMagazine – Kulturraum Elbe-Oder
1–2 MinutenEin besonderer Schwerpunkt meiner Lektüre liegt auf Literaturmagazinen aus der ehemaligen DDR. Viele dieser Zeitschriften existieren heute nicht mehr oder haben ihren institutionellen Rahmen verloren. Gerade deshalb sind sie für mich von besonderem Interesse. Nicht als historische Kuriositäten, sondern als Dokumente einer spezifischen literarischen Praxis, in der ästhetische Entscheidungen, politische Bedingungen und editorische Arbeit eng…
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Elisabeth Wesuls – Geschichte
4–6 MinutenTarnung, Enttarnung und das Unheimliche der Kontinuität. Annähernd gelesen | Beim ersten Lesen von Elisabeth Wesuls Miniatur gibt es diesen Moment des Innehaltens. Fast eine Schrecksekunde. Nicht wegen der historischen Kulisse, nicht wegen der Ideologie. Sondern wegen eines Namens. Zunächst bleibt alles im Bereich des Hörensagens. „Man erzählt“, „manche sagen“, „die Leute, die das erzählen“.…
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Wolfgang Mattheuers Gedicht „August 1968″ zum Prager Frühling
10–16 Minuten26. August 1968 | An diesem Tag unterschreibt Alexander Dubček in Moskau unter massivem Druck das Protokoll, das die Niederschlagung des Prager Frühlings besiegelt. Die Panzer sind bereits fünf Tage zuvor einmarschiert, aber erst jetzt, an diesem Dienstag im August, wird die Kapitulation offiziell. Die Hoffnung auf einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ ist Geschichte. An…
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Weg in die Wische – bewegend gelesen
6–9 MinutenDie Wische ist eine einzigartige Landschaft im Nordosten der Altmark in Sachsen-Anhalt, die von ihrer Geschichte als ehemaliges Überflutungsgebiet der Elbe geprägt ist. Sie ist bekannt für ihre weiten, flachen Flächen, die besonders in den nassen Jahreszeiten eine Herausforderung für Reisende darstellen können. Adolf Endler beschreibt in seinem Text aus dem Jahr 1958 eindrücklich die…
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Adolf Endlers Erinnerungen an die Entstehung seines Debüts „Weg in die Wische“
1–2 MinutenAdolf Endler beschreibt in seinem Text die Entstehung seines ersten Buches, „Weg in die Wische“, das 1960 erschien. Dabei schildert er nicht nur die landschaftlichen Eindrücke der Wische, sondern auch seine äußerst kritische und ablehnende Haltung gegenüber dem Werk. Endler beginnt mit einer stimmungsvollen Beschreibung der altmärkischen Wische im Spätherbst. Er schildert die matschigen, unwegsamen…
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Udo Degener
1–2 Minuten„Meine Gedichte sind kleine Bestände im Warenlager der Poesie.“ Mit dieser Setzung beschreibt Udo Degener in Poesiealbum 244 eine Poetik, die auf Umlauf, Begrenzung und Gebrauch zielt. Die Gedichte erscheinen nicht als auratische Einzelstücke, sondern als Bestand, Material, Versuch. Die wiederholte Formel „Meine Gedichte sind“ erzeugt dabei keine Definition, sondern eine Abfolge von Verschiebungen: vom…
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Warum Adolf Endler lesen?
5–7 MinutenAdolf Endler (1930-2009) war eine singuläre Erscheinung in der deutschsprachigen Literatur, ein Dichter, Essayist und Prosaist, dessen Werk sich der Kategorisierung oft entzieht. Gerade der Gesprächsabend „dies sirren“ mit Renatus Deckert, benannt nach einem seiner zentralen Gedichte, ist ein guter Ansatzpunkt, um sich ihm zu nähern, denn Endler war ein Meister des Gesprächs, der Anekdote…
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Renatus Deckert
Renatus Deckert (*1. Mai 1977 in Dresden) ist ein deutscher Autor, Herausgeber und Literaturwissenschaftler. Er studierte Literatur und Philosophie in Hamburg, Berlin und Paris. 2009 promovierte er an der Humboldt-Universität zu Berlin mit einer Arbeit über das Motiv des zerstörten Dresden im Werk der Dichter Volker Braun, Heinz Czechowski und Durs Grünbein. Von 1997 bis…

