„Meine Gedichte sind kleine Bestände im Warenlager der Poesie.“

Mit dieser Setzung beschreibt Udo Degener in Poesiealbum 244 eine Poetik, die auf Umlauf, Begrenzung und Gebrauch zielt. Die Gedichte erscheinen nicht als auratische Einzelstücke, sondern als Bestand, Material, Versuch. Die wiederholte Formel „Meine Gedichte sind“ erzeugt dabei keine Definition, sondern eine Abfolge von Verschiebungen: vom Papier über das Lager bis zur Infragestellung der Autorschaft selbst. Am Ende heißt es folgerichtig: „Meine Gedichte sind nur manchmal meine Gedichte.“

Das Poesiealbum 244 versammelt kurze, oft streng geführte Texte, die mit Wiederholung, Variation und präziser Setzung arbeiten. Pathos und psychologische Ausdeutung werden vermieden. Stattdessen stehen Verfahren im Vordergrund: Reduktion, Regelhaftigkeit, ein klarer gedanklicher Schlusspunkt. Gedichte werden als handhabbare Einheiten behandelt, nicht als Bekenntnisse.

Diese Arbeitsweise steht in einem sachlichen Zusammenhang mit Degenerns Tätigkeit als Schachkomponist. Auch dort bestimmen formale Vorgaben, ökonomischer Materialeinsatz und die Suche nach einer klaren Lösung die Arbeit. Degener trägt den Titel eines Großmeisters für Schachkomposition; seine Probleme entstehen innerhalb klar definierter Regeln und zielen auf gedankliche Präzision.

Degener veröffentlicht seine literarischen und schachkompositorischen Arbeiten unter anderem in einem eigenen Verlag. Die Publikationspraxis bleibt bewusst überschaubar und unabhängig von marktgängigen Formaten.

Udo Degener, geboren 1959 in Nordhausen, lebt und arbeitet als Autor und Schachkomponist in Potsdam.

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