Autor: Oliver Simon
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trübe
1–2 Minutenes ist als trüge sieden schönsten dunkelgrauenhosenanzugschlagbaumin den taschen und ich bleibe weiß hände in bewegungdas dunkle trübt sich Dieses Gedicht ist entstanden, weil ich mich verlesen hatte. Das Aquarell folgte beim Versuch, das Trüben des Dunkelgrau zu sehen.
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Liebe Marsha (Ein offener Brief)
1–2 MinutenLiebe Marsha, ich weiß nicht, welche Inseln du meinst. Du hast es nicht gesagt. Du hast angefangen — es ist wegen der Inseln — und bist gegangen. Der Satz hängt noch in der Luft, zumindest für mich als Leser. Vielleicht war er für dich längst abgeschlossen. Was ich weiß: Du bist neu in der Klasse.…
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Wer darf benennen, was eine Trauer bedeutet
2–3 MinutenÜber „Wegen der Inseln“ von Susanne Neuffer, Merkur Nr. 905, 2024 | Dieser Text hat mehrere Fäden, denen man folgen könnte. Ich habe mich für einen entschieden. Susanne Neuffers Kurzgeschichte, Miniatur erzählt von einer Schulklasse, die in Trauer verfällt. Oder so etwas Ähnlichem wie Trauer. Ausgelöst von einem neuen Mädchen namens Marsha, das eines Tages…
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Eine Bushaltestelle, ein Foto, ein Name: Liesel Mansfeld
1–2 MinutenIch war auf der Suche nach Büchern. Gefunden habe ich ein Foto. Es lag auf dem Sandboden einer Bushaltestelle, die hier im Wendland als öffentlicher Bücherschrank fungiert. Ein Abzug, eingerissen, mit Rostflecken – vermutlich von einer Pinnadel. Jemand hatte ihn irgendwann aufgehängt, er gehörte zu etwas. Dann nicht mehr. Auf der Rückseite, handschriftlich: Liesel Mansfeld…
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Außerhaustier – Carla Schwiegk
2–4 MinutenDas Zündblättchen, Heft 115 | In der Elbtalaue, wo ich wohne, brütet seit Jahren ein Krähenpaar in einer alten Eiche. Die Vögel kommen täglich — zum Hühnerfutter, zum Teich, einfach so. Sie haben keine Angst. Es ist kein Zähmen, kein Vertrautmachen. Es ist ein Nebeneinander, das sich langsam, ohne Absprache, eingespielt hat. Man kennt sich.…
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Die Roggenmuhme – Werner Lindemann
1–2 MinutenDer Titel selbst setzt schon den Ton. „Roggenmuhme“ klingt nach Volksüberlieferung, nach Figur zwischen Märchen und bäuerlicher Mythologie. Bei Lindemann wird daraus aber kein folkloristisches Spiel. Diese Figuren stehen eher am Rand des Sagbaren – sie markieren, wie stark Landschaft und Imagination ineinandergreifen. Roggenfeld, Wind, Jahreszeiten: Das ist keine Kulisse, sondern ein Wahrnehmungsraum, in dem…
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Werner Lindemann
2–3 MinutenWWerner Lindemann (1926–1993) gehört zu den Autoren der DDR, die sich einer schnellen Einordnung entziehen. Weder zählt er zu den exponierten Stimmen des literarischen Betriebs noch verschwindet er ganz in dessen Randzonen. Seine Texte bewegen sich in einem Zwischenbereich: unauffällig in der Form, präzise in der Beobachtung, zurückhaltend im Ton. Sein Weg zur Literatur ist…
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Fundstücke und Notate zu Adolf Endler
1–2 MinutenIn einem autobiografisch grundierten Text über die DDR-Literaturszene und ihre Verwerfungen nach 1989 beschreibt Lutz Rathenow beiläufig eine Szene mit Adolf Endler. Überliefert ist sie nicht als Erinnerung, sondern als Stasi-Protokoll: Endler bringt Manuskripte vorbei, richtet Zahlungsforderungen aus, verschwindet wieder. Die Kürze der Szene ist aufschlussreich. Sie zeigt Endler als Teil eines informellen literarischen Netzwerks,…
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die horen 250 – Pressköter und Tintenstrolche
4–5 MinutenDieser Band kam aus dem Antiquariat. Dabei läuft die horen seit einiger Zeit im Abo — das aktuelle Heft liegt neben dem Schreibtisch. Aber dieser hier, der 250., ist ein anderes Ding: eine Ausgabe, die innegehalten hat. Die sich umgedreht und auf das geschaut hat, was sie selbst ist. Seit 1955 erscheint die Zeitschrift —…
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New York World’s Fair 1939
2–3 MinutenIm April 1939 öffnete im Flushing Meadows Park im New Yorker Stadtbezirk Queens eine der größten Weltausstellungen des 20. Jahrhunderts ihre Tore. Ihr Motto: „Building the World of Tomorrow“. Rund 44 Millionen Besucher kamen bis Oktober 1940. Das Wahrzeichen der Ausstellung waren Trylon und Perisphere – ein spitzer Obelisk von 212 Metern Höhe und eine…
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Ruth Frobeen – Irmelin Fuchs
1–2 MinutenDer schmale Band bewegt sich zwischen Roman und längerer Erzählung. Die Handlung setzt im Sommer 1939 in New York City ein. Die neunzehnjährige Irma Sabrina Fuchs erwacht nach einem Koma in einem Altersheim, ohne jede Erinnerung an ihre Herkunft, ihre Familie, ihr früheres Leben. Sie verlässt das Heim und findet eine Anstellung bei der blinden…
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Elisabeth Borchers – Märchen
1–2 MinutenJemand hat den Titel dieses Gedicht auf eine leere Seite geschrieben. Mit Bleistift, inkl. Seitenzahl. Das Buch – eine Jubiläumsausgabe von Elisabeth Borchers, erschienen zu ihrem 75. Geburtstag, gesammelt unter dem Titel Alles redet, schweigt und ruft – kam aus einem Antiquariat zu mir. Wessen Hand das war, weiß ich nicht. Aber die Geste hat…
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Elisabeth Borchers – Weglassen als Prinzip
2–3 MinutenDer Gedichtband stand jahrelang im Regal. Ungelesen. Eine Lyrikauswahl der Autorin und Lektorin Elisabeth Borchers, erschienen 2001 bei Suhrkamp — bestellt, weil irgendwer schrieb, sie sei eine bedeutende Lyrikerin, und weil eine Auswahl aus verschiedenen Schaffensphasen wie ein guter Einstieg wirkte. Der Einband: kein Türöffner. Es geriet in Vergessenheit. Was es dann öffnete, war ein…
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Ein Paradies, das sich datieren lässt
in Lyrik4–6 MinutenZu Elisabeth Borchers‘ Gedicht – und was passiert, wenn ein Wort hinzukommt | Elisabeth Borchers, 1926 in Homberg am Rhein geboren, gehört zu den Lyrikerinnen, die man im deutschsprachigen Raum kennt, ohne dass man immer sagen könnte, warum. Sie hat Kinderbücher geschrieben, Gedichte, sie war lange Lektorin bei Suhrkamp. Ein Name. Vielleicht eine Assoziation: sorgfältig,…
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Nâzım Hikmets Menschenlandschaften – 1
4–7 MinutenDie vergessenen Bücher und der Zug durch Anatolien | Manchmal braucht es den Hinweis eines anderen, um im eigenen Regal wiederzufinden, was längst hätte gelesen werden sollen. Bei mir war es ein Nebensatz auf der Website von Volkmar Mühleis, der Nazim Hikmet erwähnte – und mir fiel ein: Die Bücher stehen ja hier. Schon lange.…
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Nâzım Hikmet – Menschenlandschaften
1–2 MinutenNâzım Hikmet wurde 1902 in Saloniki geboren, einer Stadt, die damals zum Osmanischen Reich gehörte und heute griechisch ist, und starb 1963 in Moskau, nachdem er Jahre im türkischen Gefängnis verbracht und schließlich ins Exil gezwungen worden war. Sein Leben ist von erzwungenen Ortswechseln geprägt – Gefängnis, Exil, Flucht –, und diese Bewegung zwischen Räumen…
