Literatur ist für mich weit mehr als reine Information und Unterhaltung – sie ist ein Quell der Inspiration und Anlass für lebendige Gespräche, sowohl innere als auch äußere. Anstatt in der stillen Rezeption zu verharren, nutze ich die Kraft der Texte, um mein eigenes Denken anzustoßen und neue Perspektiven zu gewinnen.
In dieser Rubrik versammle ich Arbeiten, die aus solchen Begegnungen entstanden sind – in Worten, Bildern, Tönen. Sie sind keine Rezensionen, sondern eigenständige Antworten: Spuren eines Dialogs, der zwischen den Zeilen stattfindet und nach verschiedenen Ausdrucksformen sucht.
Begonnene Dialoge:
Da ich Texte immer wieder aufgreife, Querverbindungen sehe und Neues schaffe, ist ein angeregter Dialog nie wirklich abgeschlossen.Hier gilt daher: Fortsetzung folgt.
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Peter Bichsel – Die Geschichte von den drei Steinen
Ein Mann findet drei gewöhnliche Steine und beschließt, ihnen eigene Namen zu geben. Er nennt sie „Herr Babel, „Herr Bohm und „Herr Buht“. Für ihn sind diese Steine ab sofort nicht mehr bloß Steine, sondern Individuen mit bestimmten Eigenschaften, über die er nachdenkt, spricht und sich freut. Er zeigt sie auch einem Kind und bringt…
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Im Silberdistelwald
Als hätten sich György Kurtág, Johann Sebastian Bach und Oskar Loerke am Hubertussee getroffen. Der SilberdistelwaldMein Haus, es steht nun mittenIm Silberdistelwald.Pan ist vorbeigeschritten.Was stritt, hat ausgestrittenIn seiner Nachtgestalt. Die bleichen Disteln starrenIm Schwarz, ein wilder Putz.Verborgne Wurzeln knarren:Wenn wir Pans Schlaf verscharren,Nimmt niemand ihn in Schutz. Vielleicht, dass eine BlüteZu tiefer KommunionIhm nachfiel und…
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wer ist wir | Eine Annäherung
Das titelgebende Gedicht „wer ist wir“ von Günter Abramowski erforscht die Dynamik zwischenmenschlicher Beziehungen, Identität und existenzieller Unsicherheit durch fragmentarische Sprache und metaphorische Verdichtung. Hier eine strukturelle und thematische Analyse: Form und Struktur Thematische Schichten Sprachliche Besonderheiten Symbolik Zusammenfassung Das Gedicht inszeniert eine existenzielle Krise zwischenmenschlicher Bindung: Die Suche nach Nähe führt zu Verletzung und…
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Eduard Assadow || Ich werde dich lieben, darf ich?
Ich werde in deinen Augen ertrinken, darf ich? Denn in deinen Augen zu ertrinken, ist Glück.Ich komme zu dir und sage: „Guten Tag!Ich liebe dich sehr.“ Ist das schwer?Nein, das ist nicht schwer, sondern mühsam.Es ist sehr mühsam, zu lieben. Glaubst du mir das? Ich gehe auf eine steile Klippe,ich werde fallen, fang mich! Schaffst…
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Jürgen Völkert-Marten – Wege – Lyrik
„Wege“ führt uns durch einen merkwürdigen Wechsel der Perspektiven: Erst sind wir mittendrin im Matsch und Regen, dann schauen wir von oben auf eine Landkarte. Diese Bewegung von der körperlichen Erfahrung zur abstrakten Betrachtung durchzieht das ganze Gedicht wie ein roter Faden. Unterwegs im Regen Die erste Strophe lässt uns förmlich die nassen Füße spüren.…

kon·tem·p·la·tive Lyrik
Günter Abramowski
wer ist wir (2024)
LeseProjekte:
[Da ich Texte immer wieder aufgreife, Querverbindungen sehe und schaffe, ist ein angeregter Dialog nie wirklich abgeschlossen. Daher lohnt es sich immer wieder hineinzuschauen und gegebenfalls einzubringen.]
distelicht
Kennen Sie das Gefühl, wenn ein unscheinbares Detail plötzlich eine ganze Welt eröffnet? Genau das ist der Kern des distelichts. Hier tauchen wir in die Belletristik und bildende Kunst ein, um Werke aufzuspüren, in denen die Distel – sei es prominent oder nur am Rande erwähnt, wörtlich oder metaphorisch – eine Rolle spielt. – weiterlesen
Adolf Endler entdecken
Über ein Gedicht, über Ausgrenzung. Dieser 1895 erstmalig veröffentlichte Text hat dazu geführt, dass mir von Gott berufenen Menschen (nach eigenen Aussagen) die Freundschaft gekündigt haben und seitdem jeden Kontakt ablehnen. Ihr Kommentar: Wer so etwas veröffentlicht, der ist vom Teufel geleitet. – weiterlesen
Bodenhaftung
Angeregt durch Renatus Deckerts Gedicht Plötzensee habe ich ein LeseProjekt begonnen, das sich mit der sg Erinnerungskultur beschäftigt. – weiterlesen
Safiye Can – Poesie und Pandemie
Ringen mit Cans Lyrik: Eine persönliche Annäherung an „Poesie und Pandemie“ und darüber hinaus. Beim Eintauchen in Safiye Cans Lyrikband „Poesie und Pandemie“ wurde mir immer wieder bewusst, wie unterschiedlich kollektive Erfahrungen wahrgenommen werden können. weiterlesen
Oskar Loerke – Im Silberdistelwald
Der „Silberdistelwald“ des Oskar Loerke liegt am Hubertussee, geschaffen im Zusammenhang mit dem Bau der Gartenstadt Frohnau aus einem verlandeten Tümpel. Im späten 19. Jahrhundert wurde hier Ton für die nahegelegene Ziegelei gegraben. – weiterlesen
Eduard Assadow – Ich werde dich lieben, darf ich?
uffällig ist auch die paradoxe Haltung: Einerseits fordert er bedingungslose Hingabe („das ganze Leben“), andererseits bittet er fast ängstlich darum, nicht verletzt zu werden („richte mich nicht hin“). – weiterlesen
Shaun Bythell und seine Buchhandlung
In einem kleinen Ort im Südwesten Schottlands, direkt an der Küste von Galloway, liegt Wigtown – offiziell anerkannt als „Scotland’s National Book Town“. Hier lebt und arbeitet Shaun Bythell, Antiquar, Buchhändler – und Autor. – weiterlesen
Annette Hagemann – MEINE ERBSCHAFT IST DIESE
Eine behutsame Auseinandersetzung mit dem ambivalenten Erbe familialer Prägung. Die scheinbar willkürlichen Relikte, die das lyrische Ich von den Eltern übernimmt, … – weiterlesen
Paul Klee | Wäre ich ein Gott, zu dem man betet
Paul Klees Gedicht „Wäre ich ein Gott, zu dem man betet…“ liest sich wie ein frecher, nachdenklicher Monolog – so als ob jemand, der mit aller Macht und Verantwortung ausgestattet wäre, plötzlich ganz menschliche Zweifel und Schwächen hätte. Es ist keine akademische Analyse, sondern ein Blick darauf, was das Gedicht uns heute sagt: … – weiterlesen
