Das Buch und der Mensch

Seit Jahrhunderten ist das Buch ein Spiegel menschlicher Ambivalenz: erfunden, um Ideen zu bewahren, und doch immer wieder Ziel von Zerstörung. Es dient als Objekt der Verehrung, des Handels, der Sammlung, aber auch der Gleichgültigkeit. Diese Spannung prägt seine Geschichte – vom gebrannten Tonstein der Antike bis zum E-Book des digitalen Zeitalters.

Der Mensch schuf Bücher als Träger von Wissen und Fantasie, wie die Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg zeigte, die das Lesen demokratisierte. Zugleich flammten immer wieder Feuer der Vernichtung: Die Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten 1933, die Werke von Brecht, Freud und Mann in Flammen aufgehen ließen, oder die Zensur in totalitären Regimen bis heute. „Ein Buch ist ein Spiegel: Wenn ein Affe hineinsieht, kann kein Apostel herausgucken“, notierte einst Georg Christoph Lichtenberg – doch wer entscheidet, welche Bücher bleiben?

Zwischen diesen Polen bewegt sich der Umgang mit dem Buch. Es wird gehandelt, gesammelt, vergessen. Bibliophile investieren Millionen in seltene Erstausgaben, wie die 4,9 Millionen Dollar für eine „First Folio“-Shakespeare-Ausgabe, während Bücherflohmärkte und Online-Tauschbörsen Texte für kleines Geld weiterreichen. Jorge Luis Borges träumte in „Die Bibliothek von Babel“ von einem unendlichen Bücheruniversum – doch selbst in solchen Welten, so der Autor, „gibt es Bücher, die niemand je öffnet“.

Die Liebe zum Buch kann persönliche Rituale prägen: Marcel Proust ließ seine „Suche nach der verlorenen Zeit“ in handgebundenen Notizbüchern wachsen, und Virginia Woolf schrieb über den Zauber gebrauchter Bücher: „Second-hand Bücher sind weit gereiste Bücher, ungezähmte Bücher, die an unzähligen Häusern geklopft haben.“ Andere lassen Bücher unberührt im Regal verstauben oder werfen sie weg, wie jene 1972 in der Wüste Nevadas zurückgelassene Bibliothek, deren zerfallende Bände heute als „The Last Bookstore“-Installation surreal wirken.

Selbst in der Digitalisierung lebt das Buch weiter – als E-Book, Hörbuch oder NFT. Ob auf Papier oder Pixel: Es bleibt ein Medium, das den Menschen zugleich schafft und herausfordert. Oder, wie Umberto Eco sagte: „Das Buch ist wie der Löffel, die Schere, der Hammer. Einmal erfunden, kann es nicht mehr verbessert werden.“

Hier möchte ich festhalten, wie das Buch als Medium in den verschiedenen Epochen und Kulturen wirkte und wirkt. Meine Quellen sind dabei Erzähltes wie Romane, Lyrik oder Comics und auch Sachliteratur.

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