Frühling | Christoph Kuhn

Lesezeit:

1–2 Minuten

Das Gedicht von Christoph Kuhn spielt mit ungewöhnlichen Perspektiven auf den Frühling und nutzt dabei Sprachbilder, die Bewegung und Veränderung betonen. Meine Annäherung an den Text:

„die bäume ausgebrochen über nacht“
– Das Bild des „Ausbruchs“ suggeriert eine plötzliche, fast revolutionäre Veränderung. Der Frühling kommt nicht allmählich, sondern scheint explosionsartig zu geschehen. Es erinnert an das plötzliche Ergrünen nach dem Winter.

„lernen in der baumschule resistenz“
– Wortspiel mit „Baumschule“ als Ort der Anzucht, aber auch im übertragenen Sinne als Schule für die Natur. „Resistenz“- ein Bild für gezielte Anpassung an menschengemachte Herausforderungen wie Urbanisierung oder Umweltzerstörung.

„besetzen die baumlose magistrale“
– Bäume als Akteure, die aktiv werden. Die Magistrale (eine große Straße oder Verkehrsachse) ist baumlos, aber die Bäume „besetzen“ sie – eine Art ökologischer Protest oder natürliche Rückeroberung urbaner Räume?

„spielen bäumchen wechsle dich“
– Anspielung auf das Kinderspiel, was Dynamik und Wandel unterstreicht. Vielleicht eine ironische Bemerkung zur Stadtplanung, wo Bäume oft umgesetzt oder gefällt werden.

„tanzen zum vogelkonzert“
– Ein verspieltes, musikalisches Bild, das die Lebendigkeit des Frühlings feiert. Natur als rhythmisches Zusammenspiel von Bäumen und Vögeln.


Dieser Frühling hat für mich eine moderne, fast surreale Qualität. Christoph Kuhn nutzt dynamische Verben und Wortspiele, um Naturprozesse auf eine lebendige und unerwartete Weise zu schildern. Im erweiterten Sinne ein Naturgedicht, vermeidet es aber romantische Idylle zugunsten eines sozialkritischen Untertons (Stadt/Natur-Gegensatz) und einer spielerischer Sprache.

  • Abzeichen

    Abzeichen

    Lesezeit:

    1–2 Minuten

    In diesem Fall habe ich versucht, mir Ille Chamiers Gedicht „Heil“ über Erzählungen aus der eigenen Familie zu erarbeiten. Daraus ist eine Art Gedicht entstanden: ich war fünf, als mein Bruder das Abzeichen bekamgoldenes Hakenkreuz auf rotem Grunder steckte es sich ans Hemd wie ein Versprechendie Mutter sagte: sei stolz im Schulflur hing der neue…

  • Valérys Platane: Ein Baum, der mehr ist als nur Holz und Blätter

    Valérys Platane: Ein Baum, der mehr ist als nur Holz und Blätter

    Lesezeit:

    5–7 Minuten

    Paul Valérys Gedicht „An die Platane“ ist im Grunde eine tiefe Nachdenklichkeit über das Leben, unsere Grenzen und das, wonach wir uns sehnen. Er nimmt die Platane als Beispiel, um uns etwas über uns selbst zu erzählen. Am Anfang steht die Platane da, nackt und weiß, wie ein junger Mensch. Aber sie ist nicht ganz…

  • siebenunddreißig geboren

    siebenunddreißig geboren

    Lesezeit:

    3–5 Minuten

    Annähernd gelesen | Das Gedicht verdichtet die existenzielle Erfahrung eines Kindes, das 1937 in eine vom Krieg geprägte Welt geboren wird. Schon die nüchterne Eröffnung „siebenunddreißig geboren“ verankert die Verse historisch – eine Generation, deren Kindheit von Bombennächten und Bunkern überschattet war. Die wiederholte Betonung „ich kam auf die Welt“ unterstreicht nicht nur das Wunder des Lebens, sondern auch…

  • aber das kaputte Salzfaß

    aber das kaputte Salzfaß

    Lesezeit:

    2–3 Minuten

    Eine Annäherung | Dieses Gedicht erzählt eine Geschichte, die von einem rätselhaften Bild lebt: dem kaputten Salzfass. Es ist zerbrochen, hält nichts mehr, und doch wird es immer wieder gefüllt. Salz selbst ist ja seit jeher ein Symbol für das Lebensnotwendige – es würzt unser Essen, konserviert, und die Redewendung vom „Salz der Erde“ spricht…

  • Ille Chamier – Lied 76

    Ille Chamier – Lied 76

    Lesezeit:

    2–3 Minuten

    Eine Annäherung | Ille Chamiers Gedicht „Lied 76“ aus den 1970er Jahren erzählt von einer Frau, die zwischen patriarchalen Erwartungen und eigener Ohnmacht gefangen ist. Ihr Mann schickt sie mit dem unmöglichen Auftrag aufs Feld, „Stroh zu Gold zu spinnen“ – eine bittere Anspielung auf das Rumpelstilzchen-Märchen. Doch anders als im Märchen gibt es hier…

  • Frühling | Christoph Kuhn

    Frühling | Christoph Kuhn

    Lesezeit:

    1–2 Minuten

    Das Gedicht von Christoph Kuhn spielt mit ungewöhnlichen Perspektiven auf den Frühling und nutzt dabei Sprachbilder, die Bewegung und Veränderung betonen. Meine Annäherung an den Text: „die bäume ausgebrochen über nacht“– Das Bild des „Ausbruchs“ suggeriert eine plötzliche, fast revolutionäre Veränderung. Der Frühling kommt nicht allmählich, sondern scheint explosionsartig zu geschehen. Es erinnert an das…

  • Christoph Kuhn

    Christoph Kuhn

    Lesezeit:

    1–2 Minuten

    Christoph Kuhn, geboren am 27. Mai 1951 in Dresden, ist ein deutscher Schriftsteller mit einem außergewöhnlichen Werdegang. Vor seiner literarischen Karriere absolvierte er zunächst eine Ausbildung zum Augenoptiker – von 1977 bis 1980 studierte er Augenoptik in Jena und arbeitete bis 1989 in Augenkliniken in Dresden und Halle. Parallel dazu legte er ab 1984 ein…

  • Udo Degener

    Udo Degener

    Lesezeit:

    1–2 Minuten

    „Meine Gedichte sind kleine Bestände im Warenlager der Poesie.“ Mit dieser Setzung beschreibt Udo Degener in Poesiealbum 244 eine Poetik, die auf Umlauf, Begrenzung und Gebrauch zielt. Die Gedichte erscheinen nicht als auratische Einzelstücke, sondern als Bestand, Material, Versuch. Die wiederholte Formel „Meine Gedichte sind“ erzeugt dabei keine Definition, sondern eine Abfolge von Verschiebungen: vom…

  • Lyriksammlung „Poesiealbum“

    Lyriksammlung „Poesiealbum“

    Lesezeit:

    3–5 Minuten

    Die Lyrikreihe „Poesiealbum“ wurde 1967 in der DDR vom Dichter und Lektor Bernd Jentzsch im Verlag Neues Leben gegründet. Dieser Verlag gehörte zur FDJ (Freie Deutsche Jugend) und unterstand deren politischer Aufsicht. Die Idee war, Lyrik einem breiten Publikum zugänglich zu machen und sie „unters Volk“ zu bringen. Die Hefte kosteten sehr günstige 90 DDR-Pfennig…

  • Øyvind Berg – Schwärze, was ist das?

    Øyvind Berg – Schwärze, was ist das?

    Lesezeit:

    2–3 Minuten

    Øyvind Bergs Gedicht „Schwärze, was ist das? / Licht in einem ungeöffneten Buch. / Gebärmutterlicht.“ verdichtet in drei Zeilen eine tiefgründige Reflexion über das Verborgene, das Potenzial und den Ursprung von Existenz. Hier meine Annäherung an diesen Text: Schwärze als paradoxer Träger von Licht:Die Frage „Schwärze, was ist das?“ setzt ein, indem sie das scheinbar…

  • Øyvind Berg

    Øyvind Berg

    Lesezeit:

    1–2 Minuten

    Øyvind Berg, geboren am 14. Januar 1959 in Oslo, ist ein norwegischer Lyriker, Dramatiker, Schauspieler und Übersetzer. Er studierte Philosophie, Literatur und Ägyptologie an den Universitäten von Bergen und Tromsø und gab 1982 sein literarisches Debüt mit der Gedichtsammlung „Retninger“. Es folgten Werke wie „Barn er et hardt språk“ (1984), „Vitenskap for barn“ (1985) und…

  • Tagtexte – Ille Chamier

    Tagtexte – Ille Chamier

    Lesezeit:

    1–2 Minuten

    LektüreNotizen | Knappe biografische Angaben zur Autorin, ansonsten: kein Klappentext, kein Marketingsprech, kein Inhaltsverzeichnis. Lesende sind mit sich und den Texten allein. Das ist gut. Die Tagtexte sind in Lyrikform ; wobei ich nicht weiß, ob der Einzeiler am Anfang bereits ein Gedicht ist. Jedenfalls ist er der Einstieg in eine (zu erzählende) Geschichte. „das…

  • Adolf Endlers Gedicht „Dies Sirren“

    Adolf Endlers Gedicht „Dies Sirren“

    Lesezeit:

    2–4 Minuten

    Adolf Endlers Gedicht „Dies Sirren“ aus dem Jahr 1971 wirkt auf den ersten Blick wie ein surrealistisches Rätsel. Doch hinter der grotesken Szenerie dieser nur vier Zeilen verbirgt sich eine vielschichtige Auseinandersetzung mit historischen Traumata und politischer Ohnmacht. Basierend auf biografischen und literaturkritischen Quellen, bietet es Einblicke in ein rätselhaftes Meisterwerk, das zu den Schlüsseltexten…

  • Gegenentwürfe zur Ratlosigkeit: Wiederaufbruch

    Gegenentwürfe zur Ratlosigkeit: Wiederaufbruch

    Lesezeit:

    2–3 Minuten

    Meine Entwürfe beziehen sich auf das Gedicht RATLOS von Jürgen Völkert-Marten. Im Dunkel der Nacht, dieses bodenlose Schwarz, wo Fragen wie Schatten wuchsen, ungreifbar, und die Stille selbst nach einer Antwort schrie, einer wirklichen, da begann es, dieses zaghafte Flimmern. Nicht laut, kein Donner, der zerbricht, nicht grell, kein Blitz, der blendet, sondern wie ein…

  • Ille Chamier & Karen Roßki

    Ille Chamier & Karen Roßki

    Lesezeit:

    1–2 Minuten

    DAS ZÜNDBLÄTTCHEN – Heft 21 LektüreNotizen | Das Heft beinhaltet acht Gedichte der in Düsseldorf lebenden Autorin Ille Chamier und vier Bleistiftzeichnungen der Dresdner Künstlerin Karen Roßki. Stammabschnitte von Bäumen, die, obwohl blattlos, für mich die Energie der vier Jahreszeiten vermitteln. Details von Ästen, , markante Jungbäume, Totholz(?). Die Zeichnungen erinnern teils an Fabelwesen, so…

  • Das tierische Gebet

    Das tierische Gebet

    Lesezeit:

    3–4 Minuten

    Ich preise Dich Herr, / Darum hüpfe ich | Drutmar Cremer Tiere beten in Dur heiter beschwingt schlitzohrig – so lautet der Untertitel dieses Buches. Und ja, ungewöhnliche Gebete sind das, die der Benedektiner Drutmar Cremer da verfasst hat. Charakteristisch für das lyrische Werk des Dichters, Verlegers & Theologen Drutmar Cremer ist sein sparsames Vokabular,…

  • Feministische Lyrik nach 1945 | Eine historische Annäherung

    Feministische Lyrik nach 1945 | Eine historische Annäherung

    Lesezeit:

    6–9 Minuten

    Ich zeichne hier eine Entwicklung nach: Wie Dichterinnen sich im deutschsprachigen Raum nach 1945 zurückholten, was ihnen zustand – sprachlich, politisch und ästhetisch. Sie beginnt nicht erst mit der Neuen Frauenbewegung der 1970er Jahre, sondern wurzelt tief in den Trümmerlandschaften der Nachkriegszeit, wo Dichterinnen begannen, neue Formen des Sprechens zu finden. Es ist die Geschichte…

  • Einzeltäter – Gedicht von Safiye Can

    Einzeltäter – Gedicht von Safiye Can

    Lesezeit:

    2–3 Minuten

    Das Gedicht „Einzeltäter“ nutzt die intensive Wiederholung des Titelmotivs, um eine vielschichtige Deutungsebene zu eröffnen. Hier eine Analyse der zentralen Aspekte: Form und Struktur Wiederholung als Stilmittel: Die ständige Wiederholung von „Einzeltäter“ und Phrasen wie „noch ein“ oder „nur ein“ erzeugt eine rhythmische Monotonie. Dies spiegelt möglicherweise die endlose Wiederkehr des Phänomens oder die gesellschaftliche…

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