Gabriele Stötzer

Gabriele Stötzer, geboren 1953 als Gabriele Kachold in Thüringen, ist eine vielseitige deutsche Künstlerin, Schriftstellerin und politische Aktivistin, die insbesondere durch ihr Wirken in der DDR-Opposition bekannt wurde. Hier eine strukturierte Vorstellung:

Biografische Meilensteine

  • Politische Verfolgung: 1976 wurde sie aufgrund regimekritischer Aktivitäten (u.a. Protest gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns) zu einem Jahr Haft im Stasi-Gefängnis Hoheneck verurteilt. Diese Erfahrung prägte ihr künstlerisches Schaffen nachhaltig.
  • Künstlerische Ausbildung: Nach ihrer Haftentlassung studierte sie von 1980 bis 1985 an der Hochschule für Industrielle Formgestaltung Halle, Burg Giebichenstein.

Künstlerisches Schaffen

  • Multimediale Ansätze: Stötzer arbeitet grenzüberschreitend in Lyrik, Prosa, Fotografie, Performance, Film und Installationen. Ihre Werke thematisieren häufig Körperlichkeit, feministische Kritik, Machtstrukturen und die Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit.
  • Bücher: Publikationen wie „zügel los“ (1990) und „grenzen los fremd“ (1999) reflektieren ihre Erfahrungen mit Unterdrückung und Befreiung.
  • Film: Sie realisierte experimentelle Filme wie „Die Überfliegerin“ (1992), die sich mit weiblicher Selbstbestimmung beschäftigen.

Politisches & Kulturelles Engagement

  • Erfurter Subkultur: Sie war zentrales Mitglied der alternativen Kunstszene in Erfurt, die in den 1980er Jahren ein Labor für nonkonforme Ideen war.
  • Feministische Netzwerke: 1984 gründete sie die Künstlerinnengruppe „Die Frauen“, eine der ersten feministischen Kollektive in der DDR, die sich gegen staatliche Repression und patriarchale Strukturen auflehnte.
  • Nachwende-Aktivitäten: Sie initiierte Projekte wie das „Kunsthaus Erfurt“, einen offenen Raum für experimentelle Kunst.

Anerkennung & Aktuelles

  • Auszeichnungen: Unter anderem erhielt sie 2021 den Thüringer Verdienstorden für ihr kulturelles und politisches Engagement.
  • Lehre & Vorträge: Stötzer gibt Workshops und hält Vorträge zu Kunst, Feminismus und DDR-Geschichte.
  • Aktuelle Projekte: Sie lebt in Erfurt, arbeitet weiterhin künstlerisch und setzt sich kritisch mit Erinnerungskultur auseinander.

Prägende Merkmale

  • Kunst als Widerstand: Ihr Werk verbindet ästhetische Radikalität mit politischer Aussage, oft inspiriert von persönlichen und kollektiven Traumaerfahrungen.
  • Feministische Perspektive: Sie gilt als Pionierin, die weibliche Körperlichkeit und Autonomie in den Mittelpunkt einer bis dahin männlich dominierten DDR-Kunstszene rückte.

Gabriele Stötzer steht exemplarisch für eine Generation, die Kunst als Mittel der Selbstbehauptung und gesellschaftlichen Veränderung nutzte – sowohl vor als auch nach der Wende von 1989.

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