Kategorie: LektüreNotizen
Inspiriert von der Praxis des Lesetagebuchs, nutze ich unterschiedliche Formen, um diesen Prozess abzubilden: Skizzen verorten plötzliche Einsichten, Töne halten die Stimmung einer Passage fest, Filme fangen Bewegung ein, wo Worte erstarrten. Form follows function – denn nur so lässt sich erfassen, was beim Lesen geschieht: ein Dialog, der nicht endet.
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Jane Wels – Lilith
Lesezeit:
3–4 MinutenEin Gedicht von Jane Wels – auf Instagram von ihr geteilt – fragt nach einem Raum, in dem Sprache nicht mit Worten angefüllt ist. Das ist keine rhetorische Frage. Es ist eine, die Widerstand leistet gegen schnelle Antworten. Eine Annäherung. Die naheliegende Versuchung wäre, das Gedicht inhaltlich aufzulösen – aber bei Jane Wels funktioniert der…
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Hansjörg Schertenleib – Das Regenorchester
Lesezeit:
2–3 MinutenNachdem seine Frau ihn verlassen hat, lebt ein Schriftsteller um die fünfzig allein in seinem Haus in Irland. Nach einem gesundheitlichen Zusammenbruch ist er aus seinem bisherigen Arbeits- und Lebensrhythmus gefallen. Körperlich eingeschränkt, verbringt er seine Tage mit Spaziergängen, Beobachtungen und Erinnerungen. In dieser Situation begegnet er Niamh, einer sechzigjährigen Irin, die ihn bittet, zum…
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Am Zweig
Lesezeit:
1–2 MinutenAm Zweig die Feder, klein, wiegt sich. Wildschweinschwärze aus dem Erdreich, beißt in die Nase. Mein weißer Hund im Schnee – fast weg. Foto: Oliver Simon
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Karen Roßki – Austausch
Lesezeit:
1–2 MinutenDrei Miniaturen zu einer Zeichnung: Nichts bleibt für sich. Linien steigen auf, andere sinken zurück. Was sich verdichtet, gibt ab. Was aufragt, ist nicht getrennt vom Grund. Bewegung geht in beide Richtungen. Austausch heißt hier nicht Ausgleich. Es ist ein fortwährendes Weitergeben von Spannung. Linien gehen nach oben und kommen zurück. Der Grund bleibt beteiligt.…
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Karen Roßki – Durchdringen
Lesezeit:
1–2 MinutenNichts greift hier ineinander. Von oben drängt etwas Fremdes ins Bild, faserig, hart gesetzt. Unten arbeitet eine andere Bewegung, schwer, erdig, unruhig. Die Farben mischen sich nicht, sie stoßen. Was durchdringt, verbindet nicht. Es verschiebt, verdrängt, reibt sich fest. Der Raum hält das aus, aber er schließt sich nicht. Nähe entsteht hier nicht aus Übergang,…
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Karen Roßki – Weit
Lesezeit:
1–2 MinutenEs gibt keine Linie, an der das Sehen zur Ruhe kommt.Flächen schieben sich übereinander, als hätten sie Zeit gesammelt.Das Dunkle trägt, das Helle setzt an.Nichts öffnet sich nach außen, alles breitet sich aus.Bewegung ohne Richtung, Dichte ohne Schwere.Zwischen den Schichten bleibt kein leerer Ort, nur Übergang.Was wie Tiefe aussieht, ist Nähe.Was weit scheint, hält fest.…
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Udo Degener – Miklós Radnóti (1909–1944)
Lesezeit:
2–3 MinutenWer war Miklós Radnóti. Miklós Radnóti wurde 1909 in Budapest geboren, jüdischer Herkunft, ungarischer Dichter. Er schrieb früh, studierte Literatur, bewegte sich bewusst in der ungarischen Sprach- und Formtradition. In den 1930er Jahren wurde sein Leben zunehmend durch antisemitische Gesetze bestimmt. Er durfte nicht mehr regulär publizieren, wurde zu sogenannten Arbeitsdiensten eingezogen, also Zwangsarbeit ohne…
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Udo Degener – Meine Gedichte sind
Lesezeit:
1–2 MinutenDer Text setzt mit einer Wiederholung ein. Jede Zeile beginnt gleich, und doch verschiebt sich der Gegenstand fortlaufend. „Meine Gedichte sind“ markiert keinen festen Besitz, sondern einen Ort, an dem immer wieder neu angesetzt wird. Die Gedichte werden nicht erklärt, sondern in Umlauf gebracht. Zunächst tauchen sie als Material auf: Schreibmaschinenpapier, eine genaue Sorte, versehen…
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Elisabeth Wesuls – Was ein Kind ist, um 1960
Lesezeit:
2–3 MinutenGegen das Kind als Postpaket | Beim Lesen eines kurzen Prosatextes über Kindheit „um 1960“ stellt sich ein unmittelbarer Impuls ein: Man möchte widersprechen. Nicht einer Meinung – sondern einem Bild. Der Text zählt auf, was einem Kind zugeschrieben wurde: dass man es „nichts fragen“ müsse, dass ihm „kein eigener Wille“ zugestanden wird, dass es…
