Karten zeichnen wie früher — ein Versuch

In Hansjörg Schertenleibs Erzählung Der Antiquar gibt es eine Stelle, an der der Protagonist als Kind einen See kartiert. Mit eigenen Mitteln, aus eigener Anschauung. Diese Stelle hat mich nicht losgelassen.
Vor Satelliten und Luftbildern kannte man Gelände nur von unten. Man ist es abgegangen, hat gezählt, geschätzt, gezeichnet. Die Karte war kein Abbild — sie war eine Behauptung über den Raum, gefiltert durch den eigenen Körper.
Das möchte ich ausprobieren, zunächst im Gelände das ich glaube zu kennen.

Was man braucht

Klemmbrett, kariertes oder Punktraster-Papier, Bleistift, Radiergummi, ein einfacher Kompass. Das war es im Wesentlichen auch früher.

Wie es geht

Zuerst die Schritte messen: wie viele eigene Schritte entsprechen zehn Metern? Das ist der persönliche Maßstab — meiner ist ein anderer als der meiner Tochter. Schon das ist ein Befund.

Dann einen Maßstab festlegen: ein Kästchen auf dem Papier entspricht zehn Schritten. Gelände ablaufen, zählen, übertragen.

Für Hügel — wir leben im Endmoränengebiet, davon haben wir reichlich — hilft die Fallinie: kurze Striche, die vom höchsten Punkt wegzeigen, in die Richtung in der Wasser abläuft. Den Körper weiß das beim Gehen bereits.

Symbole erfindet man selbst. Was man braucht, kommt in die Legende am Rand. Nicht weniger legitim als jede historische Karte, die ihre eigene Zeichensprache mitgebracht hat.

Was dabei passiert

Das bekannte Gelände wird fremd, sobald man anfängt es zu messen. Und Dinge ohne Namen brauchen Namen. Dieser Hügel, jener Baum, die Senke dahinter. Frühe Kartographen haben das auch so gemacht.

Ob das funktioniert — ob ich etwas übersehen habe — werde ich berichten. Wer Erfahrungen damit hat oder selbst neugierig geworden ist: ich freue mich über Rückmeldung.

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