Schweigt der Menschen laute Lust:
Rauscht die Erde wie in Träumen
Wunderbar mit allen Bäumen,
Was dem Herzen kaum bewußt,
Alte Zeiten, linde Trauer,
Und es schweifen leise Schauer
Wetterleuchtend durch die Brust.
Versuch einer Interpretation|Josef von Eichendorff thematisiert hier die Verschmelzung von Natur und innerem Erleben.
Stille vs. Naturklang: Die „laute Lust“ der Menschen verstummt, während die Natur („Erde“, „Bäume“) lebendig wird und ein rauschendes, träumerisches Eigenleben entfaltet. Dies deutet auf eine kritische Haltung zur weltlichen Hektik hin; erst in der Stille öffnet sich der Raum für seelische Tiefe.
Erinnerung und Melancholie: Die „alten Zeiten“ und „linde Trauer“ verweisen auf eine sehnsuchtsvolle Rückbesinnung – nicht schmerzhaft, sondern sanft, fast tröstlich. Die Natur wird zum Spiegel unausgesprochener Gefühle („kaum bewusst“).
Emotionen als Naturgewalt: Die „leise Schauer“ gleichen einem „Wetterleuchten“ – ein Bild für plötzliche, flüchtige Gefühlsblitze (Liebe, Sehnsucht, Angst), die die Seele kurz erhellen, aber nicht greifbar sind.
Typisch für Eichendorff ist die magische Durchdringung von Außenwelt und Innenwelt: Die Natur ist nicht nur Kulisse, sondern aktiver Mittler zwischen Vergangenem und Gegenwärtigem, Bewusstem und Unterbewusstem.
Moderne Übertragung – Eine Übung
Wenn der laute Trubel der Menschen verstummt,
rauscht die Erde wie in einem Traum,
wunderbar mit all ihren Bäumen.
Dann spürt das Herz – kaum bewusst –
die alten Zeiten, eine sanfte Traurigkeit,
und leise Schauer ziehen hindurch,
wie ein fernes Wetterleuchten.
Die laute Freude der Menschen verstummt –
Die Erde raunt wie im Traum,
Zauberhaft mit jedem Baum,
Was das Herz kaum ahnt, kaum fühlt:
Alte Tage, sanftes Weh,
Und es zieht ein leis‘ Geschehn,
Wie ein Blitzen durch die Seele.
Anmerkungen zur heutigen Sprache
Die Übertragung behält die bildhafte Kernaussage bei, löst sich aber vom strengen Rhythmus und veralteten Wendungen (z. B. „Schweifen leise Schauer“ → „zieht ein leis‘ Geschehn“). Begriffe wie „Wetterleuchten“ werden zu „Blitzen“ vereinfacht, um die elektrisierende, flüchtige Emotion klarer zu vermitteln. „Seele“ ersetzt „Brust“ für eine direktere Lesart.
Mir fällt es schwer, mich auf diesen Rhythmus einzulassen. Zunächst versuche ich, das Gedicht in heutige Sprache zu übersetzen; einen Türöffner zu finden. Dann drifte ich ab und mir fällt eine kurze Erzählung dazu ein, die mich zu einem weiteren Gedicht; eher Liedtext führt;als harter sprachlicher Kontrast. Und so kommt eins zum nächsten. Was lese ich noch von Eichendorff? Etwas längeres? > Die Erzählung.
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