Kategorie: LektüreNotizen

Inspiriert von der Praxis des Lesetagebuchs, nutze ich unterschiedliche Formen, um diesen Prozess abzubilden: Skizzen verorten plötzliche Einsichten, Töne halten die Stimmung einer Passage fest, Filme fangen Bewegung ein, wo Worte erstarrten. Form follows function – denn nur so lässt sich erfassen, was beim Lesen geschieht: ein Dialog, der nicht endet.

  • LektüreNotizen

    LektüreNotizen

    Lesezeit:

    2–3 Minuten

    Lesen als Kartieren von Gelände | Lesen ist für mich kein lineares Voranschreiten, sondern ein Vermessen von Gelände. Meine Notizen – über Jahre hinweg entstanden, fragmentarisch, oft assoziativ – sind keine Protokolle, sondern Landkarten im Werden. Sie halten fest, wie sich Texte verzweigen: in Schluchten unerwarteter Bezüge, über Hügelkämme von Genres hinweg, durch Wälder, in…

  • Gedicht hinter Glas

    Gedicht hinter Glas

    Lesezeit:

    2–3 Minuten

    Günter Herburger „Unter Glas“ | Manche Gedichte geben einem unmittelbar das Gefühl, einen Zugang zu haben. Dieses gehört nicht dazu. Beim ersten Lesen bleibt vor allem der Vater hängen, den man auf dem Dach „in den leeren Kanister gesperrt“ hat, „behaftet von Würmern, die waagerecht abstanden“. Man versucht, das aufzuschließen. Das Gedicht bleibt makaber, ohne…

  • Annie Dillard – Einen Stein zum Sprechen bringen

    Annie Dillard – Einen Stein zum Sprechen bringen

    Lesezeit:

    1–2 Minuten

    Seit Wochen nehme ich ihn wahr. Hunderunde im Winter, die Megalithgräber im Rücken, und am Wegesrand liegt er — ein Fels im Kleinformat, mehrere Kilo schwer, verdreckt. Ich gehe vorbei. Immer wieder. Aber er fällt mir auf, jedes Mal. Dann eines Tages bleibe ich stehen. Es kribbelt im Bauch. Ich gehe hin, fasse ihn an…

  • Ankunft. Elisabeth Wesuls.

    Ankunft. Elisabeth Wesuls.

    Lesezeit:

    1–2 Minuten

    Ich habe das Gedicht gelesen. Immer wieder. Und immer wieder hat es mich woanders hingeschickt. Ich bin gegangen. Wiedergekommen. Elisabeth Wesuls | Ankunft: Eine Frau kehrt nach Jahren in ein verfallenes Haus zurück. Findet Schaden. Entdeckt Leerstellen. Richtet sich neu ein. Nachts kriecht etwas vom Keller herauf. Der erste Absatz begegnet mir körperlich. Schwarzschlündig die…

  • Roswitha Quadflieg – Ihr wart doch meine Feinde

    Roswitha Quadflieg – Ihr wart doch meine Feinde

    Lesezeit:

    5–8 Minuten

    Dieser Roman von Roswitha Quadflieg erschien 2022 im Faber & Faber Verlag und ist als Kammerspiel angelegt: Fast die gesamte Handlung konzentriert sich auf einen Leichenschmaus nach der Beerdigung einer ehemaligen inoffiziellen Mitarbeiterin der Staatssicherheit der DDR. Im Zentrum steht die verstorbene Gabriele Holm, deren Vergangenheit als Stasi-Informantin während der Trauerfeier offengelegt wird. Eingeladene und…

  • In Resonanz gehen. Ein Versuch.

    In Resonanz gehen. Ein Versuch.

    Lesezeit:

    2–3 Minuten

    Walter Benjamin schreibt, jede Leidenschaft grenze an Chaos, das sammlerische aber an das der Erinnerungen. Ich habe lange nicht gewusst, was das bedeutet. Inzwischen glaube ich, ich kenne es — nicht weil ich es verstanden habe, sondern weil ich es erkenne. Im Schieringer Forst, nicht weit von Hünengräbern aus der Trichterbecherzeit, lag ein Stein. Ich…

  • Walter Benjamin – Ich packe meine Bibliothek aus

    Walter Benjamin – Ich packe meine Bibliothek aus

    Lesezeit:

    13–20 Minuten

    Eine Rede über das Sammeln  Ich packe meine Bibliothek aus. Ja. Sie steht also noch nicht auf den Regalen, die leise Langeweile der Ordnung umwittert sie noch nicht. Ich kann auch nicht an ihren Reihen entlang schreiten, um im Beisein freundlicher Hörer ihnen die Parade abzunehmen. Das alles haben Sie nicht zu befürchten. Ich muß…

  • ich kann gedichte nicht ausstehen.

    ich kann gedichte nicht ausstehen.

    Lesezeit:

    1–2 Minuten

    ich bin im wald, stehe vor einem innerwald. nach einer intensiven forsternte bildeten sich so viele junge bäume, dass — von außen betrachtet — ein wald im wald entstanden ist. die bäumchen scheinen sich gegenseitig licht und raum zu nehmen, alles grau, trocken und dunkel. es gilt sich zu konzentrieren, denn hier geht es durch,…

  • Seume – Müller – Delius

    Seume – Müller – Delius

    Lesezeit:

    2–3 Minuten

    Ich habe das Buch gelesen. F.C. Delius, Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus. Eine Erzählung, die gut läuft, linear, klar. Und trotzdem blieb etwas hängen – ein leises Unbehagen, das ich lange nicht greifen konnte. Der Umweg kam über einen Podcast. Jan Josef Liefers, aufgewachsen in Dresden, sagt sinngemäß: Wer in der DDR groß geworden…

  • Ob Irgendwas

    Ob Irgendwas

    Lesezeit:

    1–2 Minuten

    Von Holzarbeitern stehengelassen verharrt ein Baumrest auf der Lichtung. Wir begegnen uns auf Augenhöhe. Der Blick vom Moos in Schulterhöhe hin zu den Verwerfungen — ein Gesicht, das bekannt erscheint. Blicke in alle Richtungen. Ob ein Tier. Ob irgendetwas. Dieses langsame holzene Zurechtrücken im Dunkeln. Weitere Lyrik

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