Kategorie: Textillustration

  • Ein Zimmer für sich allein

    Ein Zimmer für sich allein

    Eine Begegnung mit Virginia Woolf über Umwege – Ausgangspunkt: Eine Lithographie von Wolfgang Mattheuer

    Manchmal führen merkwürdige Wege zu einem Text. In meinem Fall begann es mit einer Lithographie des DDR-Künstlers Wolfgang Mattheuer in dem Band „Äußerungen“. Zu finden ist der Druck vor dem ersten Texteintrag, trägt den Titel „Abendliches Studium“ und stammt aus dem Jahr 1958. Die Darstellung ist schlicht: Eine Frau sitzt an einem Tisch und blättert in einem Buch – so jedenfalls sehe ich es.

    Über diese Druckgraphik selbst habe ich bisher nichts weiter herausfinden können. Was hatte er im Sinn, als er diese Szene schuf? Welche Bedeutung sollte das abendliche Studium dieser Frau haben – in der DDR der späten 1950er Jahre, in einer Zeit des Aufbaus, der ideologischen Auseinandersetzungen, der neuen gesellschaftlichen Rollen?

    Ich weiß es nicht. Und gerade weil mir der ursprüngliche Kontext verborgen bleibt, erlaube ich mir, frei zu assoziieren.

    Der Sprung zu Virginia Woolf

    Von dieser lesenden, studierenden Frau war es gedanklich nicht weit zu Virginia Woolfs berühmtem Essay „Ein Zimmer für sich allein“ von 1929. Woolf stellt darin eine ebenso einfache wie radikale Forderung auf: Eine Frau brauche Geld und ein eigenes Zimmer, wenn sie schreiben wolle. Es geht ihr um die materiellen Voraussetzungen geistiger Arbeit, um Raum, Zeit und ökonomische Unabhängigkeit.

    In Mattheuers Lithographie sitzt eine Frau für sich, vertieft in ein Buch. Sie hat offenbar diesen Moment für sich – einen Raum, eine Abendstunde, die Möglichkeit zu studieren. Natürlich hinkt der Vergleich: Mattheuer arbeitete in einem völlig anderen historischen und politischen Kontext als Woolf. Die DDR proklamierte die Gleichberechtigung der Frau, förderte Bildung und Berufstätigkeit von Frauen – wenn auch unter anderen Vorzeichen als die feministische Bewegung im Westen. Trotzdem bleibt die Frage: Hatte diese Frau wirklich ein „eigenes Zimmer“ im Woolfschen Sinne? Oder war es ein Studium im Dienst anderer Ziele, eingebettet in kollektive Strukturen?

    Ich maße mir keine Antwort an. Aber die Lithographie hat mich zu Woolfs Text geführt.

    Eine Lesung in Lüneburg

    Parallel zu meiner Beschäftigung mit Woolfs Essay erinnerte ich mich an eine Lesung mit Antje Rávik Strubel im Literaturhaus Lüneburg. Strubel, selbst Schriftstellerin und mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet, erzählte damals von ihrer Arbeit an Woolf-Texten. Es war das erste Mal, dass ich davon hörte – dass sie 2019 „Ein Zimmer für sich allein“ neu ins Deutsche übersetzt hatte, erschienen beim Kampa Verlag.

    Strubel sprach darüber, wie sie versuchte, Woolfs Ton zu treffen: die Leichtigkeit, den Witz, die Ironie, mit der Woolf patriarchale Strukturen unterläuft. Woolf schreibt keineswegs trocken oder akademisch, sondern literarisch, mit Eleganz und Raffinesse. Ältere Übersetzungen hatten diese Qualität teilweise verloren, waren zu ernst, zu bildungsbürgerlich geworden. Strubel wollte den Text als das lesbar machen, was er ist: ein Essay, der zugleich Kunstwerk ist.

    Diese Lesung hatte sich mir eingeprägt, ohne dass ich damals schon den Essay selbst gelesen hätte. Nun, beim Nachdenken über Mattheuers Lithographie, fiel sie mir wieder ein.

    Freie Assoziationen

    Ich bin mir bewusst, dass Wolfgang Mattheuer 1958 wahrscheinlich etwas ganz anderes im Sinn hatte, als er seine Lithographie schuf. Vielleicht ging es um Bildung im sozialistischen Staat, um den neuen Menschen, um die arbeitende Frau, die sich weiterbildet. Vielleicht war es eine ganz persönliche Szene ohne programmatischen Anspruch. Vielleicht etwas Drittes.

    Da mir dieser ursprüngliche Zusammenhang bisher verborgen geblieben ist, nehme ich mir die Freiheit, das Bild in einen anderen Kontext zu stellen: in den von Woolfs Essay. Die lesende, studierende Frau am Tisch – hat sie ein Zimmer für sich allein? Hat sie Zeit, die ihr gehört? Welche Bücher liest sie, und für wen oder für was liest sie?

    Diese Fragen stellte Woolf 1929. Sie stellen sich noch heute. Und sie stellten sich vermutlich auch 1958 in der DDR, wenn auch unter völlig anderen Bedingungen und mit anderen Antworten.

    Drei Fäden zusammengeführt

    So sind drei Stränge zusammengekommen: eine Lithographie aus der frühen DDR, ein feministischer Essay aus dem England der Zwischenkriegszeit und eine zeitgenössische Neuübersetzung, vorgestellt in einer Lesung in Norddeutschland. Sie gehören nicht natürlicherweise zusammen. Aber manchmal entstehen gerade aus solchen zufälligen Verbindungen interessante Gedanken.

    Mattheuers „Abendliches Studium“ zeigt eine Frau mit einem Buch. Virginia Woolf fragt danach, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit Frauen nicht nur lesen, sondern auch schreiben können. Antje Rávik Strubel hat diese Frage ins Heute übersetzt – sprachlich und inhaltlich. Und ich betrachte ein altes Bild und denke über Räume nach, über Zeit, über die Möglichkeit, für sich zu sein.

    Was Mattheuer wirklich sagen wollte, weiß ich nicht. Aber sein Bild hat mich auf einen Weg gebracht, der zu Woolf führte. Und das ist vielleicht mehr, als man von einer Lithographie erwarten kann. – Randbemerkung: Eine Reproduktion des Bildes ist mir bisher nur im genannten Band ‚Äußerungen‘ begegnet, nicht aber frei zugänglich im Internet.

    Bibliografische Angaben „meiner“ Ausgabe
    Ein Zimmer für sich allein
    Virginia Woolf | Antje Rávik Strubel Übersetzung
    ISBN 978-3-311-22003-9
    Kampa Verlag
    Reihe Gatsby
    Erschienen 2019
    192 Seiten

    • Annette Hagemann – MEINE ERBSCHAFT IST DIESE

      Annette Hagemann – MEINE ERBSCHAFT IST DIESE

      Annette Hagemanns Gedicht „MEINE ERBSCHAFT IST DIESE“ setzt sich behutsam mit dem ambivalenten Erbe familialer Prägung auseinander. Die scheinbar willkürlichen Relikte, die das lyrische Ich von den Eltern übernimmt – die spezifische Röte der Wangen der Mutter, eine deformierte Jazzplatte aus New York, ein unscheinbarer Koi des Vaters –, erscheinen zunächst als marginale Alltagsfragmente. Doch…

    • Widerstand gegen Femizide: Von historischen Gegenstimmen zu aktuellen Bewegungen

      Widerstand gegen Femizide: Von historischen Gegenstimmen zu aktuellen Bewegungen

      Ein erster – zugegeben oberflächlicher – Überblick. Ausgangspunkt ist das Gedicht BECKENENDLAGE von Kathrin Niemela. Drekkingarhylur, Island Zwischen 1618-1749 wurden mindestens 18 Frauen im Drekkingarhylur (Ertränkungsbecken) in Þingvellir hingerichtet. Während Frauen das Ertrinken erwartete, wurden Männer für ähnliche Verbrechen enthauptet – ein deutlicher Hinweis auf geschlechtsspezifische Bestrafung. Frauen wurden wegen Ehebruch oder unehelicher Kinder angeklagt,…

    • David Szalays „Was ein Mann ist“

      David Szalays „Was ein Mann ist“

      David Szalay erzählt von Männern in der Krise – und vom Menschsein selbst | In neun Geschichten begleitet der britisch-kanadische Autor David Szalay (*1974) Männer durch Europa und durchs Leben. Sein für den Booker Prize 2016 nominiertes Buch „Was ein Mann ist“ beginnt bei einem siebzehnjährigen Rucksacktouristen auf Zypern und endet bei einem sterbenden Millionär…

  • Jörn Peter Budesheim

    Jörn Peter Budesheim

    In der WORTSCHAU 43 bin ich auf Arbeiten von Jörn Peter Budesheim gestoßen. Besonders auffällig ist dabei, wie er in seinen Zeichnungen mit verschiedenen Ebenen arbeitet. Sie erschließen sich nicht sofort, sondern fordern dazu auf, gelesen zu werden – Schicht für Schicht. Und das passt gut zu diesen Gedichten.

    1960 in Marburg geboren, arbeitete Budesheim zunächst als freier Maler und studierte Freie Kunst und Malerei bei Rolf Lobeck an der Kunsthochschule Kassel. Kurz nach seinem Abschluss erhielt er als einer der ersten den Kulturpreis der Stadt Kassel. Von 2016 bis 2022 war er im Vorstand des documenta-Forums. Er ist Mitglied der Produzentengalerie Kunstbalkon in Kassel, in der er gemeinsam mit weiteren Künstlern Ausstellungen regionaler und überregionaler Positionen organisiert. Seit 2019 arbeitet er im Team des Hugenottenhauses, einem Ausstellungsort in Kassel.

    Über seine künstlerische Arbeit sagt Jörn Peter Budesheim selbst:

    Titelbild: Zwei Illustrationen aus der WORTSCHAU 43 – Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers Jörn Peter Budesheim.

    Quellen:

    Wikipedia: Jörn Peter Budesheim
    Kunstbalkon Kassel: Sieben Fragen an Jörn Budesheim
    Google Sites: Vita und Werk Budesheim
    Eulengasse Frankfurt: Künstlerseite Budesheim
    ZKM Karlsruhe: Wanzke/Steger/Budesheim-Projekt
    Wingedmoon: Budesheim im Kontext „Naturkunde“
    Die Webseiten des Künstlers: https://sites.google.com/view/budesheim/2025?authuser=0 und
    https://joern-budesheim.blogspot.com
    https://wortschau.com/produkt/wortschau-nr-43

  • Manfred Butzmann

    Manfred Butzmann

    Frühes Leben und künstlerische Prägung (1942–1969) | Manfred Butzmann wurde am 14. September 1942 im Potsdamer Stadtteil Bornim als Sohn eines Gärtners geboren. Sein Leben war früh von Verlust geprägt: Sein Vater fiel 1945 im Volkssturm, woraufhin Butzmann bei Verwandten auf einem Bauernhof in Eutzsch (Sachsen-Anhalt) aufwuchs. 1955 holte ihn seine Mutter zurück nach Potsdam, wo er 1961 das Abitur ablegte und bereits Zeichenunterricht erhielt – die frühe Weichenstellung für seine künstlerische Laufbahn .

    Von 1961 bis 1964 absolvierte er eine handwerkliche Ausbildung zum Offsetretuscheur in Berlin und Potsdam, ein Handwerk, das seine spätere Präzision in der Grafik entscheidend beeinflusste. Parallel arbeitete er im Malzirkel des expressionistischen Künstlers Magnus Zeller in Caputh, wo erste Werke entstanden, die bereits 1969 im DDR-Standardwerk Graphikspiegel publiziert wurden . Sein Studium der Grafik an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee (1964–1969) bei den prägenden Lehrern Arno Mohr, Werner Klemke und Klaus Wittkugel formte seine ästhetische Haltung: eine Synthese aus technischer Meisterschaft und sozialem Engagement .

    Künstlerische Entwicklung und politische Konfrontation (1970–1989) | Nach dem Studium arbeitete Butzmann ab 1970 freischaffend, zunächst als Buchillustrator für Verlage wie Volk und Welt und den Kinderbuchverlag Berlin. Seine Illustrationen zu Werken von Maxim Gorki, Nikos Kazantzakis und Iwan Turgenjew zeigen seine literarische Sensibilität . Als Meisterschüler an der Akademie der Künste (1973–1977) bei Werner Klemke vertiefte er seine grafische Technik, doch eine Zäsur erfolgte 1976: Während des obligatorischen Reservistendienstes in der NVA entstand die Radierfolge Eindrücke – eine schonungslose Studie zur „Tristesse des Kasernenlebens“ .

    „Die Blätter dieser Folge […] enthalten im Keim, was sich danach entwickelt: das Sehen-Lehren durch Kunst.“
    Konrad Knebel in der Laudatio zum Käthe-Kollwitz-Preis

    Ab 1977 erweiterte er sein Repertoire um Fotoplakate, Postkarten und vor allem Abreibungen (Frottagen). Letztere wurden zu seinem Markenzeichen: Mit Kreide oder Graphit rieb er Oberflächen historischer Berliner Haustüren, Grabsteine und Pflastersteine ab, um deren Verwitterungsspuren als „konservierte Vergänglichkeit“ festzuhalten. Diese Technik, inspiriert von Fritz Panndorf, nutzte er als archäologische Methode gegen das Verdrängen von Geschichte .

    Manfred Butzmannbeim Abreiben am Klufelsen. - Foto: Jakob Hinz
    Manfred Butzmann beim Abreiben am Klufelsen. – Foto: Jakob Hinz

    Seine politischen Arbeiten brachten ihn in Konflikt mit der DDR-Führung. Zyklen wie Steinernes Berlin (1987) oder Grenzmauer (1981) dokumentierten urbanen Verfall und politische Grenzen, was zu Ausstellungsverboten führte. Als Aktivist der kirchlichen Friedensbewegung engagierte er sich ab 1989 im Untersuchungsausschuss zu polizeilichen Übergriffen vom 7./8. Oktober 1989 in Berlin .

    Die Abreibungen: Archiv des Verschwindens

    Butzmanns Frottagen sind mehr als künstlerische Technik – sie sind ein politisches Archiv. Seine Abreibungen von zerstörten Berliner Hausfluren oder jüdischen Grabsteinen bewahren Erinnerungen an Orte, die dem Abriss oder der Vernachlässigung ausgesetzt waren. Projekte wie Butzmanns Heimatkunde in 24 Abteilungen (1992) kompilierten diese Arbeiten zu einer „Topografie des Verlusts“. Knebel beschrieb in der Kollwitz-Preis-Laudatio treffend:

    „Es geht um Verluste […]. Wir werden dazu gebracht, vor uns selbst zu erschrecken.“

    Sein dokumentarischer Ansatz zeigt sich auch in Serien wie Pankower Dächer (1993, Radierung/Aquatinta), die alltägliche Stadträume in melancholische Denkmale verwandeln . Die Abreibungen fungieren als „Widerhaken gegen das Vergessen“ – eine künstlerische Praxis, die er bis heute fortsetzt .

    Nach der Wende: Mahner und Chronist (1990–heute) | Nach 1989 blieb Butzmann der kritischen Haltung treu. Sein Plakat für die ersten freien DDR-Wahlen am 18. März 1990 wurde zur Ikone des Aufbruchs . 1991 erhielt er den Käthe-Kollwitz-Preis der Akademie der Künste, wobei die Jury seine „moralisch-ethische Grundhaltung“ würdigte – ein Beleg für sein Lebensmotto: „In seiner Zeit wirken“ wie Kollwitz .

    In den 1990er-Jahren weitete er sein ökologisches Engagement aus: Die Reihe Heimatkunde (1992) thematisierte bereits den Klimawandel als Bedrohung lokaler Identität. Projekte wie die Bilderchronik der Parkstraße 36 (2001) dokumentierten das Verschwinden seines eigenen Wohnhauses in Berlin-Pankow – ein Musterbeispiel für seine Verbindung von Kunst und Aktivismus .

    Spätwerk und Vermächtnis (seit 2007) | Seit 2007 lebt Butzmann wieder in seinem Geburtsort Potsdam-Bornim. Seine späten Ausstellungen (z. B. 2013 im Potsdamer Militärwaisenhaus, 2014 in Schwerin) reflektieren Brandenburgs Landschaften als „verletzte Heimat“ . 2020 erhielt er den Brandenburgischen Kunstpreis (Ehrenpreis für das Lebenswerk) – eine Anerkennung seines „beharrlichen Blicks auf die Wunden der Zeit“ .

    Butzmann äußert sich selten theoretisch über seine Arbeit, doch Knebels Laudatio fasst sie prägnant zusammen:

    „Bei ihm gibt es keine Trennung zwischen Arbeit und Engagement. […] Seine Kunst zeigt, woran wir uns gewöhnt haben, ohne zu stolpern.“

    Sein Credo lautet: Kunst soll „sehen lehren„. Dies belegt etwa die Fotoplakatserie Mosaiken in Pankow 1978–1980 (1980), die alltägliche Stadtszenen so montiert, dass ihre Widersprüche sichtbar werden .

    Werkverzeichnis (Auszug)

    MediumWerke (Jahr)Sammlung/Bedeutung
    RadierungenEindrücke (1976)Kritik am Militärapparat
    AbreibungenJüdischer Friedhof (1981)Dokumentation verfallener Denkmale
    FotoplakateKein Platz für Bäume (1985)Ökologische Mahnung
    AquarelleSteinernes Berlin (1987)Urbaner Verfall in Berlin
    PlakateWahlplakat 18. März 1990Symbol der friedlichen Revolution

    Manfred Butzmanns Werk ist ein Kompendium des Übersehenen – ob in DDR-Hinterhöfen oder neoliberalen Stadtumbauten. Seine Abreibungen bewahren, was Machthaber und Investoren tilgen wollten. Mit dem Bundesverdienstkreuz (1993) und der Ferdinand-von-Quast-Medaille (1999) wurde er zum offiziellen Chronisten ernannt, doch er bleibt ein Unbequemer: „Seine Arbeiten haben immer Widerhaken“, wie die Akademie der Künste betont . Heute, mit 82 Jahren, arbeitet er in Potsdam weiter an seiner „Heimatkunde“ – als Mahner, dass Zerstörung nie Schlusspunkt, sondern immer Auftakt zur Erinnerung ist.

    „All das, was man heute leicht verharmlosend Wende nennt […] war das Werk von Menschen wie Manfred Butzmann.“
    Akademie der Künste, 1991

    Manfred Butzmann hat zahlreiche Bücher und Texte illustriert, vorwiegend im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur sowie literarischer Klassiker. Seine Illustrationstätigkeit war besonders zwischen den 1970er und 1990er Jahren eng mit dem Kinderbuchverlag Berlin (DDR) verbunden.

    Illustrierte Werke (Auswahl):

    „Mumu und andere Erzählungen“ (Iwan Turgenjew, 1981)
    Gebundene Ausgabe mit Butzmanns Illustrationen, erschienen im Kinderbuchverlag Berlin.
    Format: 22 × 15 cm; Darstellung: Sozialkritische Szenen des russischen Landlebens im grafischen Stil.

    „Der gute Stern des Janusz K.“ (Gisela Karau, 1972)
    Taschenbuch-Ausgabe; Butzmann visualisiert die Geschichte über Freundschaft und Migration.
    Eines seiner frühen Werke für den Kinderbuchverlag.

    Reihe mit Reinhard Bernhof (1973–1988)
    Mehrere Kinderbücher, darunter:

    „Geschichten vom Hühnchen und vom Hähnchen“ (1973, Hardcover).
    „Der Vogel im Baum“ (1976, ISBN 3358004619).
    Charakteristisch: Reduzierte Linienführung, betont narrative Bildkompositionen.

    Werke von Maxim Gorki (ca. 1970er Jahre)
    Illustrationen für Gorkis Erzählungen im Kinderbuchverlag (Hardcover-Ausgaben).

    „Kontraste/Synthesen“ (Umweltkunst-Projekt, 1999)
    Mit Jörg Sperling; thematisierte Landschaftsveränderungen und Ökologie (Taschenbuch, ISBN 3928696661) 8.

    Gestalterische Handschrift

    Technik: Kombination von Radierungen, Lithografien und Holzschnitten – oft in reduzierter, expressiver Form.

    Themen: Sozialkritische und humanistische Motive, z. B.:
    Alltagsszenen (z. B. „Männer im Gespräch“, Ätzradierung).
    Natur- und Tierdarstellungen (z. B. „Grasende Ziege“, Holzschnitt).
    Politische Subtilität: In Kinderbüchern nutzte er metaphorische Bilder, um gesellschaftliche Werte zu vermitteln – etwa Solidarität in „Der gute Stern des Janusz K.“.

    Künstlerbücher und Eigenpublikationen
    Butzmann gestaltete auch autonome Künstlerpublikationen, oft in Kleinauflagen:

    „Heimatkunde. Steinabreibungen vom Klusfelsen“ (ca. 1995):
    Selbstverlegtes Buch mit 8 Seiten Frottagen von Felsstrukturen als ökologisches Statement.
    „Grenzgebiet“ (1996):
    Reflexion über urbane Grenzräume in Berlin; enthält Offsetlithografien.

    In einem Text für Martin Hoffmann (1996) betont Butzmann die Verbindung von Inhalt und Form:

    „Selten habe ich jemand getroffen, der so viel Wert auf den Inhalt seiner Arbeit legt, der sich fast jede spielerische Kunstfertigkeit verbietet.“
    Manfred Butzmann, Reflexe aus Papier und Schatten (1996) 11.

    Diese Aussage spiegelt seinen eigenen Ansatz: Illustration als engagierte Kunst, nicht als dekorative Zugabe.

    Manfred Butzmann verstarb am 04.01.2026 in Berlin.

    Quellen:

    Akademie der Künste Berlin (Hrsg.):
    Manfred Butzmann. Plakate, Abreibungen, Bücher. (Ausstellungskatalog), Berlin 1991.
    → Enthält Werkabbildungen, Butzmann-Zitate und den vollständigen Text der Laudatio von Konrad Knebel zum Käthe-Kollwitz-Preis 1991.

    Knebel, Konrad:
    Laudatio auf Manfred Butzmann zur Verleihung des Käthe-Kollwitz-Preises 1991. (Archiv der Akademie der Künste, Berlin).
    → Grundlage für Butzmanns künstlerisches Credo („sehen lehren“) und Interpretation der Abreibungen als „Widerhaken gegen das Vergessen“.

    Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung (Hrsg.):
    Manfred Butzmann. Abreibungen – Zeichnungen. (Katalog zur Ausstellung im Potsdamer Landtag), Potsdam 2014.
    → Dokumentiert Schwerpunkt auf Frottagen, inkl. Werkreihen wie „Jüdischer Friedhof“ und technischer Erläuterungen.

    Stadtmuseum Berlin / Museum Pankow (Hrsg.):
    Manfred Butzmann: Pankower Dächer – Druckgrafik 1993. (Ausstellungsdokumentation), Berlin 2013.
    → Analysiert die Radierfolge als Beispiel für Butzmanns „Melancholie des Alltäglichen“.

    Endlich, Stefanie / Lutz, Thomas:
    „Kunst als Erinnerungsarbeit: Manfred Butzmanns Abreibungen jüdischer Grabsteine“. In: Gedenkstättenrundbrief, Nr. 189, 2017, S. 14–22.
    → Belegt die politisch-dokumentarische Dimension der Frottagen.


    Der Morgen (Zeitung, DDR): Rezension zur Ausstellung „Steinernes Berlin“ (1987), zitiert in: Butzmann. Plakate… (s.o.).

    taz – die tageszeitung: „Der Abreißer. Manfred Butzmann erhält den Brandenburgischen Kunstpreis“, 17.10.2020.

    Katalog: Manfred Butzmann – Heimatkunde in 24 Abteilungen. Galerie am Prater, Berlin 1992.

    Dokumentation: Ferdinand-von-Quast-Medaille 1999 – Begründung der Jury. (Landesdenkmalamt Berlin).

    https://manfred-butzmann.gesucht-im-netz.de

    Eine umfassende wissenschaftliche Monografie zu Butzmann existiert bislang nicht. Die profundesten Quellen sind:
    Primär: Die Kataloge seiner Ausstellungen (bes. Akademie der Künste 1991 + Potsdam 2014),
    Sekundär: Die Laudatio von Konrad Knebel (1991), die oft zitiert wird und Butzmanns Selbstverständnis spiegelt.

  • Karen Roßki

    Karen Roßki

    Zwischen Abstraktion und Naturverbundenheit | Karen Roßki (*1965 in Dresden) ist eine in Dresden lebende und arbeitende Künstlerin, deren Werk sich durch großformatige Gemälde in Öl, Pigmenten und verschiedenen Zeichentechniken sowie Objektkunst auszeichnet. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen abstrakter Landschaftsdarstellung und einer organisch anmutenden Formensprache, die durch intensive Farbkompositionen Naturphänomene aufgreift.

    Karen Roßki – Bleistiftzeichnung S.5 – Das Zündblättchen 21 mit Ille Chamier (Gedichte)
    Karen Roßki – Bleistiftzeichnung S.13 – Das Zündblättchen 21 mit Ille Chamier (Gedichte)

    Künstlerischer Ansatz und Themen

    Roßkis Kunst entsteht aus einer tiefen Beobachtung der Natur. Sie erfasst Strukturen, Farben und Stimmungen in Landschaften und überführt diese Eindrücke in abstrahierte Bilder. Dazu sammelt sie nach eigener Aussage „Momente, Bewegungen, Begegnungen, Zustände und Abfolgen“, die auf der Leinwand in „neuen Gebilden“ erscheinen. Hierbei verweben sich Linien, Farben und Materialien zu „eigenständigen Gefügen“. Roßki beschreibt ihren Prozess als eine tiefe Aufnahme der Natur: „Es sind viele landschaftliche Erinnerungen, ich gehe gerne in die Natur. Aber ich mache dort keine Skizzen oder Fotografien. Aber ich nehme natürlich dennoch viel auf und trage die Bilder in mir.“ Die resultierenden Werke sind keine direkten Abbildungen, sondern Kompositionen aus Gedankensplittern. Titel wie „Schweben“, „Ferne“, „Sommertag“, „Urkraft“ oder „Inneres Leuchten“ verdeutlichen, wie ihre abstrakten Arbeiten Naturstimmungen – wie Himmel, Energie und Licht – visualisieren.

    „Häufig und gern bin ich im Freien; bewege ich mich durch die Landschaft und die Wälder. Vieles von dem, was ich unterwegs erlebe, berührt mich nachhaltig. Ich nehme Strukturen, Farben, Düfte, Geräusche auf und erlebe Massen und Kräfte, die in der Natur aufeinander treffen. Einige dieser Eindrücke beeinflussen mich in meiner Arbeit und fließen in meine Bilder ein.“ – Zu ihrer Ausstellung im Restaurant „Kastenmeiers im Taschenbergpalais“ – Juni 2020. Quelle: meinwortgarten– siehe unten

    Ausbildung und Stipendien

    Nach einer Facharbeiterausbildung zur Schrift- und Grafikmalerin (1983–1985) studierte Karen Roßki von 1990 bis 1995 Malerei/Grafik an der Hochschule Burg Giebichenstein in Halle und schloss mit Diplom ab. Von 1995 bis 1997 war sie Meisterschülerin bei Prof. Inge Götze. Seit 1999 ist sie als freischaffende Malerin und Grafikerin tätig und Mitglied des Künstlerbundes.

    Sie erhielt zahlreiche Stipendien, darunter vom Kultusministerium Sachsen-Anhalt, der Denkmalschmiede Höfgen, dem Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf, der Stiftung Kulturfonds und dem Röderhof Harz. Hinzu kommen Auslandsstipendien, beispielsweise in Mazedonien. Karen Roßki hatte zudem Lehraufträge an der HTW Dresden, unter anderem für Grundlagen der Gestaltung und Freihandzeichnen. Ihre Werke sind in öffentlichen Sammlungen vertreten, darunter im Landtag Sachsen-Anhalt und der Stadtsparkasse Magdeburg.

    Projekte und Ausstellungen

    Eine bemerkenswerte Ausstellung war „Frühstück im Freien“ (Juni–Juli 2020) in der Galerie im Restaurant Kastenmeiers in Dresden. Dort präsentierte sie eine Serie von 24 farbintensiven Ölgemälden auf großformatigen Leinwänden, deren organische Formen an Natur und Himmel erinnern. Diese entfalteten auf Lehmputzwänden eine besondere atmosphärische Wirkung. Zudem war sie mit einem Werk bei der Sonderausstellung „30 Jahre Künstlerbund – 60 Perspektiven“ im Dresdner Stadtmuseum vertreten.

    Aktuelle Ausstellung mit dem Titel „Zwischenzeit“ – Malerei und Grafik – 30. Juni bis 18. Oktober 2025 in der Galerie der Zentralbibliothek im Kulturpalast Dresden.

    Roßkis Kunst wirkt sinnlich und emotional, ohne dabei erzählerisch zu sein. Sie schafft Stimmungen, die Raum für persönliche Assoziationen lassen. Ihre Materialien sind sorgfältig ausgewählt, wie sie selbst betont:

    „Mit großer Sorgfalt wähle ich meine Materialien aus, die oft nicht nur Bildträger, sondern auch über ihre Funktionalität hinaus Bestandteil meiner Arbeiten sind.“

    Diese werden in ihren Zeichnungen, Gemälden und Objekten zu integralen Bestandteilen des Werkes. Die Resultate sind Arbeiten, die offen für individuelle Deutungen bleiben und gleichzeitig eine tiefe Verbundenheit zur Natur zum Ausdruck bringen.

    Ihre Bilder sind keine Abbildungen, sondern Ausdruck eines inneren Erlebens, das durch Farbe und Form eine eigene Realität schafft. Roßkis Fähigkeit, aus ihrem inneren Bildarchiv durch intuitive Beobachtung und künstlerisches Gespür berührende, farbintensive Kompositionen zu schaffen, schätze ich. Die Balance zwischen organischer Form und emotionaler Tiefe aus, wodurch ein lebendiger Dialog zwischen Natur und bildnerischer Abstraktion entsteht überzeugt.

    Randbemerkung | Dass sie für das Hygiene-Museum Dresden Audioführer eingesprochen hat – Objekte beschreibend für Menschen mit Sehbehinderung – fügt ihrem Werk eine weitere Seite hinzu: dieselbe Aufmerksamkeit für das Wahrgenommene, diesmal in Sprache gebunden. Link 1 Link 2 (Zum instagram-Account des Deutsches Hygiene-Museum Dresden)

    Quellen:
    Die Website der Künstlerin: karenrosski.de
    Zudem: singulart.com | bibo-dresden.de | meinwortgarten.com | STIPvisiten | lauda-fabrikgalerie.de

    Titelfoto via pixabay. Fotograf/Fotografin nicht benannt.

  • Polykarp Uehlein OSB

    Polykarp Uehlein OSB

    Wie ein kunstvoll komponiertes Musikstück, in dem jede Note und jeder Klang seinen Platz hat, so war das Leben von Polykarp Uehlein – ein Leben, das sich in vielen Facetten offenbarte und bis zuletzt von der Liebe zu Kunst, Musik und dem Glauben getragen wurde.

    Frühe Jahre und Weg ins Kloster
    Geboren am 15. Februar 1931 in Amorbach, im Schatten der alten Abtei, wuchs der damals noch Otto in einem lebendigen Umfeld auf. Seine Eltern – Heinrich, ein Kaufmann, der eine Kaffeerösterei und einen Kolonialwarenladen führte, und Auguste, eine engagierte Studienrätin – vermittelten ihm früh eine Wertschätzung für Kultur und Bildung. Bereits in der Volksschule und später in der Oberschule, die er in Miltenberg mit dem Abitur 1949 abschloss, entwickelte Otto den Blick für das Schöne und Geistige, der ihn ein Leben lang begleitete.

    Schon kurz nach dem Schulabschluss richtete sich sein Lebensweg auf das Geistliche: Nach zwei Semestern Theologiestudium in Würzburg trat er am 1. September 1950 in die Benediktinerabtei Münsterschwarzach ein. Wenige Tage später, am 11. September 1950, erhielt er den Klosternamen Polykarp – ein Name, der fortan sein künstlerisches und geistliches Schaffen prägen sollte. Die Ordensgelübde folgten in zeitlicher und feierlicher Form, und am 1. Juli 1956 wurde er schließlich zum Priester geweiht.

    Zwischen Unterricht, Kunst und Musik
    Ursprünglich war für ihn eine Laufbahn als Englischlehrer am hauseigenen Egbert-Gymnasium vorgesehen. Von 1957 bis 1959 verbrachte er eine Studienphase in England, um sich für den Lehrberuf zu qualifizieren. Doch während dieser Zeit entdeckte er, dass seine wahre Leidenschaft in der Malerei und der Musik lag. Zwischen 1959 und 1963 vertiefte er seine künstlerische Ausbildung am Städel in Frankfurt am Main, wo Einflüsse von Größen wie Prof. Burkhard und Georg Meistermann seinen kreativen Ausdruck nachhaltig formten.

    Künstlerische Mission in Afrika und darüber hinaus
    Das Schicksal führte Polykarp 1963 in das Missionsgebiet der Abtei Ndanda in Tansania. Dort begann er, Religionsbücher zu illustrieren und entwickelte sich zu einem wahren „Malermönch“. Über die Jahrzehnte schuf er mehr als 50 Wandmalereien, die in Kirchen, Klöstern und Krankenhäusern in Tansania, Kenia und Togo biblische Botschaften in leuchtenden Farben verkünden. Auch in Deutschland, der Schweiz und den USA prägen seine Glasfenster – wie die im Jahr 1975 für die Pfarrkirche St. Martin in Kleinrinderfeld – sakrale Räume mit Licht und Farbe. Zudem schuf er auf Leinwand und Papier zahlreiche Werke – von ernsten, abstrakten Bildern bis hin zu satirischen Zeichnungen –, die in unzähligen Ausstellungen von 1964 bis 2021 zu bewundern waren. In Afrika hinterließ er zudem einen nachhaltigen Eindruck, indem er Schülerinnen und Schüler in der Malerei ausbildete und so seine künstlerische Vision weitertrug.

    Ein Leben voller Klang und Wort
    Nicht nur in der Bildkunst fand Polykarp seine Ausdrucksform, sondern auch in der Musik. Sein Atelier und sein Alltag waren erfüllt von den Klängen von Gustav Mahler, Mozart oder Operngesang – Klänge, die ebenso zu ihm sprachen wie seine Malerei. Als Mensch war er bekannt als „Pater, der ein Bruder ist“, denn seine herzliche Nähe und Offenheit machten ihn zu einem geschätzten Begleiter im klösterlichen Leben. In den 70er Jahren, als der Übergang zu muttersprachlichem Chorgebet anstand, spielte er in Ndanda und Münsterschwarzach eine bedeutende Rolle und verfasste sogar mehrere Hymnen, die noch heute Teil des Chorgesanges sind. In Gesprächen glänzte er zudem mit seinem reichen Wissen über Philosophie, Romane, Biografien und Lyrik – ein Geist, der sich in all seinen Werken widerspiegelte.

    Das Lebensmotto und das Vermächtnis
    Für den Bildband über Münsterschwarzach und die Missionsarbeit (1980) verfasste er einen einprägsamen Text, der unter dem Titel „Damit in allem Gott verherrlicht werde“ firmiert – ein Leitsatz, der ebenso sein Lebenswerk und seine künstlerische Mission zusammenfasst. Obwohl er hin und wieder an seiner eigenen Berufung als Mönch zweifelte, blieb ihm stets das offene Herz, das der heilige Benedikt als Ideal vorzeichnete.

    Die letzten Jahre
    2019 zwang ihn ein gesundheitlicher Rückschlag dazu, von Ndanda zurück nach Münsterschwarzach zu kehren. Fortan lebte er in der Infirmerie der Abtei, bis er am 23. März 2022 seinen letzten Atemzug tat. Sein Wirken als Geistlicher, Maler, Glaskünstler, Musiker und Mentor hinterlässt ein bleibendes Erbe – ein Zeugnis einer unermüdlichen Suche nach dem Göttlichen, das in jeder seiner Facetten weiterklingt.

    Polykarp Uehlein hat in einem Leben, das wie ein vielstimmiges Konzert alle Töne des Glaubens, der Kunst und der Menschlichkeit miteinander verband, Spuren hinterlassen, die weit über seine Zeit hinaus wirken. Sein Schaffen ist nicht nur eine Sammlung beeindruckender Kunstwerke, sondern auch ein lebendiges Zeugnis eines Menschen, der in allen Lebensbereichen mit Leidenschaft und Hingabe wirkte.

  • Eva Mutter – Illustration

    Eva Mutter ist eine erfahrene Grafikdesignerin und Illustratorin mit einem besonderen Fokus auf die Gestaltung von Buchumschlägen und -Innengestaltungen. Seit über 28 Jahren ist sie in der Branche tätig und hat sich mit ihrem Gespür für Ästhetik und Detailgenauigkeit einen Namen gemacht. Sie lebt und arbeitet in Barcelona und zählt namhafte Verlage wie Tusquets, Salvat, RBA, Paidos, Booket, Edicions 62, Océano und Random House UK zu ihren Kunden.

    Von 1993 bis 2014 war Eva Mutter als Senior Graphic Designerin für Círculo de Lectores tätig, bevor sie von 2015 bis 2019 in derselben Position für den renommierten Verlag Planeta arbeitete. Seit 2019 ist sie als freiberufliche Grafikdesignerin aktiv und bietet ihre Dienste weltweit an. Zu ihrem Leistungsspektrum gehören nicht nur die Gestaltung von Buchcovern, sondern auch die Innengestaltung von Büchern, die Entwicklung visueller Konzepte für Buchreihen sowie die Erstellung maßgeschneiderter Illustrationen.

    Safiye Can - Poesie und PANDEMIE - Wallstein-Verlag
    Safiye Can – Poesie und PANDEMIE – Wallstein-Verlag

    Ihr Designstil zeichnet sich durch eine klare und moderne Ästhetik aus, die sie gezielt an die Zielgruppe und den Inhalt des jeweiligen Buches anpasst. Ihre Arbeiten umfassen eine breite Palette von Genres, wobei sie darauf achtet, dass jedes Design die Essenz des Buches widerspiegelt. Besonders in der Gestaltung von Buchreihen legt sie Wert auf Kohärenz und Wiedererkennbarkeit. Durch konsistente Gestaltungselemente schafft sie visuelle Einheitlichkeit, setzt aber dennoch individuelle Akzente, um die Einzigartigkeit jedes Bandes zu betonen.

    Eva Mutter integriert oft speziell für das jeweilige Projekt erstellte Illustrationen und Fotografien in ihre Designs, die entweder von ihr selbst stammen oder in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern entstehen. Diese Herangehensweise verleiht ihren Buchgestaltungen eine besondere Tiefe und Authentizität. Ihre Arbeiten wurden für ihre gestalterische Qualität anerkannt, unter anderem mit dem FAD Bronze Laus Award 2017.

    Besonders in der Kinder- und Jugendliteratur hat sie mit Projekten wie den illustrierten Ausgaben von „Charlie und die Schokoladenfabrik“ und „Mary Poppins“ für Círculo de Lectores Aufmerksamkeit erregt. Auch die Gestaltung der Jo-Nesbø-Kollektion gehört zu ihren bemerkenswerten Projekten.

    Eva Mutter hat den Umschlag des Gedichtbandes Poesie und PANDEMIE der Autorin  Safiye Can gestaltet. – Web: evamutter.com – Dort finden Sie zahlreiche Beispiele ihrer Buchgestaltungen.

    • Feministische Lyrik nach 1945 | Eine historische Annäherung

      Feministische Lyrik nach 1945 | Eine historische Annäherung

      Ich zeichne hier eine Entwicklung nach: Wie Dichterinnen sich im deutschsprachigen Raum nach 1945 zurückholten, was ihnen zustand – sprachlich, politisch und ästhetisch. Sie beginnt nicht erst mit der Neuen Frauenbewegung der 1970er Jahre, sondern wurzelt tief in den Trümmerlandschaften der Nachkriegszeit, wo Dichterinnen begannen, neue Formen des Sprechens zu finden. Es ist die Geschichte…

    • Lila und Blau

      Lila und Blau

      „Die beste Antwort auf ein Gedicht ist ein neues Gedicht.“– Adrienne Rich Ich steh’ im Flur der Jahre,hör’ die Türen knarren:Hier Mutter, die sichmit jedem Atemzugein Stück kleiner macht,dort Großmutter,die schweigenddie Nähte im Teppichzerreißt –bis alles Fadenwerksich löst. Meine Tochter trägt lila Schuhe,tanzt in einen Kreis,der mich nicht ruft.Doch ich höreihr Miteinanderwie einen Fluss,der mich…

    • Blindstellen | Blind stellen?

      Blindstellen | Blind stellen?

      Um das Gedicht Einzeltäter von Safiye Can zu erfassen; hier ein Versuch eigene Worte mit einem veränderten Fokus zu finden: „Blindstellen“ Der Einzeltäter trägt Grau,der Einzeltäter trägt Wut,der Einzeltäter trägt ein Lächeln –und niemand sieht die Rissein der Wand, wo die Drohung stand. „Ein Streit, kein Mord“, sagt das Protokoll.„Ein Einzelfall“, schreibt die Zeitung klein.„Das…

    • Kein Einzelfall

      Kein Einzelfall

      Bezug nehmend auf das Gedicht Einzeltäter von Safiye Can versuche ich mich in einer kritischen Reflexion das Originalgedicht in konkrete Handlungsimpulse zu übersetzen – weg von Ohnmacht hin zu Empowerment. Hier ein Vorschlag, wie sich Fragestellungen und Aktionsmöglichkeiten ableiten lassen: Fragestellungen für den Einzelnen Warnzeichen erkennen:– „Sehe ich die ‚Risse in der Wand‘ – also…

    • Safiye Can | Lyrikerin

      Safiye Can | Lyrikerin

      Safiye Can, geboren am 24. August 1977 in Offenbach am Main als Kind tscherkessischer Eltern, ist eine deutsche Dichterin, Schriftstellerin, literarische Übersetzerin sowie Künstlerin der konkreten und visuellen Poesie. Sie studierte Philosophie, Psychoanalyse und Rechtswissenschaft an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main und schloss ihr Studium mit einer Magisterarbeit über Friedrich Nietzsches „Also sprach…

    • Einzeltäter – Gedicht von Safiye Can

      Einzeltäter – Gedicht von Safiye Can

      Das Gedicht „Einzeltäter“ nutzt die intensive Wiederholung des Titelmotivs, um eine vielschichtige Deutungsebene zu eröffnen. Hier eine Analyse der zentralen Aspekte: Form und Struktur Wiederholung als Stilmittel: Die ständige Wiederholung von „Einzeltäter“ und Phrasen wie „noch ein“ oder „nur ein“ erzeugt eine rhythmische Monotonie. Dies spiegelt möglicherweise die endlose Wiederkehr des Phänomens oder die gesellschaftliche…

    • Safiye Can – Poesie und Pandemie

      Safiye Can – Poesie und Pandemie

      Ringen mit Safiye Cans Lyrik: Eine persönliche Annäherung an „Poesie und Pandemie“ und darüber hinaus Beim Eintauchen in Safiye Cans Lyrikband „Poesie und Pandemie“ wurde mir immer wieder bewusst, wie unterschiedlich kollektive Erfahrungen wahrgenommen werden können. Ich habe mit vielen der Texte gerungen – und ringe noch immer mit ihnen. Oft überkam mich das Gefühl,…

    • Eva Mutter – Illustration

      Eva Mutter ist eine erfahrene Grafikdesignerin und Illustratorin mit einem besonderen Fokus auf die Gestaltung von Buchumschlägen und -Innengestaltungen. Seit über 28 Jahren ist sie in der Branche tätig und hat sich mit ihrem Gespür für Ästhetik und Detailgenauigkeit einen Namen gemacht. Sie lebt und arbeitet in Barcelona und zählt namhafte Verlage wie Tusquets, Salvat,…

    • Wolfgang Würfel -Porträt

      Wolfgang Würfel, geboren am 31. März 1932 in Leipzig, ist ein deutscher Grafiker, Illustrator und Maler. Seine künstlerische Laufbahn begann mit einer Lehre im Malerhandwerk von 1946 bis 1949, gefolgt von einem Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee von 1950 bis 1955. Dort wurde er unter anderem von Arno Mohr und Ernst Rudolf Vogenauer unterrichtet. Besonders…

  • Wolfgang Würfel -Porträt

    Wolfgang Würfel, geboren am 31. März 1932 in Leipzig, ist ein deutscher Grafiker, Illustrator und Maler. Seine künstlerische Laufbahn begann mit einer Lehre im Malerhandwerk von 1946 bis 1949, gefolgt von einem Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee von 1950 bis 1955. Dort wurde er unter anderem von Arno Mohr und Ernst Rudolf Vogenauer unterrichtet. Besonders prägend war der Einfluss von Werner Klemke, der Würfels Begeisterung für die Illustration und grafische Techniken wie den Holzstich weckte.

    Nach dem Studium arbeitete Würfel freiberuflich als Maler und Grafiker und schuf im Laufe seiner Karriere mehr als 200 Buchillustrationen. Seine Werke reichen von Kinderbüchern über Märchen und Fabeln bis hin zu Feuilletons, Aphorismen und Essays. Würfel beherrschte eine Vielzahl von Techniken, darunter Holzstich, Schabkunst, Ölgrafik und Federzeichnung. Besonders hervorzuheben ist seine zwanzigjährige Zusammenarbeit mit dem Schriftsteller Heinz Knobloch, für dessen Feuilletons in der Wochenpost er mehr als tausend Illustrationen unter der Rubrik „Mit beiden Augen“ schuf. Diese Arbeiten zeigen Würfels einzigartiges Talent, Textinhalte nicht nur zu bebildern, sondern sie mit seinen Zeichnungen weiterzuerzählen. In seinen eigenen Worten: „Ich habe versucht, mit meinen Zeichnungen die Gedanken und Stimmungen der Texte nicht nur zu illustrieren, sondern sie weiterzuerzählen.“

    Wolfgang Würfel – 2011 Ausstellungseröffnung Glienicke Nordbahn- Foto: Peter Bertignac Quelle: wikipedia

    Seine Illustrationen wurden vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit der Goldmedaille für Illustration auf der Internationalen Buchkunst-Ausstellung in Leipzig 1971, dem Certificate of Honor „Hans Christian Andersen“ 1976 und dem Hans-Baltzer-Preis für Illustration 1987. Kritiker lobten besonders die Virtuosität und Detailtreue seiner Arbeiten. Die Leipziger Volkszeitung schrieb anlässlich einer Ausstellung: „Wolfgang Würfels Holzstiche und Zeichnungen entführen den Betrachter in eine Welt voller feiner Ironie und tiefgründiger Poesie. Seine Illustrationen sind nicht bloße Begleiter des Textes, sondern eigenständige Kunstwerke, die Geschichten weitererzählen und vertiefen.“

    Seine Interpretationen klassischer Märchen und Fabeln fanden breite Anerkennung. Besonders die Illustrationen zu den Märchen der Brüder Grimm wurden für ihre atmosphärische Dichte und Detailverliebtheit geschätzt. Seine Holzstiche verliehen den altbekannten Geschichten eine neue Tiefe, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen faszinierte. Der Kunsthistoriker Prof. Dr. Klaus Werner hob hervor: „Würfel versteht es meisterhaft, die Brücke zwischen Text und Bild zu schlagen. Seine Illustrationen besitzen eine erzählerische Kraft, die selten geworden ist.“

    Sein Werk wurde nicht nur in Deutschland, sondern auch international ausgestellt, etwa auf der Internationalen Kinderbuchmesse in Bologna, wo seine Arbeiten internationales Interesse weckten. Ein bedeutender Höhepunkt in Würfels Karriere war die Übergabe seiner Originalillustrationen zu 37 von ihm gestalteten Büchern an die Kinder- und Jugendbuchabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin. Diese Sammlung bewahrt sein künstlerisches Erbe und macht es der Forschung sowie der interessierten Öffentlichkeit zugänglich.

    Heute lebt Wolfgang Würfel in Glienicke/Nordbahn und ist weiterhin künstlerisch aktiv. Seine Werke, die Fantasie und Poesie vereinen, werden von Kunstliebhabern und Sammlern geschätzt und inspirieren kommende Generationen von Künstlern. Sein Beitrag zur deutschen Buchillustration bleibt unvergessen und zeigt eindrucksvoll, wie Kunst Geschichten nicht nur begleitet, sondern sie erzählerisch bereichert und erweitert.

    In meinem Bestand

    Quelle des Porträts von Wolfgang Würfel: Peter Bertignac – wikipedia. Lizenz: CC BY-SA 4.0

error: Content is protected !!