Autor: Oliver Simon

  • Peter Gehrisch – Fragmentierte Annäherung

    Peter Gehrisch – Fragmentierte Annäherung

    ein Name im Heft zwischen anderen Namen zündet – kein Denkmal eher ein Gerücht aus Papier // Kindheit? Trümmerfeld, ein Federorakel, Karneval ohne Kostüm // Sprache? verloren, zurückgeholt wie ein verkohltes Blatt, noch lesbar am Rand // Herkunft? ein Fluss, der zwei Länder trennt und nur in der Mitte verbindet // Suche? nicht Linie, nicht…

  • Ille Chamier und Stella Avni

    Ille Chamier und Stella Avni

    Im Zentrum von Ille Chamiers Gedicht steht die Figur der Schauspielerin Stella Avni – eine heute nahezu vergessene Künstlerin, deren Lebensspuren sich nur rudimentär rekonstruieren lassen. Gesichert ist: Sie wurde 1921 im damals rumänischen Czernowitz (Bukowina) geboren, jener multikulturellen Stadt, aus der auch Paul Celan und Rose Ausländer hervorgingen. Stella Avni war jüdischer Herkunft und…

  • Unbeirrt subjektiv sein

    Unbeirrt subjektiv sein

    5 Minuten

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    Ein literarischer Essay zu Kurt Martis Subjektivität „Jeder Terror rechtfertigt sich mit objektiver Notwendigkeit. Um so mehr gilt es, unbeirrt subjektiv zu sein.“ – Kurt Marti Was soll das heißen – „unbeirrt subjektiv sein“? Ist Subjektivität nicht genau das, was wir in rationalen Diskursen zu überwinden suchen? Je länger ich über Martis Worte nachdenke, desto…

  • Die Kunst des mündlichen Erzählens

    Die Kunst des mündlichen Erzählens

    Am Anfang war das Wort – nicht geschrieben, sondern gesprochen. Lange bevor Gutenbergs Druckerpresse die Welt veränderte, lebten Geschichten in der Stimme, im Gedächtnis, in der unmittelbaren Begegnung zwischen Erzähler und Zuhörer. Das mündliche Erzählen ist die Urform aller Literatur, der Ausgangspunkt jeder kulturellen Überlieferung. Doch in einer Zeit, in der das gedruckte Wort dominiert…

  • Widerstand gegen Femizide: Von historischen Gegenstimmen zu aktuellen Bewegungen

    Widerstand gegen Femizide: Von historischen Gegenstimmen zu aktuellen Bewegungen

    3 Minuten

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    Ein erster – zugegeben oberflächlicher – Überblick. Drekkingarhylur, Island Zwischen 1618-1749 wurden mindestens 18 Frauen im Drekkingarhylur (Ertränkungsbecken) in Þingvellir hingerichtet. Während Frauen das Ertrinken erwartete, wurden Männer für ähnliche Verbrechen enthauptet – ein deutlicher Hinweis auf geschlechtsspezifische Bestrafung. Frauen wurden wegen Ehebruch oder unehelicher Kinder angeklagt, in Säcke gesteckt und mit Stöcken unter Wasser…

  • Kathrin Niemela

    Kathrin Niemela

    2 Minuten

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    Kathrin Niemela, 1973 in Regensburg geboren, ist eine deutsche Lyrikerin, die mit ihrem Debütband wenn ich asche bin, lerne ich kanji (2021) einen bemerkenswerten Einstand in die deutschsprachige Gegenwartslyrik feierte. Ihre Biografie ist geprägt von Vielseitigkeit: Nach Anfängen in Romanistik, Politologie und Jura wandte sie sich der Betriebswirtschaft zu und schloss dieses Studium in Regensburg…

  • BECKENENDLAGE – Kathrin Niemela

    BECKENENDLAGE – Kathrin Niemela

    Annäherung an ein grausames Gedicht | Der Titel wirkt harmlos medizinisch: „Beckenendlage“. Ein Begriff aus der Geburtshilfe – das Kind liegt mit Füßen oder Gesäß voran im Mutterleib, eine riskante Position. Doch im Gedicht führt dieser Titel nicht in den Kreißsaal, sondern ins Wasser: zu einem „Ertränkungsbecken“ in Island. Dieses Gedicht habe ich der WORTSCHAU…

  • Jane Wels

    Jane Wels

    Jane Wels, 1955 in Mannheim geboren, lebt im Nordschwarzwald. Sie studierte Entwicklungspsychologie, Pädagogik und Medienwissenschaften – ein interdisziplinärer Hintergrund, der ihr Gespür für innere Prozesse, Sprache und Wahrnehmung schärfte. Wels veröffentlicht regelmäßig in Literaturzeitschriften und Online-Magazinen, darunter Signaturen, WORTSCHAU, Planet Lyrik und andere. Ihr Debüt Schwankende Lupinen erschien 2024 in der edition offenes feld (Hrsg.…

  • Er

    Er

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    Er atmet schwerer, als müsste er die Schichten der Luft durchstoßen. Sein Blick fällt auf die Ränder der Dinge, nicht auf die Mitte. Ein Stück Asphalt, das sich vom Boden löst. Ein Lichtstreifen, der durch die Jalousie fällt. Rückwärts: ein Bahnhof, Stimmen, Züge, die sich ineinander schieben. Vorwärts: das Zimmer, noch nicht eingerichtet, der Geruch…

  • Jane Wels‘ Sandrine

    Jane Wels‘ Sandrine

    Erinnerungen sind selten linear. Sie flackern, tauchen auf, verschwimmen, brechen ab – und genau dieses Flirren liegt im Text über Sandrine. Ein weibliches Ich spricht, nicht in klaren Linien, sondern in Schichten und Sprüngen. „Ihr Atem ist so leise wie ein Hauch Gänsedaunen.“ Zeit scheint stillzustehen, nur um im nächsten Moment „ein Hüpfspiel“ zu werden.…

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