Bodenhaftung - LeseProjekt - ersatzgestalt

Bodenhaftung

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In dieser Rubrik meiner LeseProjekte habe ich Texte versammelt, die sich direkt oder indirekt mit unserer s.g. Erinnerungskultur beschäftigen. Da ich zu diesem Begriff keinen Zugang finde, habe ich Bodenhaftung ausgesucht. Bodenhaftung im Sinne von „geerdet sein“, sich der Realität stellen, nicht abheben. Außerdem: Wir haften auch für die Folgen unseres Verhaltens. Das erscheint mir eine passende Verbindung zum Thema Erinnerungskultur und der Verantwortung, die daraus erwächst. Es verbindet Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf eine bildhafte Weise.

Bisher gelesene Texte

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    Ille Chamier und Stella Avni

    Im Zentrum von Ille Chamiers Gedicht steht die Figur der Schauspielerin Stella Avni – eine heute nahezu vergessene Künstlerin, deren Lebensspuren sich nur rudimentär rekonstruieren lassen. Gesichert ist: Sie wurde 1921 im damals rumänischen Czernowitz (Bukowina) geboren, jener multikulturellen Stadt, aus der auch Paul Celan und Rose Ausländer hervorgingen. Stella Avni war jüdischer Herkunft und…

  • Unbeirrt subjektiv sein

    Unbeirrt subjektiv sein

    Ein literarischer Essay zu Kurt Martis Subjektivität „Jeder Terror rechtfertigt sich mit objektiver Notwendigkeit. Um so mehr gilt es, unbeirrt subjektiv zu sein.“ – Kurt Marti Was soll das heißen – „unbeirrt subjektiv sein“? Ist Subjektivität nicht genau das, was wir in rationalen Diskursen zu überwinden suchen? Je länger ich über Martis Worte nachdenke, desto…

  • Marina Büttner – Jüdischer Friedhof Weißensee

    Marina Büttner – Jüdischer Friedhof Weißensee

    Annähernd gelesen | Gedichtlektüre und Kontext. Das 1-strophige Gedicht von Marina Büttner verdichtet eine Momentaufnahme auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee zu einer Folge von starken, teils naturrohen Bildern, in denen persönliche Erschütterung und historische Schwere ineinanderfließen. Zwischen verwitterten Steinen, Symbolen und Zeichen des Verfalls verhandelt es die Beziehung von Zeit, Wahrheit und Erinnerung. Der Jüdische…

  • Heil

    Heil

    Annähernd gelesen | Ilse Chamiers Gedicht reflektiert ihre Erfahrungen als Kindergartenkind im nationalsozialistischen Deutschland. Dabei verbindet sie Erinnerungen an Rituale, religiöse Erziehung und Kriegsrealität zu einer erschütternden Collage – ruhig im Ton, aber tiefgründig in der Aussage. Die sprachliche Einfachheit kontrastiert mit der Komplexität des Erlebten. Politische und religiöse Rituale – Spiegelungen von Macht Schon…

  • Das erste Buch: Eine Anthologie über literarische Debüts

    Das erste Buch: Eine Anthologie über literarische Debüts

    Renatus Deckerts „Das erste Buch. Schriftsteller über ihr literarisches Debüt“, erschienen 2007 im Suhrkamp Verlag, ist eine Anthologie, die sich der Bedeutung des ersten veröffentlichten Werks von Autoren widmet. Für dieses Projekt bat Deckert fast einhundert deutschsprachige Schriftstellerinnen und Schriftsteller, ihre Gedanken und Erfahrungen zu ihrem Debüt in einem Text zu formulieren, oft Jahrzehnte nach…

  • Ein rotes Kreuz, das sein Schicksal besiegelt.

    Ein rotes Kreuz, das sein Schicksal besiegelt.

    Sasha Filipenko | Rote Kreuze. Ein Roman Ich mag selten Sachbücher. Lieber ist es mir, Wissen aus Romanen zu sammeln. Da geschieht meist eher unbewusst, leicht und nachhaltiger, weil ich für dieses dann eine Verknüpfung habe. Wie viel man für sich mitnehmen kann, hängt vom Lesestoff ab. Das Buch, welches ich hier vorstelle, ist ein…

  • Kurt Marti | Zärtlichkeit und Schmerz

    Kurt Marti | Zärtlichkeit und Schmerz

    «Jeder Terror rechtfertigt sich mit objektiver Notwendigkeit. Um so mehr gilt es, unbeirrt subjektiv zu sein.» Kurt Marti Dieses Buch von Kurt Marti aus dem Jahre 1979 trägt den Titel : Zärtlichkeit und Schmerz | Notizen. Die Formulierung wirkt auf eine überraschende, fast provokative Art emotional und subjektiv, was umso mehr auffällt, als der Autor sonst…

  • Otto F. Walter – Wie wird Beton zu Gras

    Otto F. Walter – Wie wird Beton zu Gras

    Otto F. Walters Roman Wie wird Beton zu Gras? (erstmals 1979 erschienen, hier in der Rororo-Taschenbuchausgabe von 1988 vorliegend) wird zur ökologischen Literaturbewegung der späten 1970er Jahre gezählt. Im Zentrum steht der Stadtplaner Viktor B., ein zerrissener Antiheld, der täglich an der Transformation natürlicher Landschaften in betonierte Stadt- und Industrieflächen mitwirkt. Sein Beruf steht im fundamentalen Konflikt mit seinem wachsenden…

  • Wenn die Hände denken.

    Wenn die Hände denken.

    Du musst deinem Leben Hände geben. Das Gedicht „RATLOS„von Jürgen Völkert-Marten schlägt mir entgegen wie eine kalte Wand. Eine Litanei des Erstickens: Strick. Pistole. Schlaftabletten. Eine Aufzählung von Auswegen, die keine sind, sondern Sackgassen, Abgründe. Ausreißen. Neu anfangen. Schluß machen. Leben fortwerfen. Die Verzweiflung ist greifbar in ihrer sprachlichen Kargheit. Keine Bilder, nur nackte Substantive, Verben des Endens oder…

  • Kurt Schumacher – Fallender

    Kurt Schumacher – Fallender

    Der Bildhauer Kurt Schumacher (1905-1942) schuf eine männliche Figur im Moment des Falls. (Im Stil des Expressionismus?) aufgerichtet und die Arme emporreißend, zeigt die Skulptur eine tiefe Wunde in Herzhöhe. Aus ihr strömt Blut, das sich wie ein stilisiertes Gewand um die Hüften legt, die Scham des nackten Körpers bedeckt und an den Beinen hinunterfließt.…


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