Eine Frage des Glaubens

Hände zum Gebet

Beten – Sich in innerer Sammlung (mittels ritualisierter Abläufe) mit einer Bitte, einem Bekenntnis, einem Dank an ein höheres Wesen zu wenden und mit ihm, ihr in Zwiesprache zu treten. Eines der wichtigsten Elemente, neben dem Wort, ist übrigens das Atmen.

Der Einstieg in das Lernen zu beten kam vor etwa einem Jahr, beim „Hineinschnuppern“ in eine evangelische Gemeinde. Meine ernüchternden Erfahrungen bisher: wenn ich im Gebet um etwas positives bitte, kommt exakt das Gegenteil. Darauf ist 100 % Verlass. Leider konnte mich bis dato kein Glaubensvermittler (m/w) über die mögliche Ursache aufklären, lediglich der Hinweis auf eine wahrscheinliche Aktivität Luzifers wurde hingewiesen. Eine Schamanin wies darauf hin, dass man ganz genau formulieren müsse, um vom Universum erstanden zu werden. Was also tun? Über die Theorie in die Praxis oder der falsche Gott?

by the way – Auf dem Lernprogramm steht noch das Beten lernen in den anderen Weltreligionen und auf anderen spirituellen Wegen. Extrem schwer ist es für mich bisher im Jüdischen eine praktische Begleitung zu finden. Dort hat man es mir leider schon immer schwer gemacht. Zum muslimischen Glauben habe ich mehr Berührungsängste als ich dachte…oder zu den Religionsvermittlern. Wer kann, mag mir helfen?

Ein jüdisches Gebet:
Geliebter meiner Seele: Jedid Nefesch

Geliebter meiner Seele, barmherziger Vater, ziehe deinen Diener zu Deinem Willen, dass er zu dir hinlaufe wie die Gazelle, niederfallend angesichts deiner Pracht, Deine Freundschaft sei ihm angenehmer als Honig und alle Köstlichkeiten.

Prächtig und schön ist der Glanz der Welt, meine Seele aber sehnt sich nach deiner Liebe. Bitte, G’tt, schaffe ihr Heilung, im Gewahrnehmung der Schönheit deines Glanzes. Dann werde ich gestärkt sein und geheilt werden und ewige Freude wird meiner Seele sein.

Erhabener, es ströme Deine Barmherzigkeit und erbarme Dich über Dein geliebtes Kind. Wie sehr habe ich mich danach gesehnt, die Herrlichkeit deiner Macht zu schauen! Dies ist es das Sehnen meines Herzens: Erbarme Dich und verbirg Dich nicht.

Offenbare dich und breite, mein Geliebter, das Zelt Deines Friedens über mir aus. Erleuchte die Erde in Deiner Ehre, dann werden wir jubeln und uns an Dir freuen. Eile zu Lieben, denn die Zeit ist gekommen, erbarme dich über uns wie in den Tagen der Vorzeit.

(Kabalistische Hymne von ElieserAzikri, 1533-1600, Z’fath)


Stille einüben
dem Atem lauschen
dem eigenen Herzschlag zuhören
den äußeren und inneren Stimmen und Geräuschen Gehör schenken
Gedanken anschauen
und wie Wolken ziehen lassen
still werden
still sein
sein


Ein Vorschlag, den ich im Rahmen einer Gebetszeit via Internet erhalten habe.

Ich bete zu Gott, weil in seiner Hand
Mein Sein ist, mein Leib, mein Gefühl, mein Verstand,
Mein Hoffen, mein Trachten zu jeglicher Stund
Und ohne ihn redet kein Wörtlein mein Mund.

Ich bete zu Gott, weil das Firmament
Kein Licht und kein Lebendsein ohne ihn kennt;
Ohne ihn steigt kein Tag auf den Bergen ins Licht,
Ohne ihn ist kein Mittag und Abendzeit nicht.

Ich bete zu Gott, weil ich da steh und schau
Und begreif und andächtig den Boden bebau,
Weil ich weiß, dass ich ohne sein Gnad und Gewähr
Nicht Licht hätt und tot wie ein Ackerstein wär.

1930er Jahre
Guido Zernatto (* 21. Juni 1903 in Treffen; † 8. Februar 1943 in New York City, USA) war ein österreichischer Schriftsteller und Politiker.

»Ach, Sie wissen ja, Madame, dass die Menschen sich ihre Götter nach dem, was sie lieben, und nach dem, was sie hassen, bilden. Die Inder beten eine Kuh an, die Mongolen ein Lamm, die Siamesen einen weißen Elefanten. Lassen Sie uns das goldene Kalb anbeten; das ist noch der ausgebreitetste Kultus.“


Aus: Alexander Dumas (der Ältere) | Lady Hamilton Memoiren einer Favoritin, Kapitel 1

Mögen alle Wesen Glück
und den Schlüssel zum Glück finden,
mögen sie frei von Leiden
und der Wurzel des Leidens sein
mögen sie nicht vom großen Glück getrennt sein,
in dem es kein Leiden gibt,
mögen sie in großem Gleichmut,
frei von Leidenschaft, Aggression und Vorurteil leben

Die Lehre Buddhas besagt, dass „das Selbst im Selbst Zuflucht nimmt“, daher ist dieses traditionelle Gebet ist nicht an eine höhere Macht gerichtet. Das Selbst im Buddhismus strebt nicht nach Verwirklichung (wie im westlichen Sinne), sondern nach einem Zusand, an dem nichts mehr an ihm haften kann. Der Buddhist kennt keinen Gott, der für ihn alles zum Guten lenkt. Und auch Buddha ist kein Heilsbringer, sondern lediglich ein Wegweiser. Der Mensch selbst muss den Weg auf sich nehmen. Der Buddhismus ist eine Religion ohne Gott.  

Paul Klee | Wäre ich ein Gott, zu dem man betet

Wäre ich ein Gott, zu dem man betet,
ich käme in die größte Verlegenheit,
von einem Tonfall des Bittenden irgendwo gerührt zu werden.
Sobald das Bessere nur leise anklänge,
würde ich gleich Ja sagen,
«stärkend das Bessere mit einem Tropfen von meinem Tau».
Somit würde von mir ein Teilchen gewährt,
und immer wieder nur ein Teilchen,
denn ich weiß ja sehr wohl,
daß das Gute in erster Linie bestehen muß,
aber doch ohne das Böse nicht leben kann.
Ich würde also in jedem einzelnen
die Gewichtsverhältnisse der beiden Teile ordnen,
bis zu einem gewissen Grad der Erträglichkeit.
Revolution würde ich nicht dulden,
wohl aber zu ihrer Zeit selbst machen.
Daran sehe ich, dass ich noch kein Gott bin.

Ich wäre auch leicht, und mir dessen bewusst, zu überlisten.
Ich wäre rasch im Verleihen eines Ja, einem kurzen
Tone im Gebet gegönnt, welcher rührte.

Gleich darauf wär ich imstande,
sehr inkonsequent zu handeln,
und mich zu verwandeln
in das Ungeheuer Schauer,
welcher liegt auf solcher Lauer,
daß es dann gibt Trauer
in Familien, wo sein Gift
gerade trifft.

Viel historisches Theater wollte ich auch machen,
die Zeiten würden losgebunden von ihrem Alter,
das wäre ein Durcheinander zum Lachen.
Aber mancher wäre entzückt,
– hätt ich zum Beispiel je einen irrenden Ritter
draußen im Busch gefunden,
ich war beglückt! –.

Ein bisschen narren würd ich die Leutchen auch zuweilen
und gäbe ihnen in der Labung Ätzung,
in der Nahrung Zersetzung –
und Schmerz in der Paarung.
Ich stiftete einen Orden,
im Banner die lustig hüpfende Träne.

Aus: Paul Klee – Gedichte / Neue erweiterte Ausgabe 1980
Verlag der Arche – Zürich
Isbn: 3-7160-1650-0

…wird fortgesetzt

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