Die Erzählung folgt Arthur Dold, einem Antiquar, dessen offenbar ruhiges Leben durch einen Überfall ins Wanken gerät. Getrieben von Erinnerungen an seine Kindheit – als Sohn eines Gärtners, der als Zaungast großbürgerliche Welten beobachtete – beginnt er, den Fäden seiner Vergangenheit nachzuspüren. In diesem Prozess geraten seine innere Welt und sein Alltag zunehmend aus der Balance. Das Buch thematisiert die Macht der Phantasie, die Nachfrage nach existenzieller Bedeutung und das Verhältnis von Erinnerung und Gegenwart.
In der Leser-Community und in bibliografischen Einträgen wird Der Antiquar als erzählerisch solide, aber nicht immer durchweg überzeugend bewertet; die durchschnittlichen Leserbewertungen liegen auf Plattformen wie LovelyBooks/Goodreads moderat. In der literaturkritischen Auseinandersetzung wird das Werk nicht als sein stärkstes, aber als ein frühes, sorgfältig konstruiertes Stück im Œuvre Schertenleibs genannt.
Autor: Hansjörg Schertenleib (*4. November 1957 in Zürich) ist ein Schweizer Schriftsteller und Übersetzer, der seit den frühen 1980er-Jahren Prosa, Gedichte, Theatertexte und Hörspiele veröffentlicht. Er lebt(te) längere Zeit in Irland, den USA und Frankreich und schreibt in einer klaren, nüchternen Sprache, die wiederholt als sachlich und präzise charakterisiert wird. Zu seinen bekanntesten Werken zählt Das Zimmer der Signora.
Roman/Erzählung – Ursprüngliche Veröffentlichung 1991, Taschenbuchausgabe u. a. Aufbau TB, 2007. ca. 188 – 192 Seiten. ISBN-13: 978-3-7466-2397-9 (Aufbau); weitere Ausgaben auch Fischer Taschenbuch ISBN-13: 978-3-596-11494-8.
Titelbild: RoySnyder
LektüreNotizen
Kapitel 2 – Hansjörg Schertenleib führt in seiner Erzählung „Der Antiquar“ die Figur des Fabrikanten Hermann Hotz ein, der im Chor singt. Eine Randbemerkung, beiläufig. Dennoch: Zum ersten Mal begegnete mir in einem literarischen Text jemand, der singt – nicht allein, nicht als Solist, sondern in der Gemeinschaft eines Chors. Da ich selbst im Chor singe, habe ich mich gefragt: Spielt Chorsingen in der Literatur überhaupt eine Rolle? Und wenn ja, welche? – Eine Recherche.
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Über das Chorsingen
4–6 MinutenHansjörg Schertenleib führt in seiner Erzählung „Der Antiquar“ die Figur des Fabrikanten Hermann Hotz ein, der im Chor singt. Eine Randbemerkung, beiläufig. Dennoch: Zum ersten Mal begegnete mir in einem literarischen Text jemand, der singt – nicht allein, nicht als Solist, sondern in der Gemeinschaft eines Chores. Da ich selbst im Chor singe, habe ich…
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Hansjörg Schertenleib – Der Antiquar
1–2 MinutenDie Erzählung folgt Arthur Dold, einem Antiquar, dessen offenbar ruhiges Leben durch einen Überfall ins Wanken gerät. Getrieben von Erinnerungen an seine Kindheit – als Sohn eines Gärtners, der als Zaungast großbürgerliche Welten beobachtete – beginnt er, den Fäden seiner Vergangenheit nachzuspüren. In diesem Prozess geraten seine innere Welt und sein Alltag zunehmend aus der…
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Hansjörg Schertenleib – Das Regenorchester
2–3 MinutenNachdem seine Frau ihn verlassen hat, lebt ein Schriftsteller um die fünfzig allein in seinem Haus in Irland. Nach einem gesundheitlichen Zusammenbruch ist er aus seinem bisherigen Arbeits- und Lebensrhythmus gefallen. Körperlich eingeschränkt, verbringt er seine Tage mit Spaziergängen, Beobachtungen und Erinnerungen. In dieser Situation begegnet er Niamh, einer sechzigjährigen Irin, die ihn bittet, zum…
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Hansjörg Schertenleib – Palast der Stille
1–2 MinutenIn Palast der Stille begleitet man zwei Menschen, die – auf unterschiedliche Weise entwurzelt – eine Reise unternehmen, die sie an den Walden Pond in Massachusetts führt, jenen Ort, an dem Henry David Thoreau Mitte des 19. Jahrhunderts sein berühmtes Experiment der Einfachheit und Selbstgenügsamkeit begann. Von dieser symbolischen Landschaft aus entfaltet sich eine vielschichtige…
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lonesome journalist
4–7 MinutenEine literarische Spurensuche | Als Kultur- und Literaturblogger begegne ich immer wieder Romanen, die mehr sind als nur fiktive Geschichten – sie sind Spiegel der Medienrealität und zugleich Sehnsuchtsorte für das, was der Journalismus verloren zu haben scheint. Hansjörg Schertenleibs Roman „Der Papierkönig“ ist ein solches Werk: eine literarische Meditation über die Einsamkeit des recherchierenden…
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Reto Zumbach, Journalist & befangen
1–2 MinutenEin Papierfabrikant begeht ein Verbrechen. Der Jornalist Reto Zumbach will die Tat und seine Umstände nachzeichnen und begibt sich auf eine Reise zum Anwesen des verurteilten und inhaftierten Unternehmers im Norden Irlands. Lesetagebuch: Der Papierkönig | Hansjörg Schertenleib Mich reizt der Rahmen der Geschichte: Ein Journalist auf Recherchereise, der zugleich in die Story verwickelt ist.…
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Der Papierkönig | Hansjörg Schertenleib
2–3 MinutenHansjörg Schertenleibs Roman „Der Papierkönig“ (erschienen 2008) arbeitet mit mehreren Ebenen: Die Brüche und Abgründe des Journalismus sowie die fragile Identität eines Mannes erkundet, der zwischen beruflicher Pflicht und persönlicher Krise schwankt. Protagonist Viktor Kessler, ein alternder Kulturjournalist, sieht sich mit der Auflösung seiner Ehe, dem Druck der Medienbranche und der Frage konfrontiert, was von…
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Hansjörg Schertenleib – Zwischen Lesen und Schreiben
2–3 Minuten„Am Anfang meiner Existenz als Schriftsteller hat mich die Frage ‹wer bin ich› kaum interessiert. Ich wollte eher wissen, ‹wer könnte ich sein›. Das hat sich in den letzten Jahren geändert. Ich bin mir schreibend auch selber auf der Spur. Bleibt die Frage: Ist es gut, zu wissen, wer man ist?“Hansjörg Schertenleib (tagblatt.ch) Der Konjunktiv…
