VON EINEM BUCH
ZUM ANDERN
WANDERN
hunderte von Seiten lang
durch die Pariser Vorstädte
zurück in Büchners Zeit
über Gedichte hinter dem Eisernen Vorhang
mitten durch ein Ideen-Gewimmel
aus Reiselust einen Blick auf Rom werfen,
um wieder bei einer Tasse Tee
den Vögeln zu lauschen,
Nachbarn in ihrem Kommen und Gehen,
auf dem Sofa, das einem
die Welt bedeutet
Erschienen ist dieses Gedicht im Literaturmagazin WORTSCHAU # 44 – Selbstgespräche. Hier abgebildet mit freundlicher Genehmigung des Autors. – Ich habe ein anderes Lesen gelernt – eines, das nicht wandert, sondern arbeitet. Daraus ist dieses Antwortgedicht entstanden.
Volkmar Mühleis (Jg. 1972) unterrichtet Philosophie und Ästhetik an der LUCA School of Arts in Brüssel und Gent. Er ist unter anderem Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Ästhetik und der Gesellschaft für interkulturelle Philosophie. Als Autor und Musiker veröffentlicht er philosophische wie künstlerische Arbeiten.
Als Autor hat er Gedichtbände wie Das Recht des Schwächeren und Fête de la Musique vorgelegt, dazu Prosa und Essays – etwa das Brüsseler Tagebuch sowie die Novellen Wasserzeichen und Das Begräbnis des Philosophen. Als Musiker ist er in Projekten wie dem Kollektiv Brussels Cleaning Masters und dem Elektro-Pop-Duo mein Bruder Karin aktiv. Zur Website des Autors.
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Im Silberdistelwald
4–5 MinutenAls hätten sich György Kurtág, Johann Sebastian Bach und Oskar Loerke am Hubertussee getroffen. Der SilberdistelwaldMein Haus, es steht nun mittenIm Silberdistelwald.Pan ist vorbeigeschritten.Was stritt, hat ausgestrittenIn seiner Nachtgestalt.Die bleichen Disteln starrenIm Schwarz, ein wilder Putz.Verborgne Wurzeln knarren:Wenn wir Pans Schlaf verscharren,Nimmt niemand ihn in Schutz.Vielleicht, dass eine BlüteZu tiefer KommunionIhm nachfiel und verglühte:Mein Vater…
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Eduard Assadow || Ich werde dich lieben, darf ich?
3–4 MinutenIch werde in deinen Augen ertrinken, darf ich? Denn in deinen Augen zu ertrinken, ist Glück.Ich komme zu dir und sage: „Guten Tag!Ich liebe dich sehr.“ Ist das schwer?Nein, das ist nicht schwer, sondern mühsam.Es ist sehr mühsam, zu lieben. Glaubst du mir das?Ich gehe auf eine steile Klippe,ich werde fallen, fang mich! Schaffst du…
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was wir einander
2–3 MinutenLektüreNotizen: Günter Abramowski | wer ist wir Dieser Band besteht aus achzig – wenn ich richtig gezählt habe – Gedichten. Der Autor empfiehlt im Inhaltsverzeichnis, die Gedichte in der Reihenfolge zu lesen, wie gedruckt. Beim Lesen der Titel fiel mir eine Zusammengehörigkeit auf und ich habe versucht daraus einen eigenständigen Text abzuleiten. Die Titel lesen…
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Günter Abramowski – Wer ist Wir
1–2 MinutenGünter Abramowskis Gedichtband „wer ist wir – neokontemplative gedichte“ wurde im August 2024 vom Verlag Königshausen & Neumann veröffentlicht. In diesem Werk setzt sich der Autor mit der Frage nach dem „Wir“ auseinander und lädt zur Reflexion über Identität und Gemeinschaft ein. Die Gedichte thematisieren Momente der Besinnung und ermutigen dazu, im „aufmerkenden Untätig-Sein“ den…
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Jürgen Völkert-Marten – Wege – Lyrik
3–4 Minuten„Wege“ führt uns durch einen merkwürdigen Wechsel der Perspektiven: Erst sind wir mittendrin im Matsch und Regen, dann schauen wir von oben auf eine Landkarte. Diese Bewegung von der körperlichen Erfahrung zur abstrakten Betrachtung durchzieht das ganze Gedicht wie ein roter Faden. Unterwegs im Regen Die erste Strophe lässt uns förmlich die nassen Füße spüren.…
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Ich bin ein Gedicht | Visuelle Poesie
Die Visuelle Poesie entstand in den 1950er und 1960er Jahren in Deutschland als eine Gegenbewegung zur traditionellen, oft metaphernreichen Lyrik. Der Begriff der „Konkreten Poesie“ wurde von Eugen Gomringer geprägt und lehnte sich an den Begriff der „Konkreten Kunst“ an, den Max Bill und Theo van Doesburg in die Diskussion gebracht hatten. Konkrete Poesie setzt…
