Kategorie: LektüreNotizen

Inspiriert von der Praxis des Lesetagebuchs, nutze ich unterschiedliche Formen, um diesen Prozess abzubilden: Skizzen verorten plötzliche Einsichten, Töne halten die Stimmung einer Passage fest, Filme fangen Bewegung ein, wo Worte erstarrten. Form follows function – denn nur so lässt sich erfassen, was beim Lesen geschieht: ein Dialog, der nicht endet.

  • Illustrierte Texte – Das Miteinander von Wort und Bild

    Illustrierte Texte – Das Miteinander von Wort und Bild

    Mein Interesse für die Verbindung von Text und Bild besteht seit langem. Im Fokus stehen dabei weniger klassische Comics, sondern vielmehr illustrierte Literatur. Eine besondere Faszination entwickelte ich für die Buchgestaltung der ehemaligen DDR. Der Fund illustrierter Abenteuergeschichten in einem öffentlichen Bücherschrank zeigte mir eine gestalterische Qualität, die mir bis dahin unbekannt war.Ergänzend stieß ich…

  • Ille Chamier – Lied 76

    Ille Chamier – Lied 76

    Eine Annäherung | Ille Chamiers Gedicht „Lied 76“ aus den 1970er Jahren erzählt von einer Frau, die zwischen patriarchalen Erwartungen und eigener Ohnmacht gefangen ist. Ihr Mann schickt sie mit dem unmöglichen Auftrag aufs Feld, „Stroh zu Gold zu spinnen“ – eine bittere Anspielung auf das Rumpelstilzchen-Märchen. Doch anders als im Märchen gibt es hier…

  • Ein rotes Kreuz, das sein Schicksal besiegelt.

    Ein rotes Kreuz, das sein Schicksal besiegelt.

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    3–4 Minuten

    Sasha Filipenko | Rote Kreuze. Ein Roman Sachbücher mag ich eher selten. Lieber ist es mir, Wissen aus fundiert recherchierten Romanen zu sammeln. Da geschieht meist eher unbewusst, leicht und nachhaltiger, weil ich für dieses dann eine Verknüpfung habe. Wie viel man für sich mitnehmen kann, hängt vom Lesestoff ab. Das Buch, welches ich hier…

  • Frühling | Christoph Kuhn

    Frühling | Christoph Kuhn

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    1–2 Minuten

    Das Gedicht von Christoph Kuhn spielt mit ungewöhnlichen Perspektiven auf den Frühling und nutzt dabei Sprachbilder, die Bewegung und Veränderung betonen. Meine Annäherung an den Text: „die bäume ausgebrochen über nacht“– Das Bild des „Ausbruchs“ suggeriert eine plötzliche, fast revolutionäre Veränderung. Der Frühling kommt nicht allmählich, sondern scheint explosionsartig zu geschehen. Es erinnert an das…

  • Christoph Kuhn

    Christoph Kuhn

    Christoph Kuhn, geboren am 27. Mai 1951 in Dresden, ist ein deutscher Schriftsteller mit einem außergewöhnlichen Werdegang. Vor seiner literarischen Karriere absolvierte er zunächst eine Ausbildung zum Augenoptiker – von 1977 bis 1980 studierte er Augenoptik in Jena und arbeitete bis 1989 in Augenkliniken in Dresden und Halle. Parallel dazu legte er ab 1984 ein…

  • Udo Degener

    Udo Degener

    „Meine Gedichte sind kleine Bestände im Warenlager der Poesie.“ Mit dieser Setzung beschreibt Udo Degener in Poesiealbum 244 eine Poetik, die auf Umlauf, Begrenzung und Gebrauch zielt. Die Gedichte erscheinen nicht als auratische Einzelstücke, sondern als Bestand, Material, Versuch. Die wiederholte Formel „Meine Gedichte sind“ erzeugt dabei keine Definition, sondern eine Abfolge von Verschiebungen: vom…

  • Lyriksammlung „Poesiealbum“

    Lyriksammlung „Poesiealbum“

    Die Lyrikreihe „Poesiealbum“ wurde 1967 in der DDR vom Dichter und Lektor Bernd Jentzsch im Verlag Neues Leben gegründet. Dieser Verlag gehörte zur FDJ (Freie Deutsche Jugend) und unterstand deren politischer Aufsicht. Die Idee war, Lyrik einem breiten Publikum zugänglich zu machen und sie „unters Volk“ zu bringen. Die Hefte kosteten sehr günstige 90 DDR-Pfennig…

  • Kurt Marti | Zärtlichkeit und Schmerz

    Kurt Marti | Zärtlichkeit und Schmerz

    «Jeder Terror rechtfertigt sich mit objektiver Notwendigkeit. Um so mehr gilt es, unbeirrt subjektiv zu sein.» Kurt Marti Dieses Buch von Kurt Marti aus dem Jahre 1979 trägt den Titel : Zärtlichkeit und Schmerz | Notizen. Die Formulierung wirkt auf eine überraschende, fast provokative Art emotional und subjektiv, was umso mehr auffällt, als der Autor sonst…

  • Die leeren Regale des Geistes – Mehrings Frage im digitalen Zeitalter

    Die leeren Regale des Geistes – Mehrings Frage im digitalen Zeitalter

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    3–5 Minuten

    „Was bleibt von den Büchern, wenn die Regale leer sind? Was von den Ideen, wenn ihre Träger vertrieben oder ermordet werden?“ Diese eindringliche Fragen, die Walter Mehring in seinem Werk „Die verlorene Bibliothek“ aufwirft, hallt weit über die dunklen Kapitel der Bücherverbrennungen und Exilierungen des 20. Jahrhunderts hinaus. Sie zielt auf das Wesen von Wissen,…

  • Walter Mehring – Die verlorene Bibliothek

    Walter Mehring – Die verlorene Bibliothek

    in
    2–4 Minuten

    „Die verlorene Bibliothek“ ist mehr als eine nostalgische Rückschau. Es ist eine bittere Reflexion über die Ohnmacht der Literatur angesichts totalitärer Gewalt. Was bleibt von den Büchern, wenn die Regale leer sind? Was von den Ideen, wenn ihre Träger vertrieben oder ermordet werden? Walter Mehring – Chronist des verlorenen Geistes und Mahner der Erinnerung Wer…

  • Øyvind Berg – Schwärze, was ist das?

    Øyvind Berg – Schwärze, was ist das?

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    2–3 Minuten

    Øyvind Bergs Gedicht „Schwärze, was ist das? / Licht in einem ungeöffneten Buch. / Gebärmutterlicht.“ verdichtet in drei Zeilen eine tiefgründige Reflexion über das Verborgene, das Potenzial und den Ursprung von Existenz. Hier meine Annäherung an diesen Text: Schwärze als paradoxer Träger von Licht:Die Frage „Schwärze, was ist das?“ setzt ein, indem sie das scheinbar…

  • Øyvind Berg

    Øyvind Berg

    Øyvind Berg, geboren am 14. Januar 1959 in Oslo, ist ein norwegischer Lyriker, Dramatiker, Schauspieler und Übersetzer. Er studierte Philosophie, Literatur und Ägyptologie an den Universitäten von Bergen und Tromsø und gab 1982 sein literarisches Debüt mit der Gedichtsammlung „Retninger“. Es folgten Werke wie „Barn er et hardt språk“ (1984), „Vitenskap for barn“ (1985) und…

  • Serhij Zhadan | Anarchy in the UKR

    Serhij Zhadan | Anarchy in the UKR

    in
    4–5 Minuten

    »Vergiss die Politik, lies keine Zeitung, geh nicht ins Netz, verweigere deine Stimme[…]« So beginnt der »Linke Marsch«, ein Kapitel aus Serhij Zhadans zweitem Prosaband, dem ein Song der Sex Pistols, Anarchy in the UKR, als Motto dient. Zhadan ist dabei, sich zur stärksten Stimme der jungen ukrainischen Literatur zu entwickeln – und zum Antipoden…

  • Tagtexte – Ille Chamier

    Tagtexte – Ille Chamier

    LektüreNotizen | Knappe biografische Angaben zur Autorin, ansonsten: kein Klappentext, kein Marketingsprech, kein Inhaltsverzeichnis. Lesende sind mit sich und den Texten allein. Das ist gut. Die Tagtexte sind in Lyrikform ; wobei ich nicht weiß, ob der Einzeiler am Anfang bereits ein Gedicht ist. Jedenfalls ist er der Einstieg in eine (zu erzählende) Geschichte. „das…

  • Kultur im deutschen Programm des Radio London während der NS-Zeit

    Kultur im deutschen Programm des Radio London während der NS-Zeit

    Adolf Endler beschreibt in seinem ersten Kapitel „Frühe Kindheit“ eindrücklich das heimliche Hören ausländischer Sender, wobei ihn besonders Radio London faszinierte. Die BBC hatte bereits früh mit fremdsprachigen Sendungen begonnen: Der erste Dienst startete am 3. Januar 1938 auf Arabisch. Ab dem 27. September 1938 folgten Sendungen auf Deutsch, Italienisch und Französisch, die in der kritischen Phase…

  • Adolf Endlers Gedicht „Dies Sirren“

    Adolf Endlers Gedicht „Dies Sirren“

    Adolf Endlers Gedicht „Dies Sirren“ aus dem Jahr 1971 wirkt auf den ersten Blick wie ein surrealistisches Rätsel. Doch hinter der grotesken Szenerie dieser nur vier Zeilen verbirgt sich eine vielschichtige Auseinandersetzung mit historischen Traumata und politischer Ohnmacht. Basierend auf biografischen und literaturkritischen Quellen, bietet es Einblicke in ein rätselhaftes Meisterwerk, das zu den Schlüsseltexten…

  • Lessings Emilia Galotti

    Lessings Emilia Galotti

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    3–5 Minuten

    Stellen Sie sich vor, Sie reisen zurück ins Jahr 1772. Perücken zählen zur vorherrschenden Mode, Kutschen sind das vorrangige Fortbewegungsmittel, und in den Salons wird leidenschaftlich über Vernunft und Macht debattiert. Mitten in dieser Epoche des geistigen Umbruchs – der Aufklärung – verfasst Gotthold Ephraim Lessing ein Drama, das die zeitgenössische Gesellschaft wie ein Spiegelbild…

  • Otto F. Walter – Wie wird Beton zu Gras

    Otto F. Walter – Wie wird Beton zu Gras

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    3–5 Minuten

    Otto F. Walters Roman Wie wird Beton zu Gras? (erstmals 1979 erschienen, hier in der Rororo-Taschenbuchausgabe von 1988 vorliegend) wird zur ökologischen Literaturbewegung der späten 1970er Jahre gezählt. Im Zentrum steht der Stadtplaner Viktor B., ein zerrissener Antiheld, der täglich an der Transformation natürlicher Landschaften in betonierte Stadt- und Industrieflächen mitwirkt. Sein Beruf steht im fundamentalen Konflikt mit seinem wachsenden…

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