Gegen das Kind als Postpaket | Beim Lesen eines kurzen Prosatextes über Kindheit „um 1960“ stellt sich ein unmittelbarer Impuls ein: Man möchte widersprechen. Nicht einer Meinung – sondern einem Bild. Der Text zählt auf, was einem Kind zugeschrieben wurde: dass man es „nichts fragen“ müsse, dass ihm „kein eigener Wille“ zugestanden wird, dass es brav, leise und unauffällig zu sein habe, „wie ein Postpaket“ einfach mitläuft. Die Sätze tragen sich selbst, bis sie sich fast im Kreis drehen: weil es so ist, warum.
Die Sprache bleibt nüchtern. Keine Empörung, kein Kommentar. Gerade dadurch entsteht Widerstand. Der Text ist kein Selbstgespräch. Er stellt ein Bild aus – und überlässt es den Lesenden, darauf zu reagieren. Man spürt den Stillstand, das Vorgegebene, die Erwartungen, die sich nicht erklären, nur auflisten lassen.
Heute, mit zeitlichem Abstand, wirkt dieses Bild auf neue Weise. Die 1960er Jahre liegen weit zurück, und Menschen, die damals Kinder waren, haben begonnen, ihre Erfahrungen aufzuschreiben. Erinnerungen berichten von kleinen Freiheiten, vom Mitlaufen, von Anpassung und von dem, was im Schweigen blieb. Viele Kinder sollten funktionieren, Gehorsam war selbstverständlich, eigene Wünsche hatten kaum Raum. Wer damals widersprach, riskierte Sanktionen – ein stummer Spiegel von gesellschaftlicher Norm und autoritärer Erziehung.
Auch heute klingt der Text noch nach – und doch ist Kindheit anders geworden. Wer ihn liest, spürt vielleicht die Regeln, die einst selbstverständlich waren: leise sein, sich einfügen, keinen eigenen Willen zeigen. Damals liefen Kinder mit, sie passten sich an, sprachen nicht, wo man Schweigen erwartete. Erinnerungen von Menschen, die in dieser Zeit aufwuchsen, erzählen von kleinen Freiheiten, von Anpassung und vom stillen Mitlaufen. Für heutige Leserinnen und Leser entsteht daraus ein leiser Spiegel: Ein Bild von Kindheit, das überraschend fremd wirkt, und doch auch Fragen weckt – wie war es bei dir? Welche stummen Regeln hast du gespürt, welche Freiheiten entdeckt? Die Stimmen der Vergangenheit schwingen nach, öffnen den Raum für Erinnerung und Reflexion, ohne dass irgendjemand etwas beweisen muss.
Vielleicht erklärt sich von hier aus auch die Bedeutung literarischer Kinderfiguren, die sich diesem Bild entziehen. Figuren wie Pippi Langstrumpf oder die rote Zora entschuldigen sich nicht für ihre Existenz, sie widersprechen, sie gehen eigene Wege. Max und Moritz markieren auf ihre Weise die Grenzen dessen, was erlaubt war, während Michel, Ronja oder Madita zeigen, dass Kindheit immer auch ein Raum für Einspruch sein kann. Diese Figuren widerlegen den beschriebenen Zustand nicht. Sie markieren nur, was im normativen Bild keinen Platz hatte: den Einspruch, die Freiheit, die Stimme des Kindes.
Der Text von Elisabeth Wesuls bleibt Ausgangspunkt und verdichtet, ohne zu erklären. Die literarischen Figuren antworten ihm auf ihre Weise, die Erinnerungen aus Biografien sprechen zurück. Und vielleicht ist genau darin die Stärke: Lesen heißt dann nicht nur verstehen, sondern weiterdenken, nachfragen, zuhören – still, aber aktiv.
Elisabeth Wesuls – Was ein Kind ist, um 1960 (Eine Miniatur)
Erschienen in:
Blassgrau wie Tauben | Miniaturen von 1979 bis 2022
Mit 8 Zeichnungen von Sabine Peuckert
Molokko Print 166 | 2023
ISBN 978-3-948750-71-8
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Gioconda Bellis Maurenlegende. Moderne Version
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2–3 MinutenIch sehe von fern das Land, das ich verließ. Ich beweine als Frau, was ich als Mann nicht zu verteidigen wusste. Die historische Vorlage: Der Seufzer des Mauren Dieses kurze, aber kraftvolle Gedicht von Gioconda Belli nimmt Bezug auf eine der bekanntesten Erzählungen der spanischen Geschichte: die Legende vom „Seufzer des Mauren“ (el suspiro del…
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Himbeeren – Valerie Zichy
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4–6 MinutenHIMBEEREN das hier ist autofiktion. das ich hier ist autofiktion. das ich hinter diesem text isst gerne himbeeren. das ich hat oft ein schlechtes gewissen. und regelschmerzen. das ich trinkt heiße schokolade. das ich ist fiktiv. das ich ist ich und das ich ist nicht ich. das ich ist babysitterin. das ich zieht über-all die…
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Linda Gundermann: „Bindungsstil“ – Wenn Psychologie auf Herzschmerz trifft
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3–4 MinutenManchmal landet man durch Zufall bei einem Lied, das einen nicht mehr loslässt. Bei mir war es eine Recherche zu Grit Lemkes Kinder von Hoy, die mich über den Singeklub Hoyerswerda zu Gundi und schließlich zu ihrer Tochter Linda Gundermann führte. Ihr Lied „Bindungsstil“ ist mir dabei begegnet – und ich höre es seitdem immer…
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Jane Wels‘ Sandrine
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3–4 MinutenErinnerungen sind selten linear. Sie flackern, tauchen auf, verschwimmen, brechen ab – und genau dieses Flirren liegt im Text über Sandrine. Ein weibliches Ich spricht, nicht in klaren Linien, sondern in Schichten und Sprüngen. „Ihr Atem ist so leise wie ein Hauch Gänsedaunen.“ Zeit scheint stillzustehen, nur um im nächsten Moment „ein Hüpfspiel“ zu werden.…
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Aus dem Reifen treten – Lyrik von Nathalie Schmid
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5–7 MinutenAbstammung bedeutet nicht nurvon Männern über Männer zu Männern.Abstammung bedeutet auchmeine Gewaltgegen mich eine Hetze.Abstammung: Immer nochaus Sternenstaub gemacht. Immer nochsehr komplex. Immer nochauf die Spur kommend.Abstammung im Sinne von:Ring um den Hals eher auf Schulterhöheein loser Reifen. Ein Reifenden man fallen lassen kannaus ihm hinaustreten und sagen:Das ist mein Blick. Das ist meine Zeit.Das…
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BECKENENDLAGE – Kathrin Niemela
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3–4 MinutenWenn Wasser zur Hinrichtungsstätte wird – Eine Annäherung an das Gedicht „Beckenendlage“ von Kathrin Niemela | Der Titel klingt nach Krankenhaus, nach Ultraschall und besorgten Hebammen: „Beckenendlage“ – ein geburtshilflicher Fachbegriff für eine riskante Position des Kindes im Mutterleib. Doch Kathrin Niemelas Gedicht führt nicht in den Kreißsaal. Es führt ins Wasser. Ins Ertränkungsbecken. Drekkingarhylur:…
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Er im Dialog mit Sandrines fragmentarischen Erinnerungen
Lesezeit:
1–2 MinutenSandrine, dein Atem ist Gänsedaunen. Meiner stockt beim Lesen, wird zu Stein in der Brust. Während du die kommenden Verheerungen spürst, taste ich mich an bereits vergangene heran. Deine Zeit friert in stehenden Gewässern – meine fließt linear fort, Datum für Datum, wie Perlen auf einer Schnur aufgereiht. Vielleicht ist das der Unterschied. Du schreibst…
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Schief gewickelt, wie ich bin! – Herausgelesen
Lesezeit:
2–3 MinutenEs ist unbefriedigend, etwas teilen zu wollen, was man nicht direkt zeigen kann. Wie in diesem Fall: „Schief gewickelt, wie ich bin!“ Frottage mit Zeichnung von Ille Chamier. Daher habe ich versucht festzuhalten was ich dem Bild entlockt habe: Falsche Schritte? Sie steht da, ein Knoten aus Linien und Schatten,geformt aus Plänen, die nie so…
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Süleyman I. & Roxelane | Liebesbekundungen
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3–5 MinutenAus einem Liebesbrief an den Sultan und seine poetische Widmung an Roxelane Während seiner Feldzüge ließ Sultan Süleyman I. (1494 – 1566) keinen Moment aus, um seiner geliebten Hürrem [Roxelane], die im Schloss auf ihn wartete, Briefe und Gedichte zu schreiben. Diese verliehen Hürrem Kraft und Hoffnung auf ein Wiedersehen. Auch ihre Antworten drückten leidenschaftliche Sehnsucht…
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Safiye Can – Aussicht auf Leben und Gleichberechtigung
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2–3 MinutenDas Gedicht im Wortlaut (gekürzt):„Frauen / kauft von Frauen / lest von Frauen // […] / bildet eine Faust / werdet laut! // […] / Die Welt muss lila werden.“ Entnommen dem Lyrikband Poesie und PANDEMIE von Safiya Can | Wallstein Verlag 2021 Was steht da?Die Autorin richtet sich in direkter Ansprache an Frauen. In…
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Ille Chamier – Lied 76
Lesezeit:
2–3 MinutenEine Annäherung | Ille Chamiers Gedicht „Lied 76“ aus den 1970er Jahren erzählt von einer Frau, die zwischen patriarchalen Erwartungen und eigener Ohnmacht gefangen ist. Ihr Mann schickt sie mit dem unmöglichen Auftrag aufs Feld, „Stroh zu Gold zu spinnen“ – eine bittere Anspielung auf das Rumpelstilzchen-Märchen. Doch anders als im Märchen gibt es hier…
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Fünf Teller. / Fünf Hemden. / Fünf Sätze. / Keiner ganz.
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1–2 MinutenIlle Chamiers Stil ist schwer zu imitieren – weil er nicht nur Technik, sondern eine Haltung ist. Ihre Sprache wirkt wie gehämmertes Geröll: kantig, verdichtet, mit plötzlichen Bildsprüngen. Ein Gedicht zum Thema „Sorgearbeit und Schreiben“ hätte bei ihr möglicherweise so geklungen: Mögliche Stilmerkmale (rekonstruiert aus ihren Texten): Lakonische Präzision:Nicht:„Die Last der unendlichen Pflichten drückt mich…
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Ille Chamier – Am Tag, als ich hinfuhr, zum Treffen schreibender Frauen…
Lesezeit:
2–3 MinutenDie Erzählung „Am Tag, als ich hinfuhr, zum Treffen schreibender Frauen…“ (erschienen in Courage – Berliner Frauenzeitung, Juli 1979) offenbart scharfe gesellschaftskritische und feministische Positionen: Die Last der unsichtbaren Arbeit Ille Chamier beschreibt minutiös, wie Care-Arbeit (Kinderbetreuung, Haushalt) ihr Schreiben behindert. Bevor sie zum Frauentreffen aufbrechen kann, muss sie ein komplexes Netz aus Versorgungsaufgaben organisieren:…
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Feministische Lyrik nach 1945 | Eine historische Annäherung
Lesezeit:
6–9 MinutenIch zeichne hier eine Entwicklung nach: Wie Dichterinnen sich im deutschsprachigen Raum nach 1945 zurückholten, was ihnen zustand – sprachlich, politisch und ästhetisch. Sie beginnt nicht erst mit der Neuen Frauenbewegung der 1970er Jahre, sondern wurzelt tief in den Trümmerlandschaften der Nachkriegszeit, wo Dichterinnen begannen, neue Formen des Sprechens zu finden. Es ist die Geschichte…
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Einzeltäter – Gedicht von Safiye Can
Lesezeit:
2–3 MinutenDas Gedicht „Einzeltäter“ nutzt die intensive Wiederholung des Titelmotivs, um eine vielschichtige Deutungsebene zu eröffnen. Hier eine Analyse der zentralen Aspekte: Form und Struktur Wiederholung als Stilmittel: Die ständige Wiederholung von „Einzeltäter“ und Phrasen wie „noch ein“ oder „nur ein“ erzeugt eine rhythmische Monotonie. Dies spiegelt möglicherweise die endlose Wiederkehr des Phänomens oder die gesellschaftliche…
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Körper als Archiv
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2–3 MinutenIn Annette Hagemanns „MEINE ERBSCHAFT IST DIESE“ offenbart sich der Körper als ein vielschichtiges Archiv, in dem die Spuren der Herkunft auf ebenso subtile wie prägnante Weise gespeichert sind. Vordergründig scheinen die Erbschaften des lyrischen Ichs in ihrer Konkretheit begrenzt: die spezifische „Form der Röte auf den Wangen“, ein genetisches Vermächtnis der Mutter, das den…
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Annette Hagemann – MEINE ERBSCHAFT IST DIESE
Lesezeit:
1–2 MinutenAnnette Hagemanns Gedicht „MEINE ERBSCHAFT IST DIESE“ setzt sich behutsam mit dem ambivalenten Erbe familialer Prägung auseinander. Die scheinbar willkürlichen Relikte, die das lyrische Ich von den Eltern übernimmt – die spezifische Röte der Wangen der Mutter, eine deformierte Jazzplatte aus New York, ein unscheinbarer Koi des Vaters –, erscheinen zunächst als marginale Alltagsfragmente. Doch…
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Himbeeren – Valerie Zichy
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4–6 MinutenHIMBEEREN das hier ist autofiktion. das ich hier ist autofiktion. das ich hinter diesem text isst gerne himbeeren. das ich hat oft ein schlechtes gewissen. und regelschmerzen. das ich trinkt heiße schokolade. das ich ist fiktiv. das ich ist ich und das ich ist nicht ich. das ich ist babysitterin. das ich zieht über-all die…
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Ille Chamier und Stella Avni
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2–3 MinutenIm Zentrum von Ille Chamiers Gedicht steht die Figur der Schauspielerin Stella Avni – eine heute nahezu vergessene Künstlerin, deren Lebensspuren sich nur rudimentär rekonstruieren lassen. Gesichert ist: Sie wurde 1921 im damals rumänischen Czernowitz (Bukowina) geboren, jener multikulturellen Stadt, aus der auch Paul Celan und Rose Ausländer hervorgingen. Stella Avni war jüdischer Herkunft und…
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Unbeirrt subjektiv sein
Lesezeit:
4–6 MinutenEin literarischer Essay zu Kurt Martis Subjektivität „Jeder Terror rechtfertigt sich mit objektiver Notwendigkeit. Um so mehr gilt es, unbeirrt subjektiv zu sein.“ – Kurt Marti Was soll das heißen – „unbeirrt subjektiv sein“? Ist Subjektivität nicht genau das, was wir in rationalen Diskursen zu überwinden suchen? Je länger ich über Martis Worte nachdenke, desto…
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Er im Dialog mit Sandrines fragmentarischen Erinnerungen
Lesezeit:
1–2 MinutenSandrine, dein Atem ist Gänsedaunen. Meiner stockt beim Lesen, wird zu Stein in der Brust. Während du die kommenden Verheerungen spürst, taste ich mich an bereits vergangene heran. Deine Zeit friert in stehenden Gewässern – meine fließt linear fort, Datum für Datum, wie Perlen auf einer Schnur aufgereiht. Vielleicht ist das der Unterschied. Du schreibst…
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Schief gewickelt, wie ich bin! – Herausgelesen
Lesezeit:
2–3 MinutenEs ist unbefriedigend, etwas teilen zu wollen, was man nicht direkt zeigen kann. Wie in diesem Fall: „Schief gewickelt, wie ich bin!“ Frottage mit Zeichnung von Ille Chamier. Daher habe ich versucht festzuhalten was ich dem Bild entlockt habe: Falsche Schritte? Sie steht da, ein Knoten aus Linien und Schatten,geformt aus Plänen, die nie so…
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Süleyman I. & Roxelane | Liebesbekundungen
Lesezeit:
3–5 MinutenAus einem Liebesbrief an den Sultan und seine poetische Widmung an Roxelane Während seiner Feldzüge ließ Sultan Süleyman I. (1494 – 1566) keinen Moment aus, um seiner geliebten Hürrem [Roxelane], die im Schloss auf ihn wartete, Briefe und Gedichte zu schreiben. Diese verliehen Hürrem Kraft und Hoffnung auf ein Wiedersehen. Auch ihre Antworten drückten leidenschaftliche Sehnsucht…
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Heil
Lesezeit:
2–3 MinutenAnnähernd gelesen | Ilse Chamiers Gedicht reflektiert ihre Erfahrungen als Kindergartenkind im nationalsozialistischen Deutschland. Dabei verbindet sie Erinnerungen an Rituale, religiöse Erziehung und Kriegsrealität zu einer erschütternden Collage – ruhig im Ton, aber tiefgründig in der Aussage. Die sprachliche Einfachheit kontrastiert mit der Komplexität des Erlebten. Politische und religiöse Rituale – Spiegelungen von Macht Schon…
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Das erste Buch: Eine Anthologie über literarische Debüts
Lesezeit:
2–3 MinutenRenatus Deckerts „Das erste Buch. Schriftsteller über ihr literarisches Debüt“, erschienen 2007 im Suhrkamp Verlag, ist eine Anthologie, die sich der Bedeutung des ersten veröffentlichten Werks von Autoren widmet. Für dieses Projekt bat Deckert fast einhundert deutschsprachige Schriftstellerinnen und Schriftsteller, ihre Gedanken und Erfahrungen zu ihrem Debüt in einem Text zu formulieren, oft Jahrzehnte nach…
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Ein rotes Kreuz, das sein Schicksal besiegelt.
Lesezeit:
3–4 MinutenSasha Filipenko | Rote Kreuze. Ein Roman Sachbücher mag ich eher selten. Lieber ist es mir, Wissen aus fundiert recherchierten Romanen zu sammeln. Da geschieht meist eher unbewusst, leicht und nachhaltiger, weil ich für dieses dann eine Verknüpfung habe. Wie viel man für sich mitnehmen kann, hängt vom Lesestoff ab. Das Buch, welches ich hier…
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Kurt Marti | Zärtlichkeit und Schmerz
Lesezeit:
4–6 Minuten«Jeder Terror rechtfertigt sich mit objektiver Notwendigkeit. Um so mehr gilt es, unbeirrt subjektiv zu sein.» Kurt Marti Dieses Buch von Kurt Marti aus dem Jahre 1979 trägt den Titel : Zärtlichkeit und Schmerz | Notizen. Die Formulierung wirkt auf eine überraschende, fast provokative Art emotional und subjektiv, was umso mehr auffällt, als der Autor sonst…
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Otto F. Walter – Wie wird Beton zu Gras
Lesezeit:
3–5 MinutenOtto F. Walters Roman Wie wird Beton zu Gras? (erstmals 1979 erschienen, hier in der Rororo-Taschenbuchausgabe von 1988 vorliegend) wird zur ökologischen Literaturbewegung der späten 1970er Jahre gezählt. Im Zentrum steht der Stadtplaner Viktor B., ein zerrissener Antiheld, der täglich an der Transformation natürlicher Landschaften in betonierte Stadt- und Industrieflächen mitwirkt. Sein Beruf steht im fundamentalen Konflikt mit seinem wachsenden…
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Wenn die Hände denken.
Lesezeit:
4–6 MinutenDu musst deinem Leben Hände geben. Das Gedicht „RATLOS„von Jürgen Völkert-Marten schlägt mir entgegen wie eine kalte Wand. Eine Litanei des Erstickens: Strick. Pistole. Schlaftabletten. Eine Aufzählung von Auswegen, die keine sind, sondern Sackgassen, Abgründe. Ausreißen. Neu anfangen. Schluß machen. Leben fortwerfen. Die Verzweiflung ist greifbar in ihrer sprachlichen Kargheit. Keine Bilder, nur nackte Substantive, Verben des Endens oder…
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Kurt Schumacher – Fallender
Lesezeit:
6–8 MinutenDer Bildhauer Kurt Schumacher (1905-1942) schuf eine männliche Figur im Moment des Falls. (Im Stil des Expressionismus?) aufgerichtet und die Arme emporreißend, zeigt die Skulptur eine tiefe Wunde in Herzhöhe. Aus ihr strömt Blut, das sich wie ein stilisiertes Gewand um die Hüften legt, die Scham des nackten Körpers bedeckt und an den Beinen hinunterfließt.…
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Widerstand als ethische Grammatik
Lesezeit:
2–3 MinutenErgänzung zu Kurt Schumachers Fallender | Einige zeitgenössische Texte und künstlerische Positionen, die Kurt Schumachers Skulptur und den Widerstandsgedanken neu reflektieren. Hier eine Auswahl mit Schwerpunkt auf jüngeren Werken (ab 2000): Widerstand als ethische Grammatik Uwe Kolbe: „Der Gott der Frechheit“ (2021)Kolbes Gedichtzyklus verbindet historische Widerstandsfiguren mit aktuellen Protestformen. Die Zeile „Die aufrechte Krümmung des…
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Fast verlorene Stimmen
Lesezeit:
2–3 MinutenImmer wieder beschäftigt mich: Wie kann ich als Blogger einen wirklich essenziellen Beitrag zur Erinnerungskultur leisten? Mein Weg führt mich dahin, das künstlerische Potential der Ermordeten sichtbar zu machen. Kurt Schumacher ist für mich dabei mehr als ein Beispiel – er ist ein Schlüssel. Ich möchte verlorene Kunstwerke als kulturelle Leerstellen begreifbar machen. Nehmen wir Schumachers „Der Stürzende“ (1935).…
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Im Gedenken auf Distanz
Lesezeit:
2–3 MinutenGedenkstätten für Opfer des Nationalsozialismus und anderer Verbrechen verwenden vielfältige, oft mehrschichtige Methoden des Erinnerns, die sich aus ihrer Funktion als Orte der Trauer, Bildung und historischen Dokumentation ergeben. Die folgenden Ansätze basieren auf aktuellen Konzepten der Gedenkkultur und dienen mir als Orientierung, mich mit diesem komplexen Materielle Spuren und bauliche Zeugnisse Authentische Relikte: Konservierte…
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Renatus Deckert – Plötzensee
Lesezeit:
2–4 MinutenDas Gedicht beschreibt den Besuch eines Ortes, der als Hinrichtungsstätte diente. Der Raum wird sachlich geschildert: Unter der Decke sind Haken und ein schwarzer Balken sichtbar. Die kahlen, grauen Wände umschließen eine leere Stille, in die man vorsichtig hineintritt. Diese Stille wird als drückend beschrieben – wie Steine auf der Zunge oder ein einhüllender Rauch.…


