Elisabeth Wesuls – Was ein Kind ist, um 1960

Gegen das Kind als Postpaket | Beim Lesen eines kurzen Prosatextes über Kindheit „um 1960“ stellt sich ein unmittelbarer Impuls ein: Man möchte widersprechen. Nicht einer Meinung – sondern einem Bild. Der Text zählt auf, was einem Kind zugeschrieben wurde: dass man es „nichts fragen“ müsse, dass ihm „kein eigener Wille“ zugestanden wird, dass es brav, leise und unauffällig zu sein habe, „wie ein Postpaket“ einfach mitläuft. Die Sätze tragen sich selbst, bis sie sich fast im Kreis drehen: weil es so ist, warum.

Die Sprache bleibt nüchtern. Keine Empörung, kein Kommentar. Gerade dadurch entsteht Widerstand. Der Text ist kein Selbstgespräch. Er stellt ein Bild aus – und überlässt es den Lesenden, darauf zu reagieren. Man spürt den Stillstand, das Vorgegebene, die Erwartungen, die sich nicht erklären, nur auflisten lassen.

Heute, mit zeitlichem Abstand, wirkt dieses Bild auf neue Weise. Die 1960er Jahre liegen weit zurück, und Menschen, die damals Kinder waren, haben begonnen, ihre Erfahrungen aufzuschreiben. Erinnerungen berichten von kleinen Freiheiten, vom Mitlaufen, von Anpassung und von dem, was im Schweigen blieb. Viele Kinder sollten funktionieren, Gehorsam war selbstverständlich, eigene Wünsche hatten kaum Raum. Wer damals widersprach, riskierte Sanktionen – ein stummer Spiegel von gesellschaftlicher Norm und autoritärer Erziehung.

Auch heute klingt der Text noch nach – und doch ist Kindheit anders geworden. Wer ihn liest, spürt vielleicht die Regeln, die einst selbstverständlich waren: leise sein, sich einfügen, keinen eigenen Willen zeigen. Damals liefen Kinder mit, sie passten sich an, sprachen nicht, wo man Schweigen erwartete. Erinnerungen von Menschen, die in dieser Zeit aufwuchsen, erzählen von kleinen Freiheiten, von Anpassung und vom stillen Mitlaufen. Für heutige Leserinnen und Leser entsteht daraus ein leiser Spiegel: Ein Bild von Kindheit, das überraschend fremd wirkt, und doch auch Fragen weckt – wie war es bei dir? Welche stummen Regeln hast du gespürt, welche Freiheiten entdeckt? Die Stimmen der Vergangenheit schwingen nach, öffnen den Raum für Erinnerung und Reflexion, ohne dass irgendjemand etwas beweisen muss.

Vielleicht erklärt sich von hier aus auch die Bedeutung literarischer Kinderfiguren, die sich diesem Bild entziehen. Figuren wie Pippi Langstrumpf oder die rote Zora entschuldigen sich nicht für ihre Existenz, sie widersprechen, sie gehen eigene Wege. Max und Moritz markieren auf ihre Weise die Grenzen dessen, was erlaubt war, während Michel, Ronja oder Madita zeigen, dass Kindheit immer auch ein Raum für Einspruch sein kann. Diese Figuren widerlegen den beschriebenen Zustand nicht. Sie markieren nur, was im normativen Bild keinen Platz hatte: den Einspruch, die Freiheit, die Stimme des Kindes.

Der Text von Elisabeth Wesuls bleibt Ausgangspunkt und verdichtet, ohne zu erklären. Die literarischen Figuren antworten ihm auf ihre Weise, die Erinnerungen aus Biografien sprechen zurück. Und vielleicht ist genau darin die Stärke: Lesen heißt dann nicht nur verstehen, sondern weiterdenken, nachfragen, zuhören – still, aber aktiv.

Elisabeth Wesuls – Was ein Kind ist, um 1960 (Eine Miniatur)
Erschienen in:
Blassgrau wie Tauben | Miniaturen von 1979 bis 2022
Mit 8 Zeichnungen von Sabine Peuckert
Molokko Print 166 | 2023
ISBN 978-3-948750-71-8

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    Wenn die Hände denken.

    Du musst deinem Leben Hände geben. Das Gedicht „RATLOS„von Jürgen Völkert-Marten schlägt mir entgegen wie eine kalte Wand. Eine Litanei des Erstickens: Strick. Pistole. Schlaftabletten. Eine Aufzählung von Auswegen, die keine sind, sondern Sackgassen, Abgründe. Ausreißen. Neu anfangen. Schluß machen. Leben fortwerfen. Die Verzweiflung ist greifbar in ihrer sprachlichen Kargheit. Keine Bilder, nur nackte Substantive, Verben des Endens oder…

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    Kurt Schumacher – Fallender

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    Der Bildhauer Kurt Schumacher (1905-1942) schuf eine männliche Figur im Moment des Falls. (Im Stil des Expressionismus?) aufgerichtet und die Arme emporreißend, zeigt die Skulptur eine tiefe Wunde in Herzhöhe. Aus ihr strömt Blut, das sich wie ein stilisiertes Gewand um die Hüften legt, die Scham des nackten Körpers bedeckt und an den Beinen hinunterfließt.…

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    Widerstand als ethische Grammatik

    in
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    Ergänzung zu Kurt Schumachers Fallender | Einige zeitgenössische Texte und künstlerische Positionen, die Kurt Schumachers Skulptur und den Widerstandsgedanken neu reflektieren. Hier eine Auswahl mit Schwerpunkt auf jüngeren Werken (ab 2000): Widerstand als ethische Grammatik Uwe Kolbe: „Der Gott der Frechheit“ (2021)Kolbes Gedichtzyklus verbindet historische Widerstandsfiguren mit aktuellen Protestformen. Die Zeile „Die aufrechte Krümmung des…

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    Fast verlorene Stimmen

    in
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    Immer wieder beschäftigt mich: Wie kann ich als Blogger einen wirklich essenziellen Beitrag zur Erinnerungskultur leisten? Mein Weg führt mich dahin, das künstlerische Potential der Ermordeten sichtbar zu machen. Kurt Schumacher ist für mich dabei mehr als ein Beispiel – er ist ein Schlüssel. Ich möchte verlorene Kunstwerke als kulturelle Leerstellen begreifbar machen. Nehmen wir Schumachers „Der Stürzende“ (1935).…

  • Im Gedenken auf Distanz

    Im Gedenken auf Distanz

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    Gedenkstätten für Opfer des Nationalsozialismus und anderer Verbrechen verwenden vielfältige, oft mehrschichtige Methoden des Erinnerns, die sich aus ihrer Funktion als Orte der Trauer, Bildung und historischen Dokumentation ergeben. Die folgenden Ansätze basieren auf aktuellen Konzepten der Gedenkkultur und dienen mir als Orientierung, mich mit diesem komplexen Materielle Spuren und bauliche Zeugnisse Authentische Relikte: Konservierte…

  • Bodenhaftung

    Bodenhaftung

    in , ,
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    Bodenhaftung – das meint hier: Sich nicht von der Vergangenheit abheben lassen. Den Boden unter den Füßen spüren, auf dem andere einmal standen. Oder verschwanden. Literatur, die sich dieser Schwerkraft stellt. Die nicht nur erinnert, sondern haftbar bleibt. Bisher gelesene Texte

  • Renatus Deckert – Plötzensee

    Renatus Deckert – Plötzensee

    Das Gedicht beschreibt den Besuch eines Ortes, der als Hinrichtungsstätte diente. Der Raum wird sachlich geschildert: Unter der Decke sind Haken und ein schwarzer Balken sichtbar. Die kahlen, grauen Wände umschließen eine leere Stille, in die man vorsichtig hineintritt. Diese Stille wird als drückend beschrieben – wie Steine auf der Zunge oder ein einhüllender Rauch.…

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