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Eine Frage des Glaubens

Glauben heißt Vertrauen, und im Vertrauen bezeugt sich die Wirklichkeit dessen, worauf wir hoffen. Das, was wir jetzt noch nicht sehen: im Vertrauen beweist es sich selbst. In diesem Vertrauen haben unsere Vorfahren gelebt und dafür bei Gott Anerkennung gefunden. Durch solches Vertrauen gelangen wir zu der Einsicht, dass…

Wörtlich: Der Glaube ist ein Festsein des Erhofften und ein Beweis der unsichtbaren Dinge. Die verbreitete Deutung: Der Glaube ist eine feste Zuversicht (auf das Erhoffte) und ein Überzeugtsein (von den unsichtbaren Dingen) scheint zwar vom Zusammenhang her passender, ist jedoch von den griechischen Wortbedeutungen her nicht zu rechtfertigen. Der Verfasser will offenbar den festen Grund benennen, der den Glauben trägt und der sich im unerschütterlichen Vertrauen der Glaubenden als dieser tragende Grund bezeugt.

Gefunden habe ich diesen Text in der Gute Nachricht Bibel . [Revidierte Fassung, durchgesehene Ausgabe, © 2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart]

Die persönliche Intention dieses Sudelbuch zu führen entstammt einem Gefühl. Einem ungenauem, das mit der Frage einher geht: woran glaube ich (noch)? Hinzu kommen Erinnerungen aus der Kindheit, dem Zwang durch die Eltern zum Kirchgang, ohne deren Begleitung, die angstvolle Zeit als Messdiener, und den Erzählungen in der Familie zum Umgang mit dem Glauben in der Gemeinschaft. Muss Glauben in der Gemeinschaft stattfinden? Was ist im Glauben wichtiger für den einfachen Mensch, der bzw. die GlaubensvermittlerInnen oder ein/der Gott. Dem möchte ich hier auf den Grund gehen um vielleicht (m)einen Glauben zu finden. Wo auch immer er hingehören mag.

Memo: Zweifel kommen nur dem, der nach Wahrheit fragt. Ich denke und frage aus einem Urvertrauen, dass ich mich nicht verlieren kann, wenn nach Wahrheit suche; auch dann nicht, wenn mir dabei einige Gefäße zerbrechen, in denen vergangene Generationen einmal Wahrheit zu fassen und zu bewahren versuchten.
Ich vertraue darauf, dass ich bei einem Wahrheitssuchenden Nachfragen nicht ins Leere falle, sondern auf einen Grund stoße, der meinen Glauben in gewandelter Gestalt zu tragen vermag.

Alles Lebendige muss immer wieder seine alte Gestalt hinter sich lassen und sich wandeln, um in neuer Gestalt weiterleben zu können. Sonst bleibt es nicht lebendig. Dem Glauben geht es nicht anders.

Nach diversen Gesprächen wage ich eine steile These: Menschen, denen das Urvertrauen fehlt, fällt der innige, aufrichtige, gelebte Glauben an einen G’tt zumindest schwer, wenn es nicht gar unmöglich scheint. Wie denken Sie darüber?

Dieses Sudelbuch ist in Anlehnung an ein Wörterbuch aufgebaut, mit einer Gliederung von A – Z. Allerdings gibt es auch Rezensionen, Bildergalerien, Interviews außerhalb dieser Ordnung.

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Vorn Glauben gehst du aus und kehrst zurück zum Glauben;
Der Zweifel steht am Weg, die Ruhe dir zu rauben.
Gehst du ihm aus dem Weg, – er ist auf allen Wegen,
In anderer Gestalt tritt er dir dort entgegen.
Drum flieh nicht vor dem Feind, und such‘ ihn auch nicht auf;
Wo er dir aufstößt, räum ihn fort aus deinem Lauf!
Bekämpfen mußt du ihn, du mußt ihn überwinden,
Willst du durch sein Gebiet den Weg zur Wahrheit finden.
Du zweifelst nicht, weil du geworden weiser bist;
Zweifel ist die Hüll‘, in der die Frucht soll reifen,
Und die gereifte Frucht wird ihre Hüll‘ abstreifen

Friedrich Rückert (1788 – 1866), deutscher Dichter, Lyriker und Übersetzer arabischer, hebräischer, indischer und chinesischer Dichtung

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