1 069 000 Sonnenweiten entfernt
strahlt er, der hellste Stern
im Sternbild des großen Hundes.
16,9 Jahre braucht sein Licht
bis hierher. Vierzehn Sonnen
ließen sich aus seiner Masse formen.
Die Ägypter warteten auf ihn,
ungeduldig, denn sein Erscheinen
in der Morgendämmerung bedeutete:
der Nil wird steigen, der Segen kommt.
In Griechenland bezeichnete
sein Wiederauftauchen am Osthimmel
die Opora – Obst und Wein reiften,
doch Hippokrates wusste auch:
Gallenkrankheiten herrschten nun.
Einen Monat, vom 23. Juli
bis 23. August. Hundstage.
Im Mittelalter so lästig,
dass vielerorts der Gottesdienst ruhte.
Gelehrte verlegen noch heute
ihre Hauptferien in diese Zeit.
Ob sich bestimmte Krankheiten
des Gemüts und des Körpers
mit Vorliebe unter dem Zeichen
des Hundssterns in uns festsetzen –
wer wollte das mit Gewissheit sagen.
Das Wetter richtet sich nicht
genau nach dem Kalender.
Aber heiße Tage bringt uns
jeder Sommer, und ein Bildchen
der Schweißnoth schien geeignet,
die Sommersaison zu eröffnen.
W.G. Sebald beginnt sein Buch Die Ringe des Saturn mit den Hundstagen, an deren Ausklang er 1992 seine Fußreise durch Suffolk beginnt. Ein Beitrag aus der Illustrierten „Die Gartenlaube“ von 1887 über den Sirius und die historische Bedeutung dieser Tage bot Anlass für diese lyrische Annäherung.
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