Wege die beim Lesen entstehen
Zukunft liest Vergangenheit
Zwei Fotos derselbe Mensch. Einmal siebzehn, einmal kurz vor dem Ende. Manguel schreibt, es sei nicht gesagt, dass man das jüngere Bild dem späteren vorziehen würde. Weil das Wissen um das Ende bereits darin ist. Man schaut auf den Jungen und sieht den Sterbenden mit. Alberto Manguel nennt das: „Der Einfluss der Zukunft auf die Vergangenheit.“
Aber gilt das auch umgekehrt? Vielleicht zieht man das spätere Bild vor – nicht wegen des Verlusts, sondern wegen der Fülle. Weil darin sichtbar ist, was geworden ist.
Gelesen bei Alberto Manguel | Tagebuch eines Lesers
schönstes dunkelgrau
in der ausgabe 301 der horen (faltenwurf: mode — tanja maljartschuk) schreibt bettina wilpert über einen hosenanzug. ich las mich dabei fest — genauer gesagt: ich las falsch. aus trüge wurde trübe, und plötzlich fragte ich mich, wie sich dunkelgrau überhaupt trüben lässt. die frage ließ mich nicht los. daraus ist ein gedicht geworden, und ein aquarell.
Erinnerungskultur?
Ich war auf der Suche nach Büchern. Gefunden habe ich ein Foto.
Es lag auf dem Sandboden einer Bushaltestelle, die hier im Wendland als öffentlicher Bücherschrank fungiert. Ein Abzug, eingerissen, mit Rostflecken – vermutlich von einer Pinnadel. Jemand hatte ihn irgendwann aufgehängt, er gehörte zu etwas. Dann nicht mehr.
LektüreNotizen
Inspiriert von der Praxis des Lesetagebuchs, nutze ich unterschiedliche Formen, um diesen Prozess abzubilden: Skizzen verorten plötzliche Einsichten, Töne halten die Stimmung einer Passage fest, Filme fangen Bewegung ein, wo Worte erstarrten. Form follows function – denn nur so lässt sich erfassen, was beim Lesen geschieht: ein Dialog, der nicht endet.
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Jane Wels – Lilith
Ein Gedicht von Jane Wels – auf Instagram von ihr geteilt – fragt nach einem Raum, in dem Sprache nicht mit Worten angefüllt ist. Das ist keine rhetorische Frage. Es ist eine, die Widerstand leistet gegen schnelle Antworten. Eine Annäherung.…
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Udo Degener – Meine Gedichte sind
Der Text setzt mit einer Wiederholung ein. Jede Zeile beginnt gleich, und doch verschiebt sich der Gegenstand fortlaufend. „Meine Gedichte sind“ markiert keinen festen Besitz, sondern einen Ort, an dem immer wieder neu angesetzt wird. Die Gedichte werden nicht erklärt,…
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Elisabeth Wesuls – Geschichte
Tarnung, Enttarnung und das Unheimliche der Kontinuität. Annähernd gelesen | Beim ersten Lesen von Elisabeth Wesuls Miniatur gibt es diesen Moment des Innehaltens. Fast eine Schrecksekunde. Nicht wegen der historischen Kulisse, nicht wegen der Ideologie. Sondern wegen eines Namens. Zunächst…
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Michael Krüger – 02. Mai 2025
Warum müssen Tiere immer für uns herhalten? Michael Krüger hat in die horen #299 ein neues Gedicht veröffentlicht (datiert/betitelt 2. Mai 2025), und ich hab mich beim Lesen gefragt: Schwalben, Kuckuck, Gras, Wiese – sind das wieder Metaphern für Menschliches?…
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die horen: „Rezept für den täglichen Waldgang“ – Ausgabe 299
Thema: Über Gewohnheiten wie diese Diese Ausgabe widmet sich dem Phänomen der Gewohnheiten im menschlichen Leben. Der Titel stammt von Jürgen Becker, der im November 2024 verstarb und sich zeitlebens intensiv mit Gewohnheiten auseinandersetzte. Die Herausgeber Dagmar Fretter und Christof…
Bewegt (ge)lesen
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ich kann gedichte nicht ausstehen.
ich bin im wald, stehe vor einem innerwald. nach einer intensiven forsternte bildeten sich so viele junge bäume, dass —…
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Kartographie – DIY
Wie kann man selbst visuell erzählen lernen? Wer nach der Lektüre von Kartographie selbst diese Form der Welterschließung ausprobieren möchte,…
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Sikes Kartographie lesen
Wie liest man visuell erzählte Geschichten so, dass sie haften bleiben? Visuelles Erzählen ist keine Verkürzung von Text, sondern eine…
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Ein schöner Satz vorweg.
Über Epigraphen und die Kunst, sie zu überlesen – oder zu nutzen. | Hansjörg Schertenleib, Der Antiquar. Ich blättere die…
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Wenn das Licht den Raum gibt
Am frühen Morgen sah ich im Garten eine vertrocknete Stockrose stehen, unbewegt, unbeirrt. Ein Zimmerlicht fiel schräg von außen auf…
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Literatur aus Fotografien
Bei der Lektüre von John Bergers und Jean Mohrs Eine andere Art zu erzählen stellte sich mir eine Frage: Gibt…
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Autobiografie als Spur
Schreiben jenseits der Erinnerung I. Das Problem mit dem Erinnern Wenn Frank Witzel vom Erinnern als „diffuser und unzureichender Prämisse…
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Schreiben im reinen Präsens. Ein Experiment nach Frank Witzel
Frank Witzel beginnt seinen Text über vergessene, verkannte und verschollene Autoren mit einem Eingeständnis: Der Vorgang des Erinnerns, obwohl er…
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Wolfgang Mattheuer als Erzählanlass – Werkstattbericht
Warum ich zögere | Ich lese Wolfgang Mattheuers Buch Äußerungen und zögere – immer wieder. Nicht, weil mich seine Bilder…
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Exkurs: Weiterarbeiten mit „pont des art“
Fünf Ansätze für aktives Lesen | Nach der Lektüre von Niemelas „pont des arts“ stellte sich mir die Frage: Gibt…
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Sarah Kirschs Gedichte verstehen – Eine Annäherung
Wer zum ersten Mal ein Gedicht von Sarah Kirsch liest, steht oft vor einem Rätsel. Da ist die Rede von…
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lonesome journalist
Eine literarische Spurensuche | Als Kultur- und Literaturblogger begegne ich immer wieder Romanen, die mehr sind als nur fiktive Geschichten…
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Atmen, Handeln, Lesen: Michael Fehr und das bewegte Lesen
Laut gedacht | Ein Plädoyer für das körperliche Erleben von Literatur Der Atem gehört zum Erzählen «In der Schriftkultur haben…
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Lithopoesie – Steine Geschichten erzählen lassen
Steine zu sammeln ist fast alltäglich für mich. Meistens sind diese Fundstücke mehr als Dekorationsobjekte. Irgendwann bin ich auf die…
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Lesen nach Hélène Cixous
Ich greife nach Kafkas Verwandlung,der Einband, vertraut,schon wissend: Gregor, Käfer, Entfremdung. Doch heute steht die erste Zeilewie ein Fremder an…
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Die Kunst des Gesprächs mit dem Gedicht
Eine persönliche Annäherung | Das Lesen von Gedichten ist oft eine intime, manchmal sogar mystische Erfahrung. Anders als ein Roman,…
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Zeilen und Klänge
Eine Handreichung zum Finden von Musik zu Gedichten. Für alle, die glauben, dass ein Gedicht klingen kann – auch nach…

Vielleicht ist es eine Taube.
Keine Stadttaube, eher eine von früher,
eine, die noch weiß, wohin man etwas bringt.
An der Wand bleibt eine Musik zurück,
die nicht mehr trägt.
LiteraturMagazine erkunden
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Poetin #24
1–2 MinutenDie Frühjahrsausgabe 2018 des im Poetenladen Verlags erschienenen Magazins poetin trägt die Nummer 24 und widmet sich auf ihren 216 Seiten dem Gesprächsthema „Literatur und Wasserglas“. Diese Themensetzung nimmt die klassische Autorenlesung in den Blick, bei der traditionell der Vorlesende mit seinem Text im Zentrum steht, oft schlicht begleitet von einem Wasserglas. Die Redaktion um…
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![[kɔn] Paper](https://ersatzgestalt.de/wp-content/uploads/2025/05/kon-paper-literatur-magazin-scaled.jpg)
[kɔn] Paper
1–2 MinutenDas [kɔn] Paper ist ein innovatives Literatur- und Kulturmagazin, das verschiedene Textformen wie Essays, Artikel und poetische Texte in einen neuen Kontext setzt. Diese Texte, die klassischerweise in unterschiedlichen Medien wie Büchern oder Zeitungen veröffentlicht werden und selten gemischt auftreten, finden im [kɔn] Paper zusammen. Das Design des Magazins integriert Elemente des klassischen Zeitungs- und…
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WORTSCHAU 31 Menschen:Bilder
4–6 MinutenDie Ausgabe 31 der WORTSCHAU trägt den Titel „Menschen:Bilder“ und umfasst 66 Seiten. Die Herausgeber Johanna Hansen und Wolfgang Allinger beschreiben sie als ungewöhnlich umfangreich. Das Konzept: Dichtung trifft Fotografie Die Ausgabe hebt zwei Hauptakteurinnen besonders hervor: Annette Hagemann als Dichterin und Li Erben als Fotografin. Li Erben lernte Johanna Hansen während des Lindauer Literaturfrühlings…
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Volk und Welt – „Erkundungen“
6–8 MinutenDie Buchreihe „Erkundungen“ – Ein Fenster zur Weltliteratur von der DDR aus gesehen | Zwischen 1966 und 1996 erschienen im Ost-Berliner Verlag Volk und Welt 64 schmale Bände unter dem Reihentitel „Erkundungen“. Jeder Band versammelte Erzählungen aus einem Land oder einer Region – „X Erzähler aus Y“ lautete die Formel. Chile, Vietnam, Belgien und die…
Angeregte Dialoge
Literatur ist für mich mehr als reine Information und Unterhaltung – sie ist ein Quell der Inspiration und Anlass für Gespräche, sowohl innere als auch äußere. Anstatt uns in der stillen Rezeption zu verlieren, können wir die Kraft der Texte nutzen, um unser eigenes Denken anzustoßen und neue Perspektiven zu gewinnen und uns auch in Bewegung zu setzen. Hier sind meine Annäherungen an das AKTIVE LESEN.
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