Kategorie: Angeregte Dialoge

Literatur ist für mich weit mehr als reine Information und Unterhaltung – sie ist ein Quell der Inspiration und Anlass für lebendige Gespräche, sowohl innere als auch äußere. Anstatt in der stillen Rezeption zu verharren, nutze ich die Kraft der Texte, um mein eigenes Denken anzustoßen und neue Perspektiven zu gewinnen.

In dieser Rubrik versammle ich Arbeiten, die aus solchen Begegnungen entstanden sind – in Worten, Bildern, Tönen. Sie sind keine Rezensionen, sondern eigenständige Antworten: Spuren eines Dialogs, der zwischen den Zeilen stattfindet und nach verschiedenen Ausdrucksformen sucht.

  • Warum Adolf Endler lesen?

    Warum Adolf Endler lesen?

    Adolf Endler (1930-2009) war eine singuläre Erscheinung in der deutschsprachigen Literatur, ein Dichter, Essayist und Prosaist, dessen Werk sich der Kategorisierung oft entzieht. Gerade der Gesprächsabend „dies sirren“ mit Renatus Deckert, benannt nach einem seiner zentralen Gedichte, ist ein guter Ansatzpunkt, um sich ihm zu nähern, denn Endler war ein Meister des Gesprächs, der Anekdote…

  • Kultur im deutschen Programm des Radio London während der NS-Zeit

    Kultur im deutschen Programm des Radio London während der NS-Zeit

    Adolf Endler beschreibt in seinem ersten Kapitel „Frühe Kindheit“ eindrücklich das heimliche Hören ausländischer Sender, wobei ihn besonders Radio London faszinierte. Die BBC hatte bereits früh mit fremdsprachigen Sendungen begonnen: Der erste Dienst startete am 3. Januar 1938 auf Arabisch. Ab dem 27. September 1938 folgten Sendungen auf Deutsch, Italienisch und Französisch, die in der kritischen Phase…

  • Adolf Endlers Gedicht „Dies Sirren“

    Adolf Endlers Gedicht „Dies Sirren“

    Adolf Endlers Gedicht „Dies Sirren“ aus dem Jahr 1971 wirkt auf den ersten Blick wie ein surrealistisches Rätsel. Doch hinter der grotesken Szenerie dieser nur vier Zeilen verbirgt sich eine vielschichtige Auseinandersetzung mit historischen Traumata und politischer Ohnmacht. Basierend auf biografischen und literaturkritischen Quellen, bietet es Einblicke in ein rätselhaftes Meisterwerk, das zu den Schlüsseltexten…

  • Nathalie Schmid – Zwischen Libellen und Gletschern

    Nathalie Schmid – Zwischen Libellen und Gletschern

    Nathalie Schmid, geboren 1974 in Aarau, ist eine der eigenwilligsten und zugleich feinfühligsten Stimmen der zeitgenössischen deutschsprachigen Lyrik. Ihre Texte sind wie filigrane Landschaften – durchzogen von Melancholie, staunender Beobachtung und leiser Ironie. Sie schreibt mit einem Blick, der das Alltägliche poetisch auffächert, ohne es zu verklären. Ihre Sprache tastet, beobachtet, horcht – immer auf…

  • Das Espressoskop

    Das Espressoskop

    in
    1–2 Minuten

    Viele Jahre habe ich Fotos von Espressoschaum gemacht und gesammelt. Irgendwann ist es dann in Vergessenheit geraten; ich trinke inzwischen hauptsächlich Tee. Beim Lesen des Gedichts Espresso von Sarah Kirsch, kam die Erinnerung wieder; es geht dort u.a. um den Verlust von Orientierung am Alltag, im vermeintlich Vertrauten (Meine Lesart) – und das brachte mich…

  • Jürgen Völkert-Marten – NOSTALGIE

    Jürgen Völkert-Marten – NOSTALGIE

    Dieses Gedicht ist ein einziger Atemzug. Zwar gliedern Kommata den Text und ein Punkt beschließt ihn, doch syntaktisch bleibt es ein langer, fließender Satz. Die Interpunktion ordnet, ohne zu zerhacken – die Kommata schaffen Pausen wie beim Sprechen, wenn man Luft holt, ohne den Gedankenfluss zu unterbrechen. Die wiederholten Konjunktionen „und“ schaffen Rhythmus und Vorwärtsdrang…

  • Top Twenty & Panzeralarm

    Top Twenty & Panzeralarm

    Ein persönlicher Rückblick auf den BFBS in NRW Wie eine ferne Radiowelle schwingt sie noch heute durch das Gedächtnis – die Erinnerung an Nächte mit dem BFBS, dem „British Forces Broadcasting Service“, der in den 1960er- und 70er-Jahren vielen Jugendlichen in Westdeutschland die musikalische Welt öffnete. Im Gedicht „NOSTALGIE“ von Jürgen Völkert-Marten klingen warme Töne…

  • Gegenentwürfe zur Ratlosigkeit: Wiederaufbruch

    Gegenentwürfe zur Ratlosigkeit: Wiederaufbruch

    Meine Entwürfe beziehen sich auf das Gedicht RATLOS von Jürgen Völkert-Marten. Im Dunkel der Nacht, dieses bodenlose Schwarz, wo Fragen wie Schatten wuchsen, ungreifbar, und die Stille selbst nach einer Antwort schrie, einer wirklichen, da begann es, dieses zaghafte Flimmern. Nicht laut, kein Donner, der zerbricht, nicht grell, kein Blitz, der blendet, sondern wie ein…

  • Wenn die Hände denken.

    Wenn die Hände denken.

    Du musst deinem Leben Hände geben. Das Gedicht „RATLOS„von Jürgen Völkert-Marten schlägt mir entgegen wie eine kalte Wand. Eine Litanei des Erstickens: Strick. Pistole. Schlaftabletten. Eine Aufzählung von Auswegen, die keine sind, sondern Sackgassen, Abgründe. Ausreißen. Neu anfangen. Schluß machen. Leben fortwerfen. Die Verzweiflung ist greifbar in ihrer sprachlichen Kargheit. Keine Bilder, nur nackte Substantive, Verben des Endens oder…

  • Jürgen Völkert-Marten – Ratlos

    Jürgen Völkert-Marten – Ratlos

    Es ist das erste Gedicht, dass mir auffällt, als ich nach dem abgedruckten Holzschnitt von Heinz Stein suche. Ich überlege, ob ich das Heft gleich wieder schließe. Manchmal trifft man auf Texte, die so gar nicht, nicht mehr zu eigenen Lebenssituation passen. Also, ich habe es dennoch gelesen und hier ist meine – auf Abstand…

  • Jürgen Völkert-Marten UNSER FORTGESETZTER WUNSCH NACH OPTIMISMUS

    Jürgen Völkert-Marten UNSER FORTGESETZTER WUNSCH NACH OPTIMISMUS

    Jürgen Völkert-Marten entdeckte ich durch Zufall, auf der Suche nach Texten von Ille Chamier. Auf einer Verkaufsplattform bot der Autor verschiedene Ausgaben der Zeitschrift „jeder art“ an – und mit ihnen diesen schmalen Lyrikband aus dem Jahr 1977. Ergänzt durch einen Holzschnitt von Heinz Stein erwies sich der Fund als gedeihliche Entdeckung. Völkert-Marten stellt mit…

  • Jürgen Völkert-Marten

    Jürgen Völkert-Marten

    Jürgen Völkert-Marten (*23. Mai 1949 in Gelsenkirchen) ist ein deutscher Schriftsteller, der in erster Linie durch seine Lyrik bekannt wurde. Sein Debüt gab er 1974 mit dem Gedichtband Keine Zeit für Träumer. In den folgenden Jahrzehnten veröffentlichte er zahlreiche weitere Werke und etablierte sich als eine markante Stimme der deutschsprachigen Gegenwartslyrik. Der Autor lebt in…

  • Dies Sirren – Adolf Endler im Gespräch mit Renatus Deckert

    Dies Sirren – Adolf Endler im Gespräch mit Renatus Deckert

    LektüreNotizen | Eingeleitet ist dieser Gesprächsband mit dem Abdruck einer handschriftlichen Version seines titelgebenden Gedichts aus dem Jahre 1971: Dies Sirren Und wieder dies Sirren am Abend. Es gilt ihnen scheint es für SingenIch boxe den Fensterladen auf und rufe He laßt mich nicht ratenIhr seid es Liliputaner das greise Zwergenpaar van der KlompenCui bono…

  • Ille Chamier & Karen Roßki

    Ille Chamier & Karen Roßki

    DAS ZÜNDBLÄTTCHEN – Heft 21 LektüreNotizen | Das Heft beinhaltet acht Gedichte der in Düsseldorf lebenden Autorin Ille Chamier und vier Bleistiftzeichnungen der Dresdner Künstlerin Karen Roßki. Stammabschnitte von Bäumen, die, obwohl blattlos, für mich die Energie der vier Jahreszeiten vermitteln. Details von Ästen, , markante Jungbäume, Totholz(?). Die Zeichnungen erinnern teils an Fabelwesen, so…

  • Fünf Teller. / Fünf Hemden. / Fünf Sätze. / Keiner ganz.

    Fünf Teller. / Fünf Hemden. / Fünf Sätze. / Keiner ganz.

    Ille Chamiers Stil ist schwer zu imitieren – weil er nicht nur Technik, sondern eine Haltung ist. Ihre Sprache wirkt wie gehämmertes Geröll: kantig, verdichtet, mit plötzlichen Bildsprüngen. Ein Gedicht zum Thema „Sorgearbeit und Schreiben“ hätte bei ihr möglicherweise so geklungen: Mögliche Stilmerkmale (rekonstruiert aus ihren Texten): Lakonische Präzision:Nicht:„Die Last der unendlichen Pflichten drückt mich…

  • Ille Chamier – Am Tag, als ich hinfuhr, zum Treffen schreibender Frauen…

    Ille Chamier – Am Tag, als ich hinfuhr, zum Treffen schreibender Frauen…

    Die Erzählung „Am Tag, als ich hinfuhr, zum Treffen schreibender Frauen…“ (erschienen in Courage – Berliner Frauenzeitung, Juli 1979) offenbart scharfe gesellschaftskritische und feministische Positionen: Die Last der unsichtbaren Arbeit Ille Chamier beschreibt minutiös, wie Care-Arbeit (Kinderbetreuung, Haushalt) ihr Schreiben behindert. Bevor sie zum Frauentreffen aufbrechen kann, muss sie ein komplexes Netz aus Versorgungsaufgaben organisieren:…

  • Karen Roßki

    Karen Roßki

    Zwischen Abstraktion und Naturverbundenheit | Karen Roßki (*1965 in Dresden) ist eine in Dresden lebende und arbeitende Künstlerin, deren Werk sich durch großformatige Gemälde in Öl, Pigmenten und verschiedenen Zeichentechniken sowie Objektkunst auszeichnet. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen abstrakter Landschaftsdarstellung und einer organisch anmutenden Formensprache, die durch intensive Farbkompositionen Naturphänomene aufgreift. Aufmerksam geworden bin ich…

  • Ille Chamier – Werk und Wege

    Ille Chamier – Werk und Wege

    Ille Chamiers Werk bewegt sich zwischen Tanz, Lyrik und bildender Kunst. Geboren 1937 am Niederrhein, begann sie ihr Studium 1956 mit Tanz an der Folkwangschule in Essen – gemeinsam mit Pina Bausch (Tanztheater Wuppertal). Nach einem Studium der Germanistik und Romanistik in München bis 1962 kehrte sie nach Düsseldorf zurück. Dort verbrachte sie Anfang der…

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