Wege die beim Lesen entstehen
Zukunft liest Vergangenheit
Zwei Fotos derselbe Mensch. Einmal siebzehn, einmal kurz vor dem Ende. Manguel schreibt, es sei nicht gesagt, dass man das jĂŒngere Bild dem spĂ€teren vorziehen wĂŒrde. Weil das Wissen um das Ende bereits darin ist. Man schaut auf den Jungen und sieht den Sterbenden mit. Alberto Manguel nennt das: âDer Einfluss der Zukunft auf die Vergangenheit.“
Aber gilt das auch umgekehrt? Vielleicht zieht man das spĂ€tere Bild vor â nicht wegen des Verlusts, sondern wegen der FĂŒlle. Weil darin sichtbar ist, was geworden ist.
Gelesen bei Alberto Manguel | Tagebuch eines Lesers
schönstes dunkelgrau
in der ausgabe 301 der horen (faltenwurf: mode â tanja maljartschuk) schreibt bettina wilpert ĂŒber einen hosenanzug. ich las mich dabei fest â genauer gesagt: ich las falsch. aus trĂŒge wurde trĂŒbe, und plötzlich fragte ich mich, wie sich dunkelgrau ĂŒberhaupt trĂŒben lĂ€sst. die frage lieĂ mich nicht los. daraus ist ein gedicht geworden, und ein aquarell.
Erinnerungskultur?
Ich war auf der Suche nach BĂŒchern. Gefunden habe ich ein Foto.
Es lag auf dem Sandboden einer Bushaltestelle, die hier im Wendland als öffentlicher BĂŒcherschrank fungiert. Ein Abzug, eingerissen, mit Rostflecken â vermutlich von einer Pinnadel. Jemand hatte ihn irgendwann aufgehĂ€ngt, er gehörte zu etwas. Dann nicht mehr.
LektĂŒreNotizen
Inspiriert von der Praxis des Lesetagebuchs, nutze ich unterschiedliche Formen, um diesen Prozess abzubilden: Skizzen verorten plötzliche Einsichten, Töne halten die Stimmung einer Passage fest, Filme fangen Bewegung ein, wo Worte erstarrten. Form follows function â denn nur so lĂ€sst sich erfassen, was beim Lesen geschieht: ein Dialog, der nicht endet.
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ich kann gedichte nicht ausstehen.
ich bin im wald, stehe vor einem innerwald. nach einer intensiven forsternte bildeten sich so viele junge bĂ€ume, dass â von auĂen betrachtet â ein wald im wald entstanden ist. die bĂ€umchen scheinen sich gegenseitig licht und raum zu nehmen,…
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Ruth Frobeen – Irmelin Fuchs
Der schmale Band bewegt sich zwischen Roman und lĂ€ngerer ErzĂ€hlung. Die Handlung setzt im Sommer 1939 in New York City ein. Die neunzehnjĂ€hrige Irma Sabrina Fuchs erwacht nach einem Koma in einem Altersheim, ohne jede Erinnerung an ihre Herkunft, ihre…
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NĂązım Hikmets Menschenlandschaften â 1
Die vergessenen BĂŒcher und der Zug durch Anatolien | Manchmal braucht es den Hinweis eines anderen, um im eigenen Regal wiederzufinden, was lĂ€ngst hĂ€tte gelesen werden sollen. Bei mir war es ein Nebensatz auf der Website von Volkmar MĂŒhleis, der…
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Volkmar MĂŒhleis – VON EINEM BUCH ZUM ANDERN WANDERN
VON EINEM BUCH ZUM ANDERN WANDERN hunderte von Seiten lang durch die Pariser VorstĂ€dte zurĂŒck in BĂŒchners Zeit ĂŒber Gedichte hinter dem Eisernen Vorhang mitten durch ein Ideen-Gewimmel aus Reiselust einen Blick auf Rom werfen, um wieder bei einer Tasse…
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Sike – Kartographie
Kartographie ist die deutsche Erstveröffentlichung der 2019 in Argentinien erschienenen Graphic Novel CartogrĂĄfica des Illustrators und Comic-KĂŒnstlers Sike (Ăbersetzung: Lea HĂŒbner, avant-Verlag, 128 Seiten, Hardcover). Die ErzĂ€hlung setzt ein, als ein junger Mann ins Buenos Aires der spĂ€ten 2010er Jahre…
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Zwei Wege, Atlantis zu lesen? WisĆawa Szymborska trifft Nathalie Schmid
Atlantis ist einer dieser Orte, die weniger durch Geografie existieren als durch Sprache. Je mehr ĂŒber ihn gesprochen wurde, desto unauffindbarer wurde er. In der Lyrik taucht Atlantis deshalb selten als Schauplatz auf, sondern als Denkbewegung: als Frage nach Ort,…
Bewegt (ge)lesen
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ich kann gedichte nicht ausstehen.
ich bin im wald, stehe vor einem innerwald. nach einer intensiven forsternte bildeten sich so viele junge bĂ€ume, dass â…
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Kartographie – DIY
Wie kann man selbst visuell erzĂ€hlen lernen? Wer nach der LektĂŒre von Kartographie selbst diese Form der WelterschlieĂung ausprobieren möchte,…
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Sikes Kartographie lesen
Wie liest man visuell erzĂ€hlte Geschichten so, dass sie haften bleiben? Visuelles ErzĂ€hlen ist keine VerkĂŒrzung von Text, sondern eine…
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Ein schöner Satz vorweg.
Ăber Epigraphen und die Kunst, sie zu ĂŒberlesen â oder zu nutzen. | Hansjörg Schertenleib, Der Antiquar. Ich blĂ€ttere die…
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Wenn das Licht den Raum gibt
Am frĂŒhen Morgen sah ich im Garten eine vertrocknete Stockrose stehen, unbewegt, unbeirrt. Ein Zimmerlicht fiel schrĂ€g von auĂen auf…
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Literatur aus Fotografien
Bei der LektĂŒre von John Bergers und Jean Mohrs Eine andere Art zu erzĂ€hlen stellte sich mir eine Frage: Gibt…
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Autobiografie als Spur
Schreiben jenseits der Erinnerung I. Das Problem mit dem Erinnern Wenn Frank Witzel vom Erinnern als „diffuser und unzureichender PrĂ€misse…
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Schreiben im reinen PrÀsens. Ein Experiment nach Frank Witzel
Frank Witzel beginnt seinen Text ĂŒber vergessene, verkannte und verschollene Autoren mit einem EingestĂ€ndnis: Der Vorgang des Erinnerns, obwohl er…
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Wolfgang Mattheuer als ErzĂ€hlanlass – Werkstattbericht
Warum ich zögere | Ich lese Wolfgang Mattheuers Buch ĂuĂerungen und zögere – immer wieder. Nicht, weil mich seine Bilder…
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Exkurs: Weiterarbeiten mit „pont des art“
FĂŒnf AnsĂ€tze fĂŒr aktives Lesen | Nach der LektĂŒre von Niemelas „pont des arts“ stellte sich mir die Frage: Gibt…
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Sarah Kirschs Gedichte verstehen – Eine AnnĂ€herung
Wer zum ersten Mal ein Gedicht von Sarah Kirsch liest, steht oft vor einem RĂ€tsel. Da ist die Rede von…
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lonesome journalist
Eine literarische Spurensuche | Als Kultur- und Literaturblogger begegne ich immer wieder Romanen, die mehr sind als nur fiktive Geschichten…
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Atmen, Handeln, Lesen: Michael Fehr und das bewegte Lesen
Laut gedacht | Ein PlĂ€doyer fĂŒr das körperliche Erleben von Literatur Der Atem gehört zum ErzĂ€hlen «In der Schriftkultur haben…
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Lithopoesie â Steine Geschichten erzĂ€hlen lassen
Steine zu sammeln ist fast alltĂ€glich fĂŒr mich. Meistens sind diese FundstĂŒcke mehr als Dekorationsobjekte. Irgendwann bin ich auf die…
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Lesen nach HélÚne Cixous
Ich greife nach Kafkas Verwandlung,der Einband, vertraut,schon wissend: Gregor, KĂ€fer, Entfremdung. Doch heute steht die erste Zeilewie ein Fremder an…
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Die Kunst des GesprÀchs mit dem Gedicht
Eine persönliche AnnĂ€herung | Das Lesen von Gedichten ist oft eine intime, manchmal sogar mystische Erfahrung. Anders als ein Roman,…
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Zeilen und KlÀnge
Eine Handreichung zum Finden von Musik zu Gedichten. FĂŒr alle, die glauben, dass ein Gedicht klingen kann â auch nach…

Vielleicht ist es eine Taube.
Keine Stadttaube, eher eine von frĂŒher,
eine, die noch weiĂ, wohin man etwas bringt.
An der Wand bleibt eine Musik zurĂŒck,
die nicht mehr trÀgt.
LiteraturMagazine erkunden
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Akzente – Gute Literatur.
3â4 MinutenAls ich mir eine Ausgabe der Akzente bestellt habe, wollte ich mir eigentlich nur einen Eindruck verschaffen: Was macht dieses traditionsreiche Literaturmagazin heute aus? Was ist sein Ton, sein Anspruch? Ich schlug das Heft auf â und blieb bei der Einleitung von Florian Kessler hĂ€ngen. Unter dem Titel âDie Frageâ schreibt er: Wozu? Was kann…
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konzepte – Zeitschrift fĂŒr Literatur
2â3 MinutenKonzepte. Zeitschrift fĂŒr Literatur ist seit 1985 ein fester Bestandteil der deutschsprachigen Literaturszene und bietet eine Plattform, auf der sowohl etablierte als auch junge, bislang unbekannte Autoren erstmals ihre Stimme finden können. Die Geschichte des Magazins begann bescheiden: GegrĂŒndet von Norbert Kron erschien die erste Ausgabe als ein vierseitiges, in der Mitte gefaltetes DINâA3-Blatt, das…
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WORTSCHAU Nr. 43
2â3 MinutenGedanken zur âWORTSCHAU“ #43 (Es hört nie auf) â oder: Warum ich beim Lesen ins Stolpern kam Beim Lesen dieser Ausgabe drĂ€ngte sich mir eine Frage auf: FĂŒr wen sind diese Texte eigentlich gedacht? Nicht, weil die Sprache unzugĂ€nglich wĂ€re â im Gegenteil, Satzbau und Wortwahl sind oft klar â, sondern weil viele Gedichte in…
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Muschelhaufen
1â2 MinutenMuschelhaufen war eine deutschsprachige Jahresschrift fĂŒr Literatur und Grafik, die von Erik Martin herausgegeben wurde. Sie erschien von 1969 bis zur Ausgabe 47/48 im Jahr 2007/2008. Erik Martin, auch bekannt als „Mac“, war der GrĂŒnder und langjĂ€hrige Herausgeber der Zeitschrift. Die Publikation entstand aus der bĂŒndischen Zeitschrift „grenzwaldfahrer“, die von 1962 bis 1969 existierte. Mit…
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„Temperamente“ â Junge Literatur in der DDR
3â5 MinutenDas Literaturmagazin Temperamente war eine wichtige Plattform fĂŒr junge Schriftsteller und Nachwuchsautoren in der Deutschen Demokratischen Republik. GegrĂŒndet 1970 als Beilage der Zeitschrift Forum, entwickelte es sich schnell zu einer eigenstĂ€ndigen Publikation, die maĂgeblich zur PrĂ€sentation neuer Stimmen und literarischer Experimente beitrug. WĂ€hrend es einerseits den kulturpolitischen Vorgaben der DDR unterlag, bot es andererseits immer…
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LiteraturMagazine
1â2 MinutenDie Welt der Literatur ist weit und unĂŒbersichtlich. Wer sich in ihr orientieren will, stöĂt schnell an Grenzen â an Algorithmen, an Bestsellerlisten, an den immer gleichen Resonanzraum. Was dann hilft, sind keine weiteren Rankings, sondern verlĂ€ssliche Bezugspunkte. FĂŒr mich sind das, neben persönlichen Empfehlungen, vor allem Literaturmagazine. Nicht als MarktĂŒbersicht, nicht als Trendbarometer, sondern…
Angeregte Dialoge
Literatur ist fĂŒr mich mehr als reine Information und Unterhaltung â sie ist ein Quell der Inspiration und Anlass fĂŒr GesprĂ€che, sowohl innere als auch Ă€uĂere. Anstatt uns in der stillen Rezeption zu verlieren, können wir die Kraft der Texte nutzen, um unser eigenes Denken anzustoĂen und neue Perspektiven zu gewinnen und uns auch in Bewegung zu setzen. Hier sind meine AnnĂ€herungen an das AKTIVE LESEN.
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ich kann gedichte nicht ausstehen.
ich bin im wald, stehe vor einem innerwald. nach einer intensiven forsternte bildeten sich so viele junge bĂ€ume, dass â…
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Ruth Frobeen – Irmelin Fuchs
Der schmale Band bewegt sich zwischen Roman und lĂ€ngerer ErzĂ€hlung. Die Handlung setzt im Sommer 1939 in New York City…
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NĂązım Hikmets Menschenlandschaften â 1
Die vergessenen BĂŒcher und der Zug durch Anatolien | Manchmal braucht es den Hinweis eines anderen, um im eigenen Regal…
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Volkmar MĂŒhleis – VON EINEM BUCH ZUM ANDERN WANDERN
VON EINEM BUCH ZUM ANDERN WANDERN hunderte von Seiten lang durch die Pariser VorstĂ€dte zurĂŒck in BĂŒchners Zeit ĂŒber Gedichte…
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Sike – Kartographie
Kartographie ist die deutsche Erstveröffentlichung der 2019 in Argentinien erschienenen Graphic Novel CartogrĂĄfica des Illustrators und Comic-KĂŒnstlers Sike (Ăbersetzung: Lea…
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Zwei Wege, Atlantis zu lesen? WisĆawa Szymborska trifft Nathalie Schmid
Atlantis ist einer dieser Orte, die weniger durch Geografie existieren als durch Sprache. Je mehr ĂŒber ihn gesprochen wurde, desto…
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Jane Wels – Lilith
Ein Gedicht von Jane Wels – auf Instagram von ihr geteilt – fragt nach einem Raum, in dem Sprache nicht…
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Udo Degener – Meine Gedichte sind
Der Text setzt mit einer Wiederholung ein. Jede Zeile beginnt gleich, und doch verschiebt sich der Gegenstand fortlaufend. âMeine Gedichte…
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Elisabeth Wesuls – Geschichte
Tarnung, Enttarnung und das Unheimliche der KontinuitĂ€t. AnnĂ€hernd gelesen | Beim ersten Lesen von Elisabeth Wesuls Miniatur gibt es diesen…
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Michael KrĂŒger – 02. Mai 2025
Warum mĂŒssen Tiere immer fĂŒr uns herhalten? Michael KrĂŒger hat in die horen #299 ein neues Gedicht veröffentlicht (datiert/betitelt 2.…
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die horen: „Rezept fĂŒr den tĂ€glichen Waldgang“ – Ausgabe 299
Thema: Ăber Gewohnheiten wie diese Diese Ausgabe widmet sich dem PhĂ€nomen der Gewohnheiten im menschlichen Leben. Der Titel stammt von…
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